Fussball
Henchoz' kolossaler Flop oder die Erinnerung an ein Drama

Ein grober Schnitzer von Stéphane Henchoz leitete leitete 2001 die Schweizer Niederlage in Slowenien ein. Hénchoz erinnert sich noch heute an den Schnitzer. Sorgen macht ihm auch die aktulle Nati. Vor allem die Verteidigung. Es fehlt ihm ein Chef.

Etienne Wuillemin, Ljubliana
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Sloweniens Sebastijan Cimirotic überläuft Stéphane Henchoz und schiesst das Siegestor. Henchoz erinnert sich noch heute.

Sloweniens Sebastijan Cimirotic überläuft Stéphane Henchoz und schiesst das Siegestor. Henchoz erinnert sich noch heute.

Keystone

Wie viel kann ein Mensch in elf Jahren vergessen? «Viel», sagt Stéphane Henchoz und lacht, «die schlechten Erinnerungen verblassen schneller als die guten.» Dann seufzt er trotzdem, denn er weiss, worum sich die Fragen drehen.

Es ist Mittwoch, der 6. Juni 2001, die Schweiz spielt in der WM-Qualifikation gegen Slowenien. Sie verliert 0:1. Der Schuldige? Stéphane Henchoz. In der 82. Minute verstolpert er einen Ball, der Gegenspieler läuft davon, erzielt das Tor. Es ist die entscheidende Niederlage, die WM in Japan und Südkorea wird verpasst.

«Am liebsten möchte ich diesen Fehler rückgängig machen», sagt Henchoz, «aber er wird meinen Leumund für immer beflecken.»

Liverpool schöner als Nationalteam

Für Henchoz ging 2001 die «beste Saison meiner Karriere» zu Ende. Er gewann mit Liverpool den Uefa-Cup, den englischen Cup und den Liga-Cup. «Nach 55 Spielen ist man eben am Ende einer Partie manchmal mental nicht mehr auf der Höhe», erklärt Henchoz. «Es war typisch für diese Zeit in der Nationalmannschaft», sagt er, «ein Fehler, eine Niederlage, alles aus - und der Trainer muss gehen.» Es war eines der letzten Spiele von Enzo Trossero als Schweizer Nationaltrainer.

Wenn Henchoz, er wird morgen 38 Jahre alt, auf seine Karriere zurückblickt, dann sagt er: «Die schönste Zeit hatte ich in Liverpool. Ich hatte leider nie die Chance, in der besten Zeit für das Nationalteam zu spielen.» Die EM 1996 in England sei zwar ein Erlebnis gewesen, «aber ich bedaure, dass ich nie an einer WM spielen konnte.» Es war die Zeit zwischen Roy Hodgson und Köbi Kuhn, als die Schweizer Nationaltrainer kamen und gingen, die Erfolglosigkeit blieb.

Trainer-Diplom in England

Mittlerweile pendelt Henchoz zwischen Neuenburg und Barcelona. 20 Wochen pro Jahr ist er etwa in Katalonien. Dazwischen absolviert er in England sein Trainer-Diplom. «Ich versuche mich beim FC Barcelona und Espanyol Barcelona zu inspirieren.» Henchoz gefällt die Spielkultur Spaniens, «es ist faszinierend, schon die 10-Jährigen spielen genau gleich wie die erste Mannschaft von Barça, kein hoher Ball ist erlaubt.»

Sind die Prüfungen in zwei Wochen einmal absolviert, ist Henchoz bereit für eine neue Herausforderung als Trainer. Das kann auch im Juniorenbereich sein. Mit Amateuren möchte er nicht mehr zusammenarbeiten. Die Erfahrung einer Saison beim 1.-Ligisten Bulle genügt ihm.

Der fehlende Abwehrchef

Und was denkt Henchoz mit Blick auf diese WM-Qualifikation? Er macht sich Sorgen. Es betrifft, natürlich, die Abwehr. Erstens: «Philippe Senderos ist zu häufig verletzt und kommt selbst beim bescheidenen FC Fulham zu wenig zum Einsatz. Und wenn er fit ist, kann er die Rolle des Patrons nicht ausfüllen - die Schweiz hat seit Patrick Müller keinen Abwehr-Chef mehr.» Zweitens: «Die zur Verfügung stehenden Innenverteidiger spielen in ihren Klubs zu selten. Wenn ich an Johan Djourou denke, dann bin ich nicht optimistisch. Er kommt zur Nati, ohne bei Arsenal eine Minute gespielt zu haben.» Kurz: «An der Stelle von Ottmar Hitzfeld würde ich mir Sorgen machen.»

Einen Sieg in Slowenien traut Henchoz der Schweiz trotzdem zu. «Sofern niemand meinen Fehler nachahmt.»