Super League

Granit Xhakas grosser Bruder Taulant: Der etwas andere Xhaka

Taulant Xhaka in St. Anton am Arlberg während der Saisonvorbereitung. Di Domenico/freshfocus)

Taulant Xhaka in St. Anton am Arlberg während der Saisonvorbereitung. Di Domenico/freshfocus)

Sein jüngerer Bruder Granit ist Nationalspieler. Derweil reift Taulant Xhaka bei GC zum Super-League-Spieler und Erwachsenen heran. Von sich selber sagt er: «Ich war ein Problemtyp und liess mir nichts gefallen».

Der erste Kontakt mit Taulant Xhaka kann die leisen Vorurteile über ihn nicht ganz entschärfen. Wo immer sich der Interessierte über Xhaka erkundigt, er kriegt rasch das Attribut «chaotisch» zu hören.

Geplant gewesen wäre: Am Mittwochabend zusammen das Länderspiel Tunesien gegen die Schweiz zu verfolgen. Die Idee und Frage dahinter: Wie fühlt sich der ältere Bruder, wenn er dem jüngeren im Nationaltrikot vom TV aus zuschauen muss?

Am Spieltag bittet Xhaka um eine Verschiebung des Termins, die Familie feiert in Basel den Geburtstag der extra aus dem Kosovo eingeflogenen Mutter. Unsere Frage bleibt also offen. Vorerst.

Am Tag darauf erscheint Taulant Xhaka 15 Minuten vor der abgemachten Zeit. Er, fast auf den Tag genau 18 Monate älter als Bruder Granit, sitzt nun mit wachem Blick am Tisch des GC-Campus in Niederhasli, auf der Brust trägt er James Dean und erzählt von seinem Leben und seiner Karriere. Immer wieder während des Gesprächs unterscheidet er zwischen dem «alten» und dem «neuen» Taulant Xhaka.

Der Traum von der AC Milan

Der «alte», das ist jener Taulant vor seinem leihweisen Wechsel vom FC Basel zu GC (18. Januar 2012). «Ich war ein Problemtyp und liess mir nichts gefallen», sagt er offen. Und nennt als Beispiel: «Ich wollte lieber für mich allein sein, habe Autogrammwünsche schnöde abgelehnt.» Wenn Xhaka beim FCB nicht zum Einsatz kam, «dann war ich sauer – und der Trainer musste mir sagen, dass ich so dem Team nicht helfe.»

GC-Captain Vero Salatic sagt: «Taulant war labil, als er zu uns kam.» Trainer Uli Forte bemerkt: «Er war immer knapp an der Grenze zur Unpünktlichkeit. Ein Führungsspieler wie Grichting kann das – von jungen Spielern erwarte ich etwas anderes.»

Doch nun sitzen wir dem «neuen» Taulant gegenüber. Einem, der «begriffen hat, um was es im Fussball geht», wie Forte sagt, «denn Erfolg beginnt mit Planung – neben dem Platz.» Für Salatic ist die Entwicklung von Xhaka erstaunlich, «vergleichbar mit jener von Zuber, Hajrovic oder Abrashi.» Xhaka selbst sagt: «Ich bin aufs Maul gefallen und habe gemerkt, dass einem das Leben nicht alles schenkt.»

Und dann, als er nach seinen Träumen gefragt wird: «Einmal bei der AC Milan spielen und mit jedem Menschen ein gutes Verhältnis haben.» Er lacht und fügt an: «Das hätte ich vor zwei Jahren nie gesagt.» Uli Forte habe einen grossen Anteil an dieser Entwicklung, lobt Xhaka seinen Trainer.

Die Rolle des kleinen Bruders

Bei GC kam Taulant Xhaka in bisher 13 von 15 Spielen zum Einsatz. Am Sonntag dürfte er zu seinem bisher wichtigsten Auftritt kommen – im GC-Mittelfeld den gesperrten Salatic ersetzen, ausgerechnet gegen den FC Basel. «Ich kann eine Visitenkarte meines Könnens abgeben», sagt er. Salatic hat ihm Tipps gegeben, wie er sich auf der «Sechser»-Position verhalten soll.

«Wenn ich gut spiele, wird sich der FCB seine Gedanken machen», sagt Xhaka. Er möchte jedoch über diese Saison hinaus bei GC bleiben und dann je nach Angeboten direkt ins Ausland wechseln. Salatic sagt: «Er ist einer der nächsten Super-League-Spieler, die den Sprung ins Ausland schaffen können. GC ist ein gutes Sprungbrett für ihn.» Theoretisch könnte Basel Xhaka im Winter zurückholen. FCB-Trainer Murat Yakin sagt aber: «Wir sind auf jeder Position doppelt besetzt, derzeit ist eine Rückkehr kein Thema.»

Doch zurück zur eingangs gestellten Frage: Granit Xhaka sagte diesen Sommer einmal: «Für meine Eltern war immer ich der Ältere», Taulant, der Ältere, sagt: «Ich kann gut damit leben – denn mittlerweile bin ich auch viel reifer geworden.» Im Scherz hat Taulant zu seinem Bruder jüngst gesagt: «Zum Glück hast du Basel in Richtung Gladbach verlassen, nur so konnte ich reifer werden.»

Und wie ist es nun, dem kleinen Bruder in der Nati zuschauen zu müssen? «Ich bin stolz», sagt Taulant, «so etwas wie Neid käme nie infrage. Aber klar: Am liebsten würde ich eines Tages neben ihm in der Nationalmannschaft spielen.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1