Wayne Shaw
Hier überkommt Suttons Kult-Goalie der Hunger – mit unangenehmen Folgen

Beim 2:0-Sieg von Arsenal im Cup war ein Ersatz-Goalie der grosse Star – Wayne Shaw vom Fünftligisten Sutton United. Dem 150-Kilo-Koloss droht ein Nachspiel.

Ulrike Weinrich
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Am Morgen danach sass der Held der Nacht plötzlich live im Studio des britischen Frühstücks-Fernsehens. Im zu engen, hellblauen Sweatshirt plauderte Wayne Shaw in «Good Morning Britain» mit den jovialen Moderatoren über Gott, die Fussball-Welt – und über ein Fleischsandwich.

Zwölf Stunden zuvor hatte der 45-Jährige mit den rötlichen Stoppelhaaren und der Wohlstandsplauze den Stars des FC Arsenal die Show gestohlen. Im Pokal-Achtelfinale der Gunners beim Fünftligisten Sutton United (2:0) biss Ersatz-Torhüter Shaw in der 82. Minute herzhaft in einen Pie.

Nur die halbe Wahrheit?

Die Szene, die sich vor der Auswechselbank der Gastgeber abspielte, ging um die Welt. «Das Sandwich war gefüllt mit Fleisch und Kartoffel. Ich habe mir die Sachen in der Halbzeit geholt, schliesslich hatte ich den ganzen Tag noch nichts gegessen», berichtete 150-Kilo-Koloss Shaw. Das könnte allerdings nur die halbe Wahrheit gewesen sein.

Am Dienstag kam heraus, dass ein Wettanbieter eine Quote von 8:1 angeboten hatte, wenn der «Roly Poly»-Goalie (kugelrunder Tormann) während der Partie etwas isst. Shaw stellte aber gleich klar: «Ich selbst habe nicht darauf gesetzt.» Ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Dem 45-Jährigen droht ein Nachspiel. Die Kommission für Glücksspiele hat Untersuchungen gegen den Torhüter eingeleitet.

«Willkommene Abwechslung»

Doch egal wie: Der «Pie Master», der für eine Handvoll Pfund auch als Greenkeeper des Klubs fungiert und meist auf einer Couch in einem Vereinsraum übernachtet, war geboren. In den sozialen Netzwerken wurde der Prototyp des übergewichtigen und gemütlichen Feierabend-Fussballers als «willkommene Abwechslung zu Trump» und «wahre Legende» gefeiert.

Mittlerweile gibt es den Twitter-Account «Big Wayne Shaw». «Wenn ich zum Einsatz gekommen wäre, hätte es noch wunderbarer werden können. Aber auch so hatte ich meinen Spass», sagte Kult-Figur Shaw nach der Partie. Der Gert-Fröbe-Verschnitt lachte dabei lauthals - sein Gesicht war puterrot.

Doch sicher nicht vor Scham, denn der einstige Eisverkäufer mit den Riesenpratzen liebt die ungewöhnlichen Aktionen wie andere Schlussmänner die aussergewöhnlichen Paraden. In der Halbzeit des Pokalspiels gegen die Millionen-Truppe von Arsenal liess es sich Shaw nicht nehmen, im Klub-Lokal «The Times Square Lounge» vorbeizuschauen.

Auf Krümeljagd

Als Beweis dienten Selfies, die Fans mit dem breit grinsenden Shaw gemacht hatten. Er selbst übrigens steht hinter der Theke gerne mal am Zapfhahn, wie nach dem Pokalerfolg in Wimbledon bis drei Uhr nachts, und nennt die Stätte im Bauch des Stadions liebevoll «alte Lady».

Ein Tausendsassa eben: Mehrere Stunden vor dem Anpfiff hatte er noch mit dem Staubsauger bewaffnet dafür gesorgt, dass die Ersatzbänke für den Pokal-Kracher zur krümelfreien Zone wurden. Stilgerecht in Badelatschen übrigens. Jüngst liess sich Shaw strahlend vor einem Werbebanner für eine Biermarke ablichten. Dass der etwas andere Schlussmann aus England die Klischees absichtlich bedient, ist eher unwahrscheinlich.

Mit Ex-Nationalspieler Alan Shearer hat der Keeper einst in der Jugend beim FC Southampton gespielt, den Sprung zum Profi schaffte er nie. «Während ich meinen Traum verfolgt habe, Premier League zu spielen, verfolgte Wayne seinen Traum, dem Burger-Wagen zu folgen», berichtete Shearer.

Sutton-Teammanager Paul Doswell kritisierte seinen Keeper nach der «Fress-Attacke» allerdings. «Mit dieser Geschichte ist Wayne weltweit wohl ein Star geworden. Ich denke aber nicht, dass es das beste Licht auf uns geworfen hat», meinte Doswell. Den Fans war das egal. Wie immer feierten sie Shaw mit der Hymne: «He’s fat, he’s round, he’s worth a million pounds.»

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