Nationalteam
Hitzfeld: «Wir sind vielleicht bei 80 Prozent des Leistungsvermögens»

Die Schweiz besiegt Jamaika im ersten Testspiel der WM-Vorbereitung ohne Glanz 1:0. Bis zum Start der WM bleibt viel zu tun.

Etienne Wuillemin, Luzern
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Die entscheidende Szene des Testspiels der Schweiz gegen Jamaika: Josip Drmic (r.) bezwingt Torhüter Andre Blake zum 1:0.

Die entscheidende Szene des Testspiels der Schweiz gegen Jamaika: Josip Drmic (r.) bezwingt Torhüter Andre Blake zum 1:0.

Keystone

Es brauchte viel Geduld, bis die Erlösung kam. Aber sie kam. Immerhin. Und das war das Beste an diesem tristen Abend des ersten Schweizer WM-Testspiels.

Nach 84 Minuten passte Blerim Dzemaili zu Josip Drmic. Der Stürmer tanzte einen jamaikanischen Statisten aus und vollendete mit dem Aussenrist. Mit dem 1:0 verbannte er die aufkommenden Gedanken an das peinliche 0:0 der Schweiz gegen Malta von Anfang 2011.

Es blieb bei diesem 1:0. Es war ein erdauerter Sieg. Und auch wenn es beileibe keine Glanzleistung war, so darf man hoffen, dass er bei der Schweizer Delegation positive Gefühle auslösen wird für den weiteren Verlauf der WM-Vorbereitung.

Morgen in zwei Wochen beginnt für die Schweiz gegen Ecuador die WM. Bis dahin bleibt viel zu tun. Das wurde gestern in der mit 15 000 Zuschauern ausverkauften Swissporarena in Luzern überdeutlich. Auch wenn die Beteiligten, allen voran Ottmar Hitzfeld, schon im Vorfeld betonten, dem Test nicht allzu viel Bedeutung zuzumessen.

Die Schweizer Fans sind in Stimmung.
10 Bilder
Hatte für einmal kein Glück: Xherdan Shaqiri.
Verpasste Chance: Granit Xhaka.
Erlöst: Die Schweizer jubeln nach dem späten Tor.
Die Jamaikaner leisteten heftige Gegenwehr.
Drin: Gelson Fernandes jubelt über den Siegestreffer von Drmic (83.)
Zufrieden sieht anders aus: Xherdan Shaqiri.
Philippe Senderos fightet um den Ball.
Kritischer Blick: Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld
Die Schweiz schlägt Jamaika im WM-Test mit 1:0

Die Schweizer Fans sind in Stimmung.

Keystone

Der Nationaltrainer resümierte nach dem Spiel: «Wir sind vielleicht bei 80 Prozent des Leistungsvermögens. Wichtig war, dass wir kein Gegentor erhielten und sich niemand gravierend verletzte.» Die Fussverletzung von Mehmedi ist nach ersten Erkenntnissen nicht gravierend.

Torschütze Drmic sagte: «Es war ein Herantasten an die WM. Wir haben noch viele Arbeitsstunden vor uns.» Sich selbst nahm er nicht aus. In der 67. Minute vergab er aus nächster Nähe eine riesige Chance. Jedes seiner 17 Tore, die er mit Nürnberg in dieser Bundesliga-Saison erzielte, war schwieriger.

Drmic traf bereits gegen Kroatien doppelt. In sechs Einsätzen für die Schweiz hat er nun dreimal getroffen. «Er hat sich für weitere grosse Aufgaben empfohlen», sagt Hitzfeld. «Wenn jemand trifft, ist das immer die beste Bewerbung.» Am Dienstag wird Drmic gegen Peru von Anfang an spielen. Klar ist: Er hat das Potenzial, an der WM zum Teufelskerl zu werden.

Jamaika-Trainer Winnie Schäfer sagte: «Es ist wohl gut, dass die Schweizer schon einmal Bekanntschaft mit einer Mannschaft aus der Karibik gemacht hat.» Das Testspiel sollte für die Schweiz den WM-Ernstfall gegen Honduras simulieren. Hitzfeld sagte: «Die Jamaikaner haben sich Usain Bolt zum Vorbild genommen und haben uns mit ihren schnellen Kontern ein paar Mal gefordert.» Das war ein etwas gar gut gemeintes Lob für den ziemlich überforderten Gegner. Sein eigenes Team lobte Hitzfeld für die «viele Geduld. Im Laufe der zweiten Halbzeit haben wir uns gesteigert». Schäfer schloss derweil seine Ausführungen ab mit dem Satz: «Wer uns schlägt, der muss schon mindestens in den Achtelfinal kommen.»

Die fehlenden Stammspieler

Die Schweiz begann ohne sechs mutmassliche Stammspieler. Es war ihr schnell anzumerken. Seferovic war im Sturm die fehlende Spielpraxis gut anzusehen. Er stand seinen Mitspielern gar häufig im Weg. Dzemaili war bemüht, aber es gelangen ihm zu wenig gute Zuspiele in die Spitze.

Auch die Verteidigung lieferte im einen oder anderen Moment wenig Grund für Optimismus. Wie Djourou seinen Gegenspieler in der 28. Minute mit einem Foul in höchster Not stoppen musste, war besorgniserregend. An der WM dürften dann Schär und von Bergen verteidigen.

Nach den Einwechslungen von Stocker und Drmic war die Schweiz etwas zwingender. Mehmedi fiel durch einige gute Distanzschüsse auf, aber er ist besser aufgehoben als hängende Spitze denn als Flügel.

Noch bleibt genügend Zeit, um Korrekturen anzubringen. Und das ist, trotz des Sieges, auch nötig.