Fussball

Hitzfeld oder die 100 Tage: Vielleicht kommt alles nochmals anders bis zur WM

100 Tage dauert es noch bis zur Weltmeisterschaft in Brasilien. Für Nati-Coach Ottmar Hitzfeld kann sich bis dahin noch vieles ändern. Unterdessen müssen sich die Fussballer auch mit Fragen zur Masseneinwanderungsinitiative herumschlagen.

Heute in 100 Tagen beginnt die Fussball-WM. Für einige ist das schon ziemlich nahe. Andere wiederum finden Gedanken daran verfrüht. Ottmar Hitzfeld zum Beispiel.

Als ihn gestern ein französischer Journalist fragt, ob er denn schon eine Strategie entwickelt habe, wie die Schweiz «Les Bleus» an der WM besiege, lächelt er und erklärt: «Das können Sie mich dann vor der WM nochmals fragen. Auch bei Frankreich kann noch alles anders werden bis dahin.»

«Tolerant gegenüber Ausländern»

Nicht wegen sportlicher Schlagzeilen interessiert sich «Al Jazeera» für die Schweiz. Der Korrespondent wollte von Hitzfeld wissen, ob es nicht sonderbar sei, wenn das Volk einerseits mit seiner multikulturellen Fussball-Nationalmannschaft mitfiebere, andererseits aber die Masseneinwanderungsinitiative annehme.

Hitzfeld antwortete: «Ich kann nur sagen: Bei uns ist jeder mit ganzem Herzen dabei. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.» Hitzfeld parierte die Frage so souverän, wie Yann Sommer jeweils die Penaltys.

Wie reagiert das Team auf diese Provokation? Stephan Lichtsteiner stellt klar: «Die Schweiz hat nichts gegen Ausländer. Es handelt sich um ein Ventil, das dem Staat gewisse Handlungsspielräume gibt. Wir werden auch in Zukunft tolerant und offen sein gegenüber Ausländern. Unser Land gilt zu Recht als Vorbild für viele andere. Wir sollten den Volksentscheid akzeptieren.» Pirmin Schwegler ergänzt: «Dieser Entscheid ist kein Thema. Wir sind eine funktionierende Einheit – und kümmern uns nicht um Politik.»

Zurück zum Sport. Morgen bestreitet die Schweiz gegen Kroatien ihr letztes Testspiel, bevor Hitzfeld das 23-Mann-Kader für die WM bekannt gibt.

Primär ist es die Hauptprobe für den Vergleich mit Frankreich an der WM. In der unmittelbaren WM-Vorbereitung spielt die Schweiz dann noch gegen Jamaika (30. Mai) und Peru (3. Juni), um auch Referenzen für die Aufgaben gegen Honduras und Ecuador zu erhalten. Gegen Kroatien wird Hitzfeld ein Team spielen lassen, das der WM-Formation möglichst ähnelt.

Möglich ist, dass auch Haris Seferovic zum Einsatz kommt. Der Stürmer von San Sebastian machte vor einer Woche Schlagzeilen mit einem Bar-Besuch, der nach einem Streit mit seiner Freundin im Gefängnis endete. Hitzfeld entschloss sich, Seferovic aufzubieten. «Er ist Teil der Mannschaft und wir hatten einige Gespräche über die Vorkommnisse.»

Die drei dringendsten Fragen

Was bis zur WM mit den einzelnen Spielern geschieht, ist kaum vorherzusehen. Das betont auch Hitzfeld. «Ich will immer flexibel bleiben, habe Alternativen im Hinterkopf.»

Vielleicht ist gerade dies eine der Stärken der «neuen» Schweiz. Fällt ein Spieler aus, steht der nächste bereit, um die Lücke zu füllen.

Mit einer Ausnahme: Xherdan Shaqiri. Man kann nur hoffen, dass er sämtliches Verletzungspech dieser Saison bereits eingezogen hat.

Natürlich dominieren auch jetzt die Fragen, die sich derzeit immer stellen im Umkreis der Nationalmannschaft.

Zum Beispiel: Gibt es einen Stürmer, der an der WM Tore erzielt? Ist Granit Xhaka wirklich der geeignete Regisseur? Welche zwei Innenverteidiger ergänzen sich am besten?

Die Antworten darauf gibt es noch früh genug. Es lohnt sich kaum, sich vertieft damit auseinanderzusetzen. Oder wer hätte im Herbst, nach Haris Seferovics prächtigem Start in San Sebastian und den herausragenden Leistungen im Nationaltrikot, an Josip Drmic gedacht? Eben.

Vielleicht ist auch in 100 Tagen wieder alles anders.

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