Ottmar Hitzfeld, wie haben Sie den Moment der roten Karte für Valon Behrami erlebt?

Ottmar Hitzfeld: Aus meiner Sicht hat Behrami nicht zugeschlagen. Er hat in dieser Situation den Ball vor dem heranstürmenden Arturo Vidal verteidigt. Mit Mitteln, die im internationalen Fussball völlig legitim sind. Vidal hat sich theatralisch fallen lassen, und der Schiedsrichter hat den Steilpass angenommen. Die Südamerikaner sind allseits bekannt für solche Aktionen. Das hat mit Fussball nichts mehr zu tun.

Die Unparteiischen sorgen an dieser WM für reichlich Aufsehen. Woran liegt das?

Hitzfeld: So, wie an einer Weltmeisterschaft die besten Mannschaften der Welt spielen, sollten auch die Schiedsrichter die besten sein. Und die sind, wegen
der hohen Qualität des Fussballs dort, nun mal in Europa und Südamerika zu finden. Es bringt nichts, solche aufzubieten, die normalerweise am Strand pfeifen. Da ist die Fifa gefordert.

Wie hat sich Behramis Platzverweis auf Ihre Taktik ausgewirkt?

Hitzfeld: Der frühe Zeitpunkt war entscheidend. Die Devise, aus einer sicheren Abwehr heraus zu agieren, war von Anfang an da. Aber mit elf Spielern hätte man die Konterchancen besser fahren können und es wäre nicht zu so vielen Ballverlusten gekommen. Gegen eine technisch starke Mannschaft wie Chile 60 Minuten lang zu bestehen, ist sehr schwierig. Dennoch bin ich zufrieden, wie das Team meine Vorgaben erfüllt hat. Hätte Derdiyok seine Möglichkeit kurz vor Schluss genutzt, wäre das Spiel doch noch versöhnlich für uns ausgegangen.

Wie stehen nun die Chancen für den Achtelfinal?

Hitzfeld: Wir wollten die Pattsituation, drei Teams mit sechs Punkten, mit einem guten Resultat gegen Chile verhindern. Nun wird wohl das Torverhältnis entscheiden. (wen)