Fussball

Grasshoppers: Die Finanzpolitik des lockeren Portemonnaies

Schon wieder eine Krise: Der einst stolze Rekordmeister GC droht sich in eine Karikatur zu verwandeln. In sportlicher und finanzieller Hinsicht benötigt der Verein einen deutlichen Aufwärtstrend.

GC-Trainer Ciriaco Sforza muss sich wie in einer Endlosschleife fühlen. Fünf Runden sind in dieser Spielzeit absolviert und schon befindet sich der Rekordmeister wie in der letzten Saison in der Krise. Besonders die 0:6- und 0:3-Klatschen gegen den FC Zürich und die Berner Young Boys werfen Fragen auf: Weshalb gelingt es dem einstigen Nobelklub nicht, sich aus der monatelangen Negativspirale zu befreien? Und warum können die Spieler ihr gewohntes Leistungspotenzial nicht abrufen?

GC braucht einen Sportchef

Die Antwort darauf ist zum einen auf die verfehlte Transferpolitik der vergangenen 18 Monate zurückzuführen. So konnte Aussenverteidiger Bruno Bertucci den nach Basel abgewanderten Kay Voser bislang nicht ersetzen. Diese Tatsache spricht nicht für die Qualitäten des Brasilianers. Neben der Baustelle Aussenverteidigung besticht der kroatische Mittelfeldspieler Davor Landeka in erster Linie dadurch, den Ballbesitz und die damit verbundene Verantwortung zu scheuen. Damit nicht genug: Selbst Joao Paiva – einst von den Hoppers als Toptransfer gewürdigt – ist auf der Suche nach seiner selbst. Diese Fakten lassen nur einen Schluss zu: Bei GC ist allen Beteuerungen zum Trotz ein vollamtlicher Sportchef mit den nötigen Fachkenntnissen im Transfer- und Scoutingbereich vonnöten.

Darüber hinaus droht der Traditionsverein den Anschluss zur nationalen Spitze im Nachwuchsbereich zu verlieren. War GC noch vor 20 Jahren als Talentschmiede konkurrenzlos, wandern die Nachwuchskräfte heute nach Basel, Bern oder zum FC Zürich ab. Nichtsdestotrotz hat GC vereinzelt Talente hervorgebracht – so auch Izet Hajrovic und Amir Abrashi. Sie verfügen mit ihren technischen und taktischen Voraussetzungen über das nötige Rüstzeug für eine internationale Karriere. Das gilt auch für den schnellen, wendigen und aufsässigen Stürmer Innocent Emeghara. Allerdings kann der U21-Internationale seine technischen Mängel und die fehlende Kaltblütigkeit vor dem gegnerischen Tor nicht immer kaschieren.

Um diese entwickeln zu können, benötigt Emeghara noch Zeit. Raum, den GC nicht hat. Die Geldnot zwang den Rekordmeister vielmehr dazu, die Talente zu Schleuderpreisen zu verkaufen. Die Transfers von Raul Bobadilla oder Nassim Ben Khalifa in die Bundesliga stehen sinnbildlich dafür. Zu wenig, für einen Klub mit einem jährlichen, strukturellen Defizit von fünf Millionen Franken. Der Grund: Es ist kein Geheimnis, dass Schweizer Fussballvereine den Löwenanteil ihrer Umsätze mit der Förderung, Integration und später dem Verkauf von Nachwuchsspielern an europäische Topklubs generieren. Dieses Wissen hinderte den Rekordmeister jedoch nicht daran, sich den Campusbau im Jahre 2005 insgesamt 21,5 Millionen Franken kosten zu lassen. Inzwischen betragen die Fixkosten für den Prestigebau 2,5 Millionen Franken - pro Saison.

Nicht das erste Mal

Es ist denn auch nicht das erste Mal, dass GC eine Finanzpolitik des «lockeren Portemonnaies» verfolgt. In der sportlichen Blütezeit wurde der Kader in den 1980er- und 1990er-Jahren auch dank der «Hausbank» in der Person des verstorbenen «Gärtners der Nation», Walter H. Spross, auf 35 Millionen Franken aufgebläht. Abgesehen davon träumte der damalige Präsident Romano Spadaro von einem US-Investor, der das Budget um 40 Millionen Franken aufstocken sollte. Der Geldgeber aus den Vereinigten Staaten kam jedoch nicht, der Schuldenberg von bis zu 17 Millionen Franken blieb hingegen.

Nachhaltigkeit in Finanzfragen blieb bei GC auch danach ein Fremdwort. Zur Jahrtausendwende verbrannten die Mäzene Rainer E. Gut, Fritz Gerber und Uli Albers je nach Quelle zwischen 70 Millionen bis 100 Millionen Franken. Die Ausbeute mit zwei Meistertiteln in vier Jahren und keiner Champions-League-Teilnahme mutet bei dieser Summe doch bescheiden an. Als die potenten Geldgeber dem Verein 2003 den Rücken kehrten, hinterliessen sie einen aufgeblähten Apparat, welchen den Verein an den Rand des Ruins trieb.

Mit der drohenden Insolvenz vor Augen liebäugelte GC daraufhin mit Philippe Gaydoul als Investor. Die Traumhochzeit scheiterte. Dem Vernehmen nach soll sich der Denner-Erbe nicht nur geweigert haben, für die Altlasten des Klubs aufzukommen, sondern auch eine «Ablösesumme» für den bestehenden Kader zu entrichten.

Zum Erfolg zurück?

Diese Geschichten sollen jetzt der Vergangenheit angehören und mit dem Owners Club der Erfolg zurückkehren. Die neu ins Leben gerufene Gönnervereinigung will nicht nur bis 2014 das strukturelle Defizit von fünf Millionen Franken decken, sondern einen Fünfjahresplan verfolgen. Dabei soll das Fanionteam, basierend auf dem Nachwuchskonzept, in den ersten drei Saisons die Plätze drei bis fünf belegen, ehe im vierten oder fünften Jahr der Meistertitel anvisiert wird.

Will der einstige Rekordmeister an ruhmreiche Zeiten anknüpfen, werden Worte aus der Vergangenheit indes nicht reichen. In sportlicher und finanzieller Hinsicht benötigt der Verein in dieser, spätestens in der darauf folgenden Saison einen deutlichen Aufwärtstrend. Ansonsten bleibt von der einst so stolzen Marke GC lediglich die Karikatur eines Rekordmeister zurück.

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