Elf Spiele war er ohne Tor geblieben. Für einen Stürmer seiner Klasse eine unendlich lange Zeit. Aber auch nicht so aussergewöhnlich, wie dies viele seiner Kritiker wahrhaben wollten. Wie dem auch sei: Am Tag, nachdem Alex Frei seinen für Sommer 2011 angekündigten Rücktritt bekräftigt hatte, schlug der Captain gleich doppelt zu. Zuerst drosch er einen von Pirmin Schwegler herausgeholten Freistoss von der Strafraumgrenze in die entfernte hohe Torecke zum 1:0 (40.) und jubelte nach dreizehnmonatiger Torflaute in der Nati entsprechend befreit.

Später rutschte er dann in eine perfekt geschlagene Freistossflanke von Hakan Yakin und brachte die Schweiz mit seinem 42. Länderspieltor erneut in Führung (62.). So es denn tatsächlich dabei bleibt: Einen schöneren und bei seiner Auswechslung eine Viertelstunde vor Schluss entsprechend beklatschten Abschied von der heimischen Länderspielbühne – seine letzten drei Partien im Frühjahr bestreitet er alle auswärts – hätte er sich kaum bereiten können. Welch grosses Comeback nach so langer Torabstinenz!

Ergebnis stimmte nicht

Auch wenn das Ergebnis von 2:2 natürlich nicht dem entsprach, was sich die Schweizer vorgenommen hatten. Die Ukrainer, die durch einen von Andry Yarmolenko abgefälschten Freistoss Oleksandr Milevskys kurz nach der Pause ausgeglichen hatten und eine knappe Viertelstunde vor Schluss durch einen sehenswerten Distanzschuss von Yvgeny Konoplianka zum erneuten Ausgleich gekommen waren, hatten mit diesem Ergebnis einen guten Lohn. Denn wäre der in der Super League meist so coole Yakin in seinem 86. Länderspiel kaltblütiger und entschlossener gewesen, die Schweizer hätten das Terrain als Sieger verlassen.

Dennoch zählte der Luzerner zu den besten seines Teams, einmal hatte er mit seinem Freistoss gegen den Pfosten auch viel Pech gehabt. Überhaupt: Yakin wies einmal mehr nach, dass seine Standards auch noch in der Nati eine gefährliche Waffe darstellen können. Und wenn der eingewechselte Nassim Ben Khalifa seine dicke Chance genützt hätte, wäre die Schweiz in ihrem letzten Länderspiel des Jahres als verdiente Siegerin vom Platz gegangen.

Ungehobelte Sparringpartner

Die Gäste, deren Verbandsvertreter vor dem Spiel in einer ziemlich langfädigen Pressekonferenz Vorfreude auf die EM 2012 in ihrem Land hatten wecken wollen, hatten sich dann auf dem guten Rasen des Stade de Genève nicht gerade als noble, dafür ziemlich ungehobelte Sparringpartner gezeigt. Offenbar hatten sie, die bis zum EM-Beginn nur Testspiele absolvieren können, sich gesagt, diese Partien wie Ernstkämpfe zu bestreiten und entsprechend langten sie zu. Die Schweizer nahmen indes den Kampf an und spielten bedeutend besser, als in manch anderen Freundschaftsspielen zuvor. Nicht, dass sie gleich grossartig geglänzt hätten, dies nicht. Aber sie spielten, dank Frei und Yakin, durchaus ansprechend nach vorne. Mit dem Makel, mit den Chancen zu schludrig umzugehen.

In der Innenverteidigung indes gelang Johan Djourou nach anderthalbjähriger Länderspielpause ein ansprechendes Comeback. Der Genfer zeigte in seiner Heimat, dass Ottmar Hitzfeld mit ihm wieder eine Alternative mehr hat.