Der Denker und Lenker

Jahrelang bildete Frank Lampard mit Steven Gerrard die Schaltzentrale des englischen Nationalteams. Bei Chelsea war er der Stratege im Mittelfeld, die Konstante im Sammelsurium der Stars. Nun nimmt Lampard erstmals auf dem Trainerstuhl Platz. Der 40-Jährige amtet seit wenigen Wochen als Coach von Derby County in der zweithöchsten Liga Englands. «Ich habe mit den besten Trainern der Welt zusammengearbeitet und habe vollstes Vertrauen in meine Fähigkeiten», sagte Lampard bei seiner ersten Pressekonferenz.

«Nur wenige Spieler haben das erreicht, was Frank erreicht hat. Er weiss, was es braucht, um Erfolg zu haben», hiess es seitens des Klubs. Lampard soll sein taktisches Gespür, das ihn als Spieler ausgezeichnet hat, einbringen. Unter ihm will Derby County um den Aufstieg spielen. Lampards Bilanz nach zwei Partien: ein Sieg und eine Niederlage.

Frank Lampard

  

Der Haudegen

An der WM unterstützte Mark van Bommel seinen Schwiegervater Bert van Marwijk als Co-Trainer Australiens – nur um kurz darauf bei Eindhoven seinen ersten Posten als Chefcoach anzutreten. Zuvor hatte der 42-Jährige während eines Jahres die U19-Auswahl des Vereins betreut. «Ich bin als Trainer wie als Spieler: Ich will immer das höchstmögliche Level erreichen», so van Bommel. Der Niederländer, der als Spieler vor allem für seine harte Spielart und Aggressivität bekannt war, steht unter Druck.

In den vergangenen vier Jahren holte Eindhoven dreimal den Titel. Einen Dämpfer gab es im Supercup: Meister Eindhoven verlor gegen Pokalsieger Feyenoord Rotterdam. Van Bommel: «Endspiele sind da, um sie zu gewinnen. Ich hasse Niederlagen.» Immerhin gab es am vergangenen Wochenende einen 4:0-Startsieg in der Meisterschaft.

Mark van Bommel

    

Der Titelhamsterer

Patrick Vieira ist einer der erfolgreichsten Spieler in der Geschichte des Fussballs. Er hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Doch davon kann er sich bei seiner ersten Trainerstation in Europa nichts kaufen. Bei Nice in der Ligue 1 tritt er die Nachfolge von Lucien Favre an, der mittlerweile in Dortmund das Sagen hat. Vor seinem Engagement in Frankreich konnte Vieira in Nordamerika bereits erste Erfahrungen an der Seitenlinie sammeln: Zwei Jahre lang trainierte er New York City FC – und damit während einer Saison Frank Lampard.

Vieira war auch für den Trainerposten bei Arsenal im Gespräch. Mit den Engländern gewann er dreimal die Meisterschaft, in der Saison 2004/2005 gar ohne Niederlage. «Ich habe neun Jahre für Arsenal gespielt, aber das ist nicht genug, um das Team zu coachen», so Vieira. Nun wird sich zeigen, ob es genug ist, um Nice zu trainieren.

Patrick Vieira

  

Der Turm aus Rom

Wie Patrick Vieira hat auch Alessandro Nesta seine ersten Schritte im Trainergeschäft in Nordamerika gemacht. Der gebürtige Römer trainierte zwei Saisons lang den Miami FC in der zweitklassigen North American Soccer League. Mitte Mai verpflichtete die AC Perugia den Weltmeister von 2006 einen Spieltag vor dem Ende der regulären Saison als Interimstrainer. Im anschliessenden Playoff unterlag Nesta mit dem Team aus der Hauptstadt Umbriens dem FC Venezia und verpasste dadurch den Aufstieg in die Serie A. Nichtsdestotrotz erhielt der ehemalige Innenverteidiger im Anschluss einen Einjahresvertrag.

Es ist sein erster Trainerjob in Europa. «Das Team zu trainieren, ist die Chance meines Lebens», so Nesta, der weit über 400 Partien in Italiens höchster Liga absolviert und seine Spielerkarriere vor drei Jahren nach einem kurzen Intermezzo in Indien beendet hat.

Alessandro Nesta

  

Der ewige Liverpooler

Die Glasgow Rangers haben bewegte Zeiten hinter sich. Vor sechs Jahren fand sich der schottische Traditionsverein nach finanziellen Problemen in der vierthöchsten Liga wieder. Mittlerweile spielt der Verein wieder im Oberhaus. In den beiden Jahren seit dem Wiederaufstieg erreichten die Glasgow Rangers Platz drei – weit hinter Stadtrivale Celtic. Steven Gerrard soll diese Kluft schliessen.

Der Rekordmeister ist die erste Trainerstation im Profigeschäft für den Mann mit über 700 Spielen für Liverpool. «Stevens Charakter kaschiert seine Unerfahrenheit», so Rangers-Boss Dave King. Und Gerrard selber sagte bei seiner Vorstellung: «Bei einem Klub solcher Grösse und mit so viel Geschichte konnte ich nicht ablehnen.» Die Stärken des Engländers: Er spricht die Sprache der Spieler, ist ein geborener Anführer und weiss, wie ein Traditionsklub und dessen Anhänger ticken.

Steven Gerrard