Bayern München mit großem Selbstvertrauen, Real Madrid mit martialischen Sprüchen: «Wir sind in Form. Und wir werden unseren Titel bis zum Tod verteidigen», sagte Real-Trainer Zinedine Zidane vor dem Gigantenduell am Mittwoch in München – und sein Präsident Florentino Perez ergänzte: «Der FC Bayern ist eine Grösse in Europa. Unsere Spieler werden ihre Seele auf dem Platz lassen.» Man wolle «die Legende von Real weiter nähren».

Und die Bayern? Weniger forsch, aber nach einer beeindruckenden Saison unter Erfolgstrainer Jupp Heynckes, den Marca «El Zorro», den Fuchs, taufte, «mit breiter Brust», wie Captain Thomas Müller betonte. Man habe beim 1:3 von Cristiano Ronaldo und Co. im Viertelfinal gegen Juventus Turin gesehen, «dass sie verwundbar sind».

Dennoch: Für Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ist Real mit Superstar Ronaldo, der wieder einmal in der Form seines Lebens ist, vor dem mit Spannung erwarteten Halbfinal-Hinspiel immer noch «die beste Mannschaft der Welt. Zweimal in Folge die Champions League zu gewinnen, ist noch keinem Klub vorher gelungen. Wir wissen, dass Real der Favorit ist», sagte er, aber: «Wenn im Moment einer Real Madrid schlagen kann, dann der FC Bayern. Die Mannschaft hat offenbar die Riesenqualität, alles zu schaffen, was sie sich vornimmt.»

Vergleiche mit dem Triple-Jahr 2013 sind längst nicht mehr von der Hand zu weisen, als die Münchner mit Konsequenz und vor allem mannschaftlicher Geschlossenheit alles abräumten.

Seitdem war trotz grosser Ambitionen spätestens im Halbfinale der Königsklasse Endstation gewesen, zweimal auch gegen Real: 2013/2014 unter Pep Guardiola im Halbfinal mit 0:1 und einer 0:4-Klatsche zu Hause, letztes Jahr mit Carlo Ancelotti nach einem 1:2 in der Allianz Arena und einem 2:4 n.V. in Madrid.

Cristiano Ronaldo nach seinem entscheidenden Penaltytreffer gegen Juventus Turin

Cristiano Ronaldo nach seinem entscheidenden Penaltytreffer gegen Juventus Turin

Diesmal wollen die Bayern im heimischen Stadion die Weichen für den Final in Kiew (26. Mai) stellen. «Das ist das Wichtigste, dass wir zu Hause besser spielen», unterstrich Rummenigge.

«Das war der Fehler letztes Jahr. Im Heimspiel haben wir nicht unsere beste Leistung gebracht, ein bisschen ängstlich gespielt. Das darf jetzt nicht mehr passieren», betonte Arjen Robben. Und auch Müller forderte mehr Mut: «Wir müssen nach vorne spielen und Tore erzielen.»

Bayern: Keine Probleme auf den Schlüsselpositionen

Zuversicht macht den Münchnern, dass sie diesmal bis auf die Ausfälle von Manuel Neuer, Kingsley Coman und Arturo Vidal keine gravierenden Probleme auf den Schlüsselpositionen haben.

Im vergangenen Frühjahr fehlten im Hinspiel gegen die Königlichen, die vor ihrem 13. (!) Titel im wichtigsten europäischen Vereinswettbewerb stehen, die verletzten Mats Hummels und Robert Lewandowski.

Im Rückspiel waren sie zwar dabei, aber lange nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Jerome Boateng quälte sich angeschlagen durch die Partie, Manuel Neuer erlitt eine Fussfraktur, Javi Martinez war gesperrt und Vidal flog vom Platz. Die Bayern seien «beschissen» worden, polterte Rummenigge damals, inzwischen sei dies allerdings kein Thema mehr, beteuerte er.

«Da war ja alles so komisch», sagte Präsident Uli Hoeness im Rückblick, «jetzt kann Jupp aber aus dem Vollen schöpfen. Ich glaube schon, dass wir in einer besseren Verfassung sind als vergangenes Jahr um diese Zeit». Er erwarte, so Hoeness weiter, «auf jeden Fall einen großen Kampf». Er sei «vorsichtig optimistisch».

Zumal Kumpel Heynckes in seiner Trainer-Karriere bisher immer das Finale der Königsklasse erreichte - und den Henkelpott in drei Anläufen zweimal gewann: 1998 mit Real, 2013 mit den Bayern.

Eine Garantie mag der 72-Jährige daraus nicht ableiten. «Die Champions League zu gewinnen ist wahnsinnig schwierig, auch jetzt noch, wo drei Mitfavoriten ausgeschieden sind», betonte Heynckes. Man wisse, «wie gut Realist - aber wir sind auch nicht schlecht», fügte er mit einem Schmunzeln an.