Fussball
Hitzfeld: «Man sollte sich bei Doppelbürgern nie zu sicher fühlen»

Ottmar Hitzfeld spricht vor dem kapitalen Spiel gegen Bulgarien über Nati-Neuling Mario Gavranovic und Bulgariens Trainer Lothar Matthäus.

Michele Coviello und Francois Schmid-Bechtel
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Ottmar Hitzfeld will die Auftstellung noch nicht bekannt geben. (Archiv)

Ottmar Hitzfeld will die Auftstellung noch nicht bekannt geben. (Archiv)

Herr Hitzfeld, welche Rolle kann Debütant Mario Gavranovic spielen?

Ottmar Hitzfeld: Ich freue mich, dass sich Gavranovic für die Schweiz entschieden hat. Er ist ein Spieler, der sehr schnell, wendig, laufstark und torgefährlich ist. Für die Schweiz ist er auch für die Zukunft sehr interessant.

Stand es zur Diskussion, dass er für Kroatien spielen würde?

Man sollte sich bei Doppelbürgern nie zu sicher fühlen.

Hat es Überzeugungsarbeit Ihrerseits gebraucht?

Ich habe das erste Gespräch mit Gavranovic auf Malta geführt, als ich ihn zu uns ins Hotel eingeladen habe. Da hat er bereits gesagt, dass er für die Schweiz spielen will.

Was hat sich in den sechs Wochen seit dem Malta-Spiel geändert?

Die Spieler haben wieder mehr Praxis. Sie sind jetzt in Form, auch wenn mit Benaglio und Djourou leider zwei Säulen unserer Mannschaft verletzt sind. Und Gavranovic hat sich seither aufgedrängt.

Was haben Sie mit dem genesenen Valon Behrami vor?

Die Aufstellung möchte ich jetzt noch nicht bekannt geben. Bei Fiorentina hat er nun regelmässig gespielt und war dort ein Leistungsträger. Wenn er sich nicht verletzt, hat er gute Chancen, in Bulgarien zu spielen.

Etliche im Ausland engagierte Spieler stecken mit ihren Klubs im Abstiegskampf wie beispielsweise Schwegler. Was spielt das für eine Rolle in Ihren Überlegungen?

Man muss viele Dinge berücksichtigen, wenn man einen Spieler nominiert oder aufstellt: Wie ist er in Form, wie ist die Psyche, hat er Selbstbewusstsein? Aber Schwegler hat bei Frankfurt trotzdem gute Leistungen gebracht. Es lag nicht an ihm, dass man nicht gewonnen hat, sondern an den Stürmern, die nicht mehr getroffen haben oder an der Abwehr, die Fehler gemacht hat. Ich werde in der nächsten Woche natürlich einige Gespräche führen und werde fühlen, wie stark sich die Spieler fühlen.

Kann es auch ein Vorteil sein, dass viele Spieler im Verein eine schwierige Situation erleben und sich deshalb den Druck für das Spiel in Bulgarien gewohnt sind?

Mir ist immer lieber, wenn die Spieler mit Erfolgserlebnissen zum Nationalteam kommen und ein paar Spiele hintereinander gewonnen haben. Dann haben sie mehr Selbstbewusstsein und ein ganz anderes Auftreten. Jetzt hingegen muss man versuchen, den Spielern wieder Vertrauen zu schenken und sie aufzubauen. Ich muss einzelne Spieler genau beobachten, bevor ich Entscheidungen treffe.

Das Spiel in Bulgarien hat den Charakter eines Abstiegskampfes.

Es geht um die Qualifikation für die Europameisterschaft, das ist ein ganz anderes Ziel. Viele Spieler haben sich schon gemeldet und wollten wissen, wie das Programm nächste Woche aussieht. Da spürt man schon, dass die Motivation sehr hoch sein wird und das Interesse der Spieler ein ganz anderes ist als im Vorfeld des Malta-Spiels.

Was wissen Sie von den Bulgaren?

Ich gehe davon aus, dass Lothar Matthäus hauptsächlich auf die Spieler setzt, die in Wales 1:0 gewonnen haben. Es wird keine grossen Überraschungen geben.

Was halten Sie von Matthäus als Trainer?

Ich habe ihn als Spieler bei Bayern München erlebt. Er ist ein Fussballverrückter, der mit Leidenschaft Fussballer gewesen ist und versucht, das auch als Trainer umzusetzen. Er hat einen starken Willen und einen unglaublichen Ehrgeiz.

Überrascht es Sie, dass er nie eine Gelegenheit bekommen hat, in Deutschland zu trainieren?

Ja, es hat mich schon überrascht, dass er bis jetzt nicht Bundesligatrainer geworden ist. Die Fähigkeiten hätte er dazu. Er hat das grosse Kämpferherz, das auch wichtig ist, um im Tagesgeschäft immer Leistung zu bringen.

Sie kennen ihn als Spieler, aber er kennt Sie als Trainer. Ist das ein Vorteil für Matthäus?

Ich glaube nicht, dass es wichtig ist, ob man den Trainer kennt. Entscheidend wird sein, welche Spieler nächsten Samstag in Form sind, welche Mannschaft zuerst ins Spiel findet und welches Team eine psychische Stabilität zeigen wird. Das wird nächsten Samstag entscheidend sein.

Ist für Sie die Akte Alex Frei geschlossen oder versuchen Sie ihn zum Rücktritt vom Rücktritt zu bewegen?

Ich habe mich am Donnerstag mit Alex Frei unterhalten. Es ging dabei nicht um den Rücktritt, sondern um das Spiel in Bulgarien. Er hat zwei Spiele vor sich, in denen er eine Topleistung bringen will. Jetzt spielen wir gegen Bulgarien, im Juni gegen England, und dann sehen wir weiter.