Fussball
Heiko Vogel: «Das wird die schwerste Saison in der Vereinsgeschichte»

FC-Basel-Trainer Heiko Vogel spricht im Interview über das Trainingslager, Marcelo Diaz und die laufende Europameisterschaft.

Jonas Burch
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Trainingslager FC Basel
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... notiert sich in der Pause seine Gedanken..
..diskutiert diese mit seinem Staff (Massimo Colomba, Markus Hoffmann und Marco Walker von links) 1338: ..und gibt sie dann an seine
..und gibt sie dann an seine Mannschaft weiter.
Heiko Vogel (rechts) sucht auch Einzelgespräche mit den Spielern, hier Valentin Stocker. Hans-Jürgen Siegert

Trainingslager FC Basel

Hans-Jürgen Siegert

Heiko Vogel, das Trainingslager des FC Basel geht heute zu Ende. Was wissen Sie jetzt mehr als noch vor zehn Tagen?

Heiko Vogel: Schwer zu sagen. Die Eindrücke sind jedenfalls allesamt positiv. Vor allem die jungen Spieler haben mich mit ihrer Einsatzbereitschaft überrascht. Auch Neuzugang Mohamed Salah hat sich wie gewünscht und problemlos ins Team integriert. Und mit Germano Vailati haben wir nun eine Nummer 2, mit der wir durchs Feuer gehen können.

Gibt es eine Haupterkenntnis?

Es gibt zwei Dinge, die wichtig sind. Zum einen, dass wir ohne gravierende Verletzungen ausgekommen sind, und zum anderen, dass sich die Mannschaft in einer physisch enorm starken Frühform präsentiert. Ausserdem gefällt mir die Agilität und Laufbereitschaft der Mannschaft. Eine richtige Genugtuung und Beruhigung für mich.

Am 13. Juli beginnt bereits die erste Meisterschaftsrunde gegen Servette. Woran muss noch gearbeitet werden?

Mit Aarau und Lüttich stehen noch zwei Testspiele bevor. Wir müssen die Belastung nun in Richtung Normalität legen, sodass alle Spieler zum Auftakt die nötige Explosivität haben.

Im letzten Jahr legte der FCB einen veritablen Fehlstart hin.

Und das wird diesmal hoffentlich nicht passieren. Damals spürten wir noch diesen Meisterblues, diese Trägheit. Dass wir nach der ersten Meisterschaftsrunde zur Champions-
League-Qualifikation gegen Flora Tallinn antreten, kommt uns ebenfalls entgegen.

Alex Frei sprach jüngst von einer der «schwersten Saisons der Vereinsgeschichte». Sie auch?

Damit hat er völlig recht. Nach unseren drei Titeln in Serie wird die Konkurrenz noch hungriger sein, uns ein Bein zu stellen. Die abgelaufene Saison war eine der erfolgreichsten im Schweizer Fussball. Was soll da noch kommen? Wir müssen uns immer dem Spiel widmen, nicht dem Ziel.

Haben Sie Ihre Startelf schon im Kopf?

Es gibt ja nicht nur eine Elf. Alle Spieler sind wichtig. Ich denke, dass wir in dieser Saison ein variableres Kader haben und für die bevorstehenden Aufgaben mehr rotieren können.

Im Vergleich zum Vorjahr arbeitet man mit einem kleineren Kader.

Ich bin ohnehin ein Freund von kleineren Kadern.

Also sind keine weiteren Neuzugänge geplant?

Nein, ausser es passiert noch Unvorhersehbares, wie etwa eine Verletzung oder ein Abgang.

So wie Aleksandar Dragovic?

Aleksandar Dragovic ist der Chef in der Abwehr und ein absoluter Schlüsselspieler, der mein 1000-prozentiges Vertrauen geniesst. Ich gehe felsenfest davon aus, dass er bleibt. Für uns ist er unverkäuflich.

Böse Zungen sehen die Innenverteidigung als mögliche Problemzone. Robert Kovac hat wenig Spielpraxis, Arlind Ajeti ist unerfahren und Gaston Sauro noch nicht da.

Es ist unerlässlich, eine harmonierende Innenverteidigung zu haben. Wir haben da mehrere Alternativen, jeder Spieler kann sich zeigen und beweisen. Deswegen sehe ich die Innenverteidigung nicht als Problemzone. Ich denke auch, dass Gaston Sauro mit Dragovic unserem Spiel eine gewisse Stabilität geben wird.

An Mittelfeldspieler Marcelo Diaz werden ebenfalls grosse Erwartungen geknüpft. Wie Sauro fehlte auch er die gesamte Vorbereitung über. Keine ideale Ausgangslage.

Es wird meine Aufgabe sein, diese beiden Spieler schnell und effektiv zu integrieren. Natürlich ist es unglücklich, dass die beiden Neuzugänge erst spät zu uns stossen (Diaz und Sauro spielen derzeit noch in der Copa Libertadores, Anm. d. Red.), aber darauf haben wir ja keinen Einfluss. Nach ihren starken Leistungen in Südamerika werden sie sicherlich mit reichlich Selbstvertrauen anreisen, das ist sicher ein Vorteil.

Welche Rolle wird Diaz im Team übernehmen?

Er ist so etwas wie der Problemlöser auf dem Platz, ein Duracell-Häschen an der Seite von Gilles Yapi. Bereits nach der ersten Minute des Best-of-Videos von Diaz war mir klar: Diesen Spieler will ich unbedingt haben (lacht).

Themenwechsel. Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus der EM?

Auffällig ist, dass vier Teams im Halbfinal stehen, die sich anhand ihrer spielerischen Qualitäten von allen anderen Teams absetzen können. Defensiv ausgerichtete Mannschaften haben sich nicht durchsetzen können. Die Halbfinalisten nehmen das Spieldiktat an sich, spielen mit viel Ballbesitz.

Ähnlich wie Ihre Mannschaft.

Ja, man kann Fussball ja nicht neu erfinden. Jedes System, jede Spielweise hat es schon irgendwo gegeben. Mein Ziel ist es, ein erfolgreiches Spielkonzept modifiziert aufs eigene Team zu übertragen. Wie viel Risiko kann ich nehmen, und wie hoch ist dann die Erfolgschance. Es ist ein ständiges Abwägen. Aber letztlich geht es nur noch um die Erschliessung der letzten Ressourcen. Mit Ernährungsberatern, Videoanalysten und Fitnesstrainern versucht man, die letzten Prozente aus der Mannschaft herauszuholen.