Die Schweizer hatten es eilig. Der Bus wartete vor dem Stadion mit bereits laufendem Motor. Denn gleich nach dem Spiel folgte die dreistündige Fahrt nach Barcelona, die Übernachtung in der katalonischen Hauptstadt und am Dienstagmorgen schliesslich die Heimreise. Xherdan Shaqiri lief nicht ganz rund zum Car, auch andere dürften am nächsten Morgen durch den einen oder anderen Schmerz an einen harten Kampf erinnert worden sein.

«Die Gesundheit ist das Wichtigste, zum Glück hat sich meines Wissens kein Spieler ernsthaft verletzt», sagte Granit Xhaka nach dem Spiel. Er hatte die Schweizer Mannschaft erstmals als Captain auf den Platz geführt, weil Stephan Lichtsteiner geschont worden war. «Das Spiel hatte nicht viel mit Fussball zu tun. Wir haben probiert, das Beste zu geben, und sind glücklich, dass wir nun neun Punkte auf dem Konto haben», sagte Xhaka.

Nach dem 2:1-Zittersieg in Andorra war der Arsenal-Profi froh, die Expedition in die Pyrenäen bald hinter sich zu wissen. «Die Andorraner haben uns das Leben extrem schwer gemacht, denn sie sind äusserst kompakt gestanden. Wir haben kaum Lösungen gefunden», gab Xhaka zu. «Ich denke nicht, dass wir noch einmal ein Spiel dieser Art erleben werden.»

Hoffen auf bessere Spiele

Der Regisseur im Mittelfeld geht davon aus, dass es in den folgenden fünf Partien gegen die Färöer-Inseln, Lettland und im Rückspiel gegen Andorra nicht noch einmal ein solches Geknorze geben wird. «Die Andorraner haben ziemlich übel getreten», sagte Xhaka, will aber nicht sagen, der Schiedsrichter habe die Schweizer zu wenig geschützt. Er weiss, dies könnte schnell als Ausrede für die bescheidene Leistung ausgelegt werden.

Andere wie Admir Mehmedi, Fabian Schär und auch Trainer Vladimir Petkovic gingen bei ihrer Aufarbeitung des Geschehens etwas mehr in die Tiefe. «Ein solch seltsames Spiel in einer solch seltsamen Umgebung habe ich noch selten erlebt», sagte Stürmer Mehmedi, der sein viertes Länderspieltor im achten Spiel geschossen hatte. Zuvor hatte er es in 41 Partien auf nur drei Treffer gebracht. «Und dass mir nun wie vor elf Tagen mit Leverkusen gegen Dortmund schon wieder ein Kopftor gelungen ist, kann ich kaum fassen», sagte Mehmedi.

Admir Mehmedis Teamkollegen beglückwünschen den Torschützen zu seinem Treffer. Für den Leverkusen-Söldner läuft es zuletzt im Hinblick auf die persönliche Trefferquote ausgezeichnet.

Admir Mehmedis Teamkollegen beglückwünschen den Torschützen zu seinem Treffer. Für den Leverkusen-Söldner läuft es zuletzt im Hinblick auf die persönliche Trefferquote ausgezeichnet.

«Nach dem 2:0 dachte ich, dass nichts mehr passieren könnte. Wir haben insgesamt zu wenig konsequent nach vorne gespielt und sind deshalb nur selten zu guten Torchancen gekommen. Nichtsdestotrotz haben wir gewonnen. Drei Spiele, drei Siege, in diesem Stil kann es ruhig weitergehen. Aber es war bestimmt eine der schwächsten Leistungen von uns.»

Innenverteidiger Fabian Schär, der nach 19 Minuten einen Foulpenalty souverän zum 1:0 verwandelt hatte, sagte: «Es war das erwartet schwere Spiel. Wir haben Andorra sehr ernst genommen. Wir wussten ja, dass es im eigenen Stadion oft nur knapp verloren hatte. Wir haben jedoch zu wenig schnell gespielt. Wir hätten dies besser machen müssen, dann wäre die Sache schon früher klar gewesen.»

Petkovic zeigt sich selbstkritisch

Viel souveräner, als seine Mannschaft zuvor die Pflichtaufgabe erledigt hatte, analysierte Petkovic das Spiel. «Wir haben zu leger gespielt, zu wenig geschossen und zu viele Fehlpässe gemacht», sagte der Coach. «Das nächste Mal müssen wir alles besser machen. Es war ein schwieriges Spiel: der Platz, der Gegner, die Leistung des Schiedsrichters, aber wir müssen die Schuld auf unsere Kappe nehmen.»

Vladimir Petkovic am Tag nach dem schwierigen Andorra Spiel auf dem Rückflug von Barcelona nach Zürich.

Vladimir Petkovic am Tag nach dem schwierigen Andorra Spiel auf dem Rückflug von Barcelona nach Zürich.

Einen Teil davon nehme er auf sich, sagte Petkovic. Auf fünf Positionen hatte er seine Mannschaft anders besetzt als am Freitag beim 3:2-Sieg in Ungarn. Es kann zwar sein, dass dies etwas des Guten zu viel war, doch auch jene elf, die im Estadi Nacional auf dem Kunstrasen standen, hätten besser spielen können.

Am Ende des herbstlichen Abends im Fürstentum war der Verlierertrainer der Zufriedenere als der Siegertrainer. «Ich bin stolz darauf, dass es uns gelungen ist, im Stadion eine so tolle Stimmung zu erzeugen», sagte Koldo Alvarez. Dies vor allem, nachdem Einwechselspieler Alexandre Martinez in der letzten Minute mit einem fulminanten Schuss den 1:2-Anschlusstreffer erzielt hatte. «Dieses Tor erlaubte uns sogar, für ein paar Momente zu träumen», sagte Alvarez.