Im Juni folgt der Bonus: ein Halbfinal gegen den EM-Titelhalter Portugal beim Final-Four-Turnier der Nations League. Vor der Kür steht die EM-Qualifikations-Pflicht an. Der Trip nach Tiflis und dann am kommenden Dienstag das schwierige Heimspiel gegen die aufstrebenden Dänen. Erwartet wird von der Schweiz, dass sie sich auf direktem Weg qualifiziert. Granit Xhaka kann mit hohen Ansprüchen umgehen: "Ich spüre keinen Druck, es ist für mich eher motivierend, dass die Leute so viel von uns erwarten."

Auf ihn ist bei wichtigen Aufgaben Verlass. Xhaka fehlt nahezu nie. Mit dem Premier-League-Star kann Vladimir Petkovic ausnahmslos rechnen: "Ich sage nie ab. Vielleicht würde es mir guttun, ab und zu mal auf die Bank zu sitzen", sagt Xhaka im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Aber von künstlich auferlegten Auszeiten halte er wenig: "Ich will im Rhythmus bleiben."

Der 26-Jährige hat in der Premier League ein monströses Pensum bewältigt. Seit dem Sommer 2016 stand er für Arsenal und das Nationalteam 151-mal auf dem Rasen. Mit der Belastung geht der Mittelfeldspieler pragmatisch um: "Es geht darum, alles gut zu organisieren. Mein Arbeitstag beginnt um 7 Uhr. Entsprechend plane ich genug Zeit zur Regeneration ein."

Seit bald einem Jahr wird Xhaka von einem persönlichen Coach begleitet. "Fussballerisch bringt er mir nichts bei, aber im Athletikbereich, bei der Ernährung, auf mentaler Ebene profitiere ich." Der Taktgeber der SFV-Auswahl achtet auch in eigener Sache auf eine perfekte Balance. Stillstand auf hohem Niveau ist für ihn keine Option. "Ich will bereit sein für den nächsten Schritt."

Mit Arsenal hat er mehr als eine Top-4-Klassierung vor. In den Europa-League-Viertelfinals soll Napoli nur eine Zwischenstation sein. Xhaka ist in Fahrt, die kritischen Stimmen werden spürbar weniger. "In Deutschland respektierte man meine Leistungen auch erst im dritten Jahr uneingeschränkt." Beim neuen Coach Unai Emery genoss er von der ersten Minute an das bedingungslose Vertrauen.

In der Nationalmannschaft geniesst der Basler einen beeindruckenden Status. Von seiner Position aus im defensiven Mittelfeld koordiniert Xhaka das Spiel der Schweiz. Und neben dem Terrain ist er ein Wortführer, der gehört wird. Loyal, ehrgeizig und auch mal unverblümt. Der SFV-Skipper ist wie geschaffen für den Leaderpart.

Dass mit Stephan Lichtsteiner der während Monaten nicht mehr berücksichtigte Captain wieder zurückgekehrt ist, tangiert die Führungsrolle Xhakas nicht. "Für mich war immer klar: Wenn Steph da ist, trägt er die Captainbinde. Vor ihm und seiner unglaublichen Karriere habe ich grössten Respekt. Aber an meinem Spiel ändert sich gar nichts."

Für Xhaka sind in erster Linie die Signale des Trainers wichtig. "Er muss an mich glauben, er muss zulassen, dass ich Verantwortung übernehmen kann." Sowohl im Verein als auch in der SFV-Auswahl haben die Beteiligten eine Basis geschaffen, die blindes Vertrauen ermöglicht. Vor allem die Arbeit von Petkovic schätzt Xhaka enorm: "Er weiss genau, wie er mit uns umgehen muss, damit wir als Team weiterkommen."

Zusammen mit dem Tessiner Strategen will der Arsenal-Professional die exzellenten Eindrücke der Nations-League-Kampagne bestätigen. "Wir haben an der WM gegen Schweden den erhofften Schritt in Richtung Viertelfinal verpasst, aber ich sehe trotzdem eine vielversprechende Entwicklung." Das magische 5:2 gegen den Weltranglisten-Ersten Belgien wertet Xhaka als Durchbruch: "Man warf uns selbst nach dem 2:0 gegen Europameister Portugal zum Auftakt der WM-Qualifikation immer wieder vor, keinen Grossen schlagen zu können. Mit Belgien haben wir sogar einen ganz Grossen bezwungen."

Würden sie nun aber beim EM-Qualifikations-Auftakt in Tiflis gegen Georgien Punkte einbüssen, "ist der schöne Herbst nicht mehr viel wert". In seiner Mannschaft ortet Xhaka indes "Hunger und Charakter. Wir wissen, dass ein Kaltstart auf uns zukommt. Zeigen wir nur 80 Prozent unseres Potenzials, wird es ganz schwierig in diesem Jahr ohne Testspiele und ausschliesslich Ernstkämpfen."