Super League
Goalie Da Costa wird den FCZ im Sommer wohl verlassen

Trainer Urs Meier erklärt die Degradierung von Torhüter David Da Costa. Er wirkt dabei vom Verein alleine gelassen.

Etienne Wuillemin, Zürich
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Da Costa muss weichen

Da Costa muss weichen

Der Anfang ist, nun ja, etwas unglücklich. Eigentlich würde Urs Meier gerne im FCZ-Museum zur Medienkonferenz schreiten. Aber er steht vor verschlossenen Türen. Ein Telefon später geht die Hintertür auf. Es kann losgehen. Gut 50 Stunden sind an diesem Freitagnachmittag seit der Degradierung von FCZ-Torhüter David Da Costa vergangen. 50 Stunden ohne Erklärungen von irgendjemandem.

50 Stunden vor allem mit einem Präsidenten, der sich versteckt und das auch weiter tut. Was nicht erstaunt, schliesslich ist der FCZ in der Krise. Es herrschen gerade andere Zeiten als damals, als sich Ancillo Canepa in Mailand am Abend vor einem Champions-League-Spiel beim Training voller Stolz gleich selbst ins Tor stellte.

Meier also beginnt. «Erfreulich, wie sehr der FCZ am Karfreitag interessiert.» Was folgt, ist ein sonderbarer Auftritt, der aufzeigt, wie sehr der Trainer den Druck von oben spürt. Vielleicht hilft es, sich einige Kennzahlen des FCZ in jüngster Vergangenheit in Erinnerung zu rufen: Nur zwei Siege in den letzten neun Partien, dafür fünf verloren. Sieglos seit dem 21. Februar. Sieglos in den letzten sechs Heimspielen. Und auch: 29 Gegentore, das ist nur eines mehr als der FC Basel.

«Schlimmer Vertrauensbruch»

Wenn der FCZ Samstag Abend Luzern empfängt, ist David Da Costa weder im Tor noch auf der Bank. «Vielleicht kommt er ins Stadion, vielleicht schaut er das Spiel im Fernseher, ich weiss es nicht», sagt Meier. Fakt ist: Da Costa wird nicht mehr im Tor stehen. Sein Vertrag läuft zwar noch bis 2017, «aber wir gehen davon aus, dass er einen Verein findet im Sommer.» Die Kernfrage ist, warum Da Costa, dem Meier vor vier Monaten noch das Potenzial zum Nationalgoalie Portugals attestierte, nun nicht mehr genügt für den FC Zürich. Meier begründet dies rein sportlich.

Konkret nach Fehlern von Da Costa gefragt, geht der Trainer nicht in Details, auf Insistieren sagt er: «Schauen wir uns nur schon das letzte Spiel gegen YB an, da ist er zweimal an Flanken vorbeigesegelt.» Immer wieder betont Meier, er wolle sich nicht über Interna unterhalten. Genau um solche Interna aber dreht sich die FCZ-Krise. Da Costa hat sich mehrfach kritisch über die Entwicklung des Teams geäussert. Im «Sonntagsblick», unmittelbar vor der Partie gegen YB (0:3), hinterfragten mehrere Spieler anonym Meiers Fähigkeiten als Chef. Und untergruben damit seine Autorität. «Etwas Schlimmeres als einen solchen Vertrauensbruch gibt es gar nicht», sagt Meier, «das ist in allen Beziehungen so.»

Wie die Beziehung Meier/FCZ weitergeht, darüber entscheidet wohl auch der Cup-Halbfinal am nächsten Dienstag gegen Sion. Vor allem, wenn der Präsident eines Vereins so von Emotionen gesteuert ist wie Canepa. Meier geht entspannt damit um. Das ist, in einem Verein wie dem FCZ, sicher nicht falsch.