Und dann ist nur noch Schock. Granit Xhaka liegt am Boden. Schmerzverzerrt sein Gesicht. Die Mitspieler stehen um ihn herum. Alle blicken auf sein linkes Knie. Momente der Ungewissheit.

Was ist passiert? Es regnet und regnet und regnet in Lugano. Längst ist der Rasen unbespielbar. Dann kommt es zum fatalen Zweikampf. Valon Behrami will Granit Xhaka vom Ball trennen. Die beiden prallen zusammen, Xhaka hängt mit dem Knie ein, stürzt auf den Boden und bleibt liegen.

Entwarnung bei Granit Xhaka

Nach langen Minuten des Wartens wird Xhaka von seinen Teamkollegen und Betreuern gestützt. Er verlässt den Platz humpelnd. Sein Knie wird einbandagiert. Sofort wird er zurück ins Team-Hotel gefahren. Team-Arzt Pierre Etienne Fournier und das Physiotherapeuten-Team untersuchen Xhaka.

Nur gestützt von Betreuern kann Granit Xhaka das Trainingsgelände verlassen.

  

Dieser klagt über Schmerzen im Aussenbereich des linken Knies. Es droht die Horror-Diagnose Kreuzbandriss. Für die weiteren Abklärungen wird ein MRI gemacht. Kurz nach 21 Uhr folgt die erste Diagnose: «Entwarnung bei Granit Xhaka: ‹Nur› eine schmerzhafte Knie-Prellung», meldet der Fussball-Verband. Die Bänder sind nicht betroffen.

«Ich bin erleichtert»

Granit Xhaka selbst reagierte auf dem Feld geschockt. Umso grösser sein Aufatmen nach den Untersuchungen: «Ich bin erleichtert», sagte er. Doch die Sorgen sind noch nicht überwunden. Es beginnt wohl ein langes «Playoff» um Xhakas Fitnesszustand. In 17 Tagen trifft die Schweiz in ihrem ersten WM-Spiel auf Brasilien.

Das Knie von Xhaka wird in den nächsten Tagen intensiv behandelt. Ganz sicher fehlen wird er in einigen der kommenden Trainings sowie am Sonntag im Testspiel in Villareal gegen Spanien. Doch dies ist nach dem ersten Schrecken und Stunden der Unruhe eine gute Meldung.

Bei starkem Regen wird ein humpelnder Granit Xhaka von Betreuern gestützt vom Feld geführt.

  

Xhaka ist der Kopf des Teams

Eine WM, bei der Xhaka nicht im Vollbesitz der Kräfte agiert, würde das Team von Vladimir Petkovic hart treffen. Der Trainer hat seine Equipe seit der Ausmusterung von Ex-Captain Gökhan Inler um Xhaka herum gebaut. Dieser hat die Verantwortung nie gescheut. Und das Vertrauen mit stets guten Leistungen zurückgezahlt.

Am Nachmittag noch schwärmte Valon Behrami im Team-Hotel der Schweizer von Xhakas Vorzügen. «Er will immer besser werden. Immer mehr Verantwortung übernehmen. Er hat ein gesundes Selbstvertrauen und man spürt, dass er nichts für unmöglich hält.»

Brasilien in der Gruppe, Deutschland im Achtelfinal?

Ein Grund dafür ist der Weltmeistertitel mit der U17 im November 2009. Xhaka war Teil jener Equipe, die als erste in der SFV-Geschichte einen Titel errang. «Damals besiegten wir Brasilien in der Vorrunde – und im Achtelfinal die Deutschen», sagte Xhaka erst kürzlich. Und auch: «Vieles von damals erinnert mich an die Ausgangslage von heute an der WM.» In der Tat spielt die Schweiz in der Vorrunde unter anderem gegen Brasilien. Und die Deutschen wären ein möglicher Gegner im Achtelfinal.

Nach einer Weile gibts leichte Entwarnung. Bei Granit Xhaka ist es nur eine Knochenprellung.

Nach einer Weile gibts leichte Entwarnung. Bei Granit Xhaka ist es nur eine Knochenprellung.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Schweizer Nationalteam in der Vorbereitung vor einer Endrunde von Verletzungsproblemen heimgesucht wird. 2004 erlitt Marco Streller nach einem Zusammenprall mit Marco Zwyssig einen Schienbeinbruch.

Bangen um Granit Xhaka geht weiter

2008 erwischte Gelson Fernandes mit einem üblen Einsteigen den Knöchel von Tranquillo Barnetta. Dieser kam für die EM im eigenen Land nicht mehr in Form. 2010 verletzte sich Alex Frei im letzten Training vor dem Abflug an die WM nach Südafrika am Knöchel. Das folgende Hin und Her half weder dem Team noch Frei selbst.

Und nun also das Bangen um Granit Xhaka. Der Stratege und sein persönlicher Aufschwung in den letzten Jahren sind einer der Gründe, warum die Schweiz zuversichtlich an die WM reist. Xhaka sagte: «Es wird mühsam sein, gegen uns zu spielen. Wir werden bis zur Schmerzgrenze kämpfen, beissen, leiden.» Das gilt wohl nun vor allem auch für ihn selbst.