Vor ein paar Monaten ist Dölf Früh in St. Gallen zu einem Helden geworden. Er hatte den lokalen Fussballklub vor dem Konkurs gerettet. Zum Dank liess er sich danach - «contre cœur» - zum Verwaltungsratspräsidenten des FC St. Gallen bestimmen. Weil sich Früh aber nicht für den grossen Fussballexperten hält, musste ein Sportchef her.

Eine lange Suche war indes nicht erforderlich, denn der 58-jährige Unternehmer brauchte sich nur an Heinz Peischl zu erinnern. Diesen hatte er vor ein paar Jahren beim FC Wil kennen gelernt, als Früh dort Sponsor und Peischl Trainer gewesen war. Ein «Schaffer mit sehr grossem Wissen», hatte Früh auch im letzten Dezember Peischls grosse Qualitäten noch nicht vergessen. Da mochte es wenig Bedeutung haben, dass der Leistungsausweis und der Ruf des Österreichers am Ende seiner späteren Stationen beim FC St. Gallen und beim FC Thun jeweils arg ramponiert war.

Ein paar Wochen nachdem Peischl im Januar in St. Gallen seinen Job angetreten und gesagt hat, Trainer Uli Forte sei kein Thema, hat er kurz danach gleichwohl einen neuen Trainer gebraucht - weil er Forte nun doch entlassen hatte.

Saibene und die FCA-Zeiten mit Tarone

Kein Problem, denn Peischl erinnerte sich flugs an Jeff Saibene, der sein Assistenztrainer beim FC Thun gewesen war. Pro memoria: Aufwärts war es mit den Oberländern im Frühjahr 2007 just dann gegangen, nachdem Saibene seinen Chef abgelöst hatte.

Vermutlich hatte sich Peischl nun respektvoll exakt daran erinnert, als er Anfang dieser Woche den Luxemburger verpflichtete. Und dabei wohlwollend übersehen, dass sein neuer Mann zuletzt beim FC Aarau keine dicken Stricke zerrissen und die Mannschaft bei seiner Entlassung im Herbst 2009 auf dem letzten Tabellenplatz übergeben hatte.

Als Saibene nun in St. Gallen seinen Job antrat, brauchte er einen neuen Assistenztrainer. Denn der alte war ja zusammen mit Forte weggeschickt worden. Zum Glück erinnerte sich Saibene an gemeinsame Zeiten mit Daniel Tarone beim FC Aarau. Am Montag sei Saibenes Anruf gekommen, und er habe keine Sekunde gezögert, das Angebot anzunehmen, sagte Tarone. Sein Traum sei wahr geworden. Statt sich weiter zum Versicherungsmann ausbilden zu lassen, darf er nun mithelfen, den FC St. Gallen vor dem Abstieg zu retten.

«Ich bin sehr gkücklich mit unseren Transfers»

Schön, wenn man gute Freunde hat im Business. Die offenbar auch mal grosszügig darüber hinwegsehen, dass der Kollege ja noch gar keine Erfahrung als Trainer hat, eine solche im Abstiegskampf aber eigentlich hilfreich wäre. Hauptsache, man kennt sich.

Nur gut ist unter diesen Umständen, dass die St. Galler im Winter ihr Kader massiv verstärkt haben. Hatte zumindest Dölf Früh gedacht, noch bevor mit Oscar Scarione vom FC Thun nachgelegt wurde. «Ich bin sehr glücklich mit unseren Transfers. Wir haben an Qualität dazugewonnen. Dabei haben wir bereits vom Beziehungsnetz unseres neuen Sportchefs Heinz Peischl profitiert», hat Früh dem St. Galler Tagblatt anvertraut. Peinlich bloss, dass der neue Sportchef offenbar nicht mal gewusst hatte, dass mit Dario Lezcano ein Juwel quasi vor der Haustür auf dem Wiler Bergholz kickte. Der Paraguayer spielt jetzt in Thun.

Stattdessen holte Peischl die Landsleute Daniel Beichler, Daniel Dunst, den Slowenen Klemen Lavric sowie José Gonçalves ohne Spielpraxis und allesamt versehen mit dem Stempel «Ausgemustert». Und selbst Alberto Regazzoni war bei YB mehr auf der Ersatzbank gesessen, als dass er gespielt hatte.

Wie solche Spieler eine - rasche - Verstärkung sein sollen, bleibt Peischls Geheimnis. Fünf Spiele, null Punkte - die verheerende Zwischenbilanz lügt nicht. Die Verpflichtung von Scarione ist Indiz dafür, dass die St. Galler inzwischen selbst erkannt haben, wie fragwürdig ihre Transfers waren. Ohne freilich zu ahnen, wie bizarr generell ihre Personalpolitik seit der Rettung Ende 2010 erscheint. (brü)