Ottmar Hitzfeld für einmal in ungewohnter Umgebung: Statt an der Seitenlinie oder an einer Pressekonferenz stellte sich der Schweizer Nationaltrainer gestern im Rahmen des von Nati-Sponsor Credit Suisse organisierten «Basler Rhyygsprööchs» den Fragen einer Handvoll geladener Gäste aus der Finanz- und Wirtschaftswelt.

Obwohl das Gespräch von den Organisatoren als Diskussion rund um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aspekte des Fussballs angedacht war, drehte sich in der «Bebbi Bar» im St. Jakob-Park alles nur um den Sport. Die Nationalmannschaft, die bevorstehende WM und die Erfahrungen von Hitzfeld als Spieler und Trainer boten mehr als genug Gesprächsstoff.

Hitzfeld fühlte sich im intimen Rahmen sichtlich wohl, wirkte entspannt und beantwortete die Fragen der Gäste oftmals auch mit einer Prise Humor.

Ottmar Hitzfeld zur Frage, ob er lieber nochmals Bayern München oder Borussia Dortmund trainieren würde:

Ottmar Hitzfeld: Mein Herz schlägt ein bisschen mehr für Dortmund. Nirgends wird Fussball so intensiv gelebt wie im Ruhrgebiet. Aktuell würde ich aber Bayern München wählen, denn sie haben das bessere Team. Ich will ja schliesslich gewinnen und nicht Zweiter werden (lacht). Aber ich werde bestimmt nicht nochmals Trainer eines Klubs. Obwohl ich eben erst von Manchester United angefragt wurde.

Zu den Ticketpreisen für Fussballspiele in der Schweiz:

Man muss aufpassen, dass man den Bogen nicht überspannt. Die Eintrittspreise für die Spiele der Nationalmannschaft oder auch im Schweizer Cup sind teilweise überzogen. Man könnte sich beispielsweise überlegen, Familientickets einzuführen.

Zum Thema Migranten in der Nati und der Rolle von Gökhan Inler:

Ohne Migranten hätten wir keine so erfolgreiche Nati, wie wir sie jetzt haben. Gökhan ist unter anderem auch deshalb Captain, weil er die Migranten vereint und zudem einen guten Draht zu allen anderen Spielern hat.

Zur Frage, ob ein junger Spieler nur auf die Karte Sport setzen soll:

Ausbildung und Sport sollte man, solange es in vernünftigem Rahmen möglich ist, parallel laufen lassen. Wenn man schon mit 16 oder 17 voll auf den Sport setzt, kann das ein Problem werden.

Über Uli Hoeness:

Uli ist für mich nach wie vor ein guter Freund. Er war immer sehr loyal und hat mir bei meiner Zeit in München den Rücken frei gehalten. Ich hatte allerdings damals schon gemerkt, dass er mit grossen Beträgen an der Börse gehandelt hat. Auch bei unseren Gesprächen hat er immer mehrmals seinen Pager kontrolliert. Er ist jeweils schon morgens um 5 Uhr aufgestanden, um die Börse in Tokio zu beobachten. Uli war süchtig danach. Trotzdem bin ich mir sicher: Uli wird nochmals Bayern-Präsident, wenn er das denn will.

Hitzfeld zur WM-Vorbereitung und was er im Vergleich zu 2010 ändern will:

Ich bin im Vorfeld sicher gelassener als vor vier Jahren. Zudem werde ich den Spielern etwas mehr Freiheiten geben im Trainingslager. In Johannesburg waren wir völlig isoliert. Ich habe dies damals so gewünscht, damit wir uns besser fokussieren können. Im Nachhinein war das jedoch nicht ganz optimal.

Zur Tatsache, dass die deutsche Nationalmannschaft in Brasilien in der Nähe des Schweizer Teams untergebracht ist:

Die Deutschen wohnen auf einer Insel, die etwa 20 Minuten von unserem Hotel entfernt ist. Ich werde Bundestrainer Jogi Löw deswegen aber nicht besuchen. Er kann zu mir kommen (lacht).