Es waren wüste Szenen, die sich Dienstagabend im Partizan-Stadion in Belgrad abspielten. Spieler, Betreuer und Fans gingen aufeinander los. Entsprechend hoch war auch die Empörung bei den Vertretern der Fussballverbände.

«Fussball sollte niemals für politische Botschaften benutzt werden. Ich missbillige zutiefst, was letzten Abend in Belgrad geschehen ist», twitterte FIFA-Präsident Sepp Blatter. Und UEFA-Präsident Michel Platini bezeichnete die Vorfälle als «unentschuldbar».

Sepp Blatter zu Albanien - Serbien

 

Auf seiner Facebook-Seite postete Ermir Lenjani in den letzten Stunden eifrig Bilder der Szenen. Unter anderem präsentierte er ein Bild seiner Verletztungen, Kratzspuren an Hals und Nacken. Desweiteren postete er stolz Bilder und Videos der Feiern in Tirana nach dem abgebrochenen Spiel.

Granit Xhaka stolz auf seinen Bruder Taulant

Nun meldete sich auch Taulant Xhaka zu Wort. Gegenüber dem Blick sagte er: «Ich stehe unter Schock. Es waren schlimme Momente, ich muss das erst verdauen.» Schon am Mittwoch schrieb er auf Facebook: «Uns allen geht es gut. Oh, wie schön ist es Albaner zu sein.» Und er fährt fort: «Die Flagge der albanischen Nation haben schon die Ersten von uns verteidigt, und so mussten auch wir es tun.»

Via Instagram zeigte Granit Xhaka, wie stolz er auf seinen älteren Bruder Taulant ist. Zu einem Bild, auf dem Taulant kampfbereit vor einer Gruppe Serben steht, schreibt er: «Das zeigt die Stärke der Albaner. Wir gedenken Adem Jashari.» Jashari war einer der Mit­begründer der paramilitä­rischen Organisation «Befreiungsarmee des Kosovo»!

Bereits am Mittwoch liess GC-Mittelfeldakteur Amir Abrashi verlauten: «So etwas habe ich nie zuvor erlebt. Wir wurden mit faustgrossen Steinen beworfen. Unser einziges Ziel war eigentlich nur noch irgendwie heil die Kabine zu erreichen.» Er meinte weiter, die Situation sei ausser Kontrolle geraten und war «äusserst gefährlich.» «Ich bekam es mit der Angst zu tun!», fuhr er fort.

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Me e tregu forcen e shqiptarit Me e kujtu pushken e Adem Jasharit!!! #love#my#bro#jemi#krejt#krenar#me#ty#taulantxhaka

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Granit Xhaka Serbien - Albanien

Kukeli: «Mir wurde mulmig»

Auch der vierte Super-League-Spieler, der in der albanischen Mannschaft stand, Burim Kukeli, nahm Stellung zu den Ereignissen. Gegenüber dem Tages-Anzeiger erzählte er: «Mir wurde mulmig, als ich sah, dass das Sicherheitspersonal nur zuschaute und auch gegen die serbischen Fans nichts unternahm, die ungestört aufs Feld rennen durften, uns bedrohten und auch schlugen.» 

Während des Spielunterbruchs ging Serbien-Captain Branislav Ivanovic in die Kabiner der Albaner und bat sie um Entschuldigung. Danach bot er ihnen an, das Spiel ohne Zuschauer fertigzuspielen. Kukeli erklärt, warum sie das Angebot nicht annahmen: «Weil wir uns nicht mehr dazu imstande fühlten. Einige unserer Spieler trugen von harten Schlägen Verletzungen davon. Die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet.»

Entscheid noch offen

Der Serbische Verband (FSS) hat nun die Uefa aufgefordert, das Spiel gegen Albanien zu seinen Gunsten zu werten. Man erwarte, dass die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der UEFA die Begegnung mit 3:0 für Serbien werte, teilte der FSS mit. 

Was die Auseinandersetzungen effektiv für Folgen haben ist noch nicht klar. Doch die Uefa hat gegen beide Verbände bereits ein umfangreiches Disziplinarverfahren eröffnet. Als Verhandlungstermin wurde der 23. Oktober angesetzt.