François: Wie war es in Marokko?

David: Phänomenal. Wunderbares Land, grossartiges Essen, liebenswerte Menschen. Und ich habe sogar Shakiri getroffen.

Pius: Was, wie, wo?

David: Ein Rezeptionist eines Hotels, in dem wir übernachtet haben, heisst Shakiri. Und als er erfuhr, dass wir aus der Schweiz sind, begann er zu schwärmen. Von Shaqiri, den er absolut grossartig findet. Nicht nur, weil er ähnlich heisst, wie er versichert. Nein, er vergöttert Shaqiri, nennt ihn Alpen-Messi und sieht in ihm bereits jetzt eine Liverpool-Legende. Herr Shakiri sagt, nach Roger Federer sei Shaqiri der beste Schweizer Sportler.

Pius: Nun, der Herr Shakiri aus Marokko kennt wahrscheinlich weder Lara Gut noch Daniela Ryf oder Beat Feuz.

David: Wahrscheinlich. Aber er hat mit grossem Respekt über den FC Basel und die Young Boys gesprochen. Doch Xherdan Shaqiri steht bei Herrn Shakiri über allen. Selbst die Entlassung von Jogi Löw hat Herrn Shakiri weniger interessiert als die Anzahl Ballkontakte Shaqiris im vorletzten Premier-League-Spiel.

Shaqiris Fallrückzieher gegen Polen an der EM 2016

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François: Was faselst du da? Jogi Löw entlassen? Verfolgst du Donald Trump auf Twitter?

David: Ist Löw etwa nicht entlassen? So jedenfalls habe ich es in Marokko gelesen.

François: So ein Quatsch, Löw ist noch immer im Amt.

David: Aber Deutschland hat sich doch erst gegen Holland lächerlich gemacht und danach gegen Frankreich ebenfalls verloren. Oder stimmt das etwa auch nicht?

Pius: Doch, das ist alles korrekt. Aber Löw ist trotzdem noch im Amt.

David: Komisch. Ich könnte wetten, dass ich es so gelesen habe.

Flavio: Vielleicht sind sie in Marokko der Zeit voraus. Würde mich nicht wundern, wenn ich höre, dass Herr Shakiri unseren Xherdan bereits als Liverpool-Legende bezeichnet. Wahrscheinlich hast du eine Ausgabe vom September 2019 gelesen.

Joachim Löw im interview nach Niederlage gegen Frankreich

David: Nein, ich bin sicher, dass ich es richtig gelesen habe.

Pius: Egal, der Sinkflug der deutschen Elf ist sowieso erstaunlich. Erst vor vier Jahren noch Weltmeister, aber heute schon mit einem enormen Rückstand auf Teams wie Frankreich, Belgien, England oder Spanien. Da fragt man sich schon: Wie konnte das passieren?

François: Einerseits hapert es in der Nachwuchsabteilung. Während andere Nationen Offensivspieler von Weltklasse-Format produzieren, fallen bei den Deutschen eher durchschnittliche Kicker vom Fliessband. Und: Ich glaube, die Deutschen haben nach dem WM-Titel zu viel Energie und Leidenschaft in Vermarktung investiert und dabei die Kernaufgabe vernachlässigt. Alles auf Hochglanz, die Verpackung 1A, aber der Inhalt ist stark verbesserungswürdig.

Flavio: Ein weiterer Grund: Jogi Löw hatte nach dem WM-Titel nicht den Mut zum Umbruch.

Pius: Kann ich verstehen. Verzichtet er auf einige Weltmeister, wird ihm dies nach jeder Niederlage um die Ohren gehauen. Ausserdem: Löw fehlt das entscheidende bisschen Verwegenheit, ein Quantum Unangepasstheit und Selbstbewusstsein, um radikale Entscheidungen zu treffen.

David: Das wundert mich nicht, wenn seine Entlassung, die keine ist, in Marokko weniger zu reden gibt als irgendein Assist von Xherdan Shaqiri.