Charyl Chappuis

Glücklich in Thailand: Wie sich ein Schweizer U17-Weltmeister im Land seiner Mutter einen Namen gemacht hat

Der Schweizer U17-Weltmeister Charyl Chappuis hat sich in Thailand, im Land seiner Mutter, einen Namen gemacht, überzeugt aber nicht nur als Fussballer. «Es geht mir gut. Auch finanziell. Ich kann sogar meine Eltern unterstützen», fasst er zusammen.

Granit Xhaka hat ein strenges Programm. Gleich drei Mal muss der Schweizer Nationalspieler vom Stephanstag bis zum Neujahr für den FC Arsenal ran. Auch Ricardo Rodriguez steigt über die Feiertage mit der AC Milan zwei Mal in die Hosen.

Charyl Chappuis dagegen hat Ferien. Er nützt die Zeit zu einem Besuch in der alten Schweizer Heimat. Doch eine Gemeinsamkeit mit Xhaka und Rodriguez hat Chappuis schon: Sie alle sind vor etwas mehr als neun Jahren in Nigeria mit der Schweizer U17-Nationalmannschaft sensationell Weltmeister geworden.

Chappuis war damals Innenverteidiger und hat in den sieben Spielen mit Siegen unter anderem über Brasilien, Deutschland und Italien keine einzige Minute verpasst.

Haris Seferovic, Charyl Chappuis, Ricardo Rodriguez, Pajtim Kasami, Bruno Martignoni, Oliver Buff, Janick Kamber, Granit Xhaka und Nassim Ben Khalifa,

Charyl Chappuis 2009 im Final der U17-WM

Haris Seferovic, Charyl Chappuis, Ricardo Rodriguez, Pajtim Kasami, Bruno Martignoni, Oliver Buff, Janick Kamber, Granit Xhaka und Nassim Ben Khalifa,

Natürlich sind ihm die damaligen Grosstaten auch heute noch präsent. Die Kontakte zu manchen dieser ehemaligen Teamkollegen sind zwar seltener geworden, aber längst nicht gekappt.

Auch Chappuis hatte nach dem WMTriumph Offerten erhalten. «Der HSV und Juventus haben angeklopft. Aber ich hatte Angst, war damals noch sehr schüchtern, wollte die Familie nicht verlassen und sagte ab», erinnert sich Chappuis.

Als er dann bei GC den Durchbruch nicht schaffte und ins Tessin in die Challenge League ausgeliehen wurde, hatte er zwar beim FC Locarno eine sehr schöne Zeit, danach beim FC Lugano aber keine gute, sodass sogar die Laufbahn des Weltmeisters auf der Kippe stand.

Da kam die Anfrage von Buriram United aus Thailand gerade recht. «Meine Situation in Lugano war so schlecht, dass ich nicht mal mehr Mut brauchte, um das Angebot aus Asien anzunehmen», sagt Chappuis. Immerhin: Als Sohn einer Thailänderin war ihm die Sprache nicht ganz fremd.

Vor fast zehn Jahren: Charyl Chappuis (2.v.l.) mit Haris Seferovic, Ricardo Rodriguez und Pajtim Kasami

Vor fast zehn Jahren: Charyl Chappuis (2.v.l.) mit Haris Seferovic, Ricardo Rodriguez und Pajtim Kasami

In Thailand zum Star geworden

Knapp sechs Jahre später braucht der in Kloten aufgewachsene Zürcher nichts zu bereuen. Er hat in Thailand Karriere gemacht, ist in zwanzig Partien für die thailändische Nationalmannschaft aufgelaufen, Meister und Cupsieger geworden, hat unzählige Auftritte in Fernsehshows gehabt und üppige Werbeverträge abgeschlossen – kurz: Chappuis ist ein Star geworden.

«Ich bin richtig durchgestartet», blickt er auf die aufregendste Zeit seiner Laufbahn zurück. «Dann aber erlitt ich im dümmsten Moment eine schwere Verletzung», erzählt der 26-Jährige, der seit seiner Ankunft in Thailand im zentralen Mittelfeld spielt.

In einer Partie der asiatischen Champions League schoss er gegen Jiangsu Suning ein wichtiges Tor, zog sich aber beim Jubeln eine Knieverletzung zu. Auf eine Operation wurde verzichtet und Chappuis spielte schliesslich noch eine ganze Weile weiter, bis ihn ein Knorpelschaden endgültig stoppte.

Wieder war die Fortsetzung der Karriere in der Schwebe. Dank der erfolgreichen Behandlung in der Schweiz durch Oliver Kessler wurde er aber fit. Doch die Praxis bei Buriram United, die Mannschaft jeweils drei Nächte vor einem Spiel zusammenzuziehen, machte ihm mehr und mehr zu schaffen.

Überdies liegt die Stadt 400 Kilometer von Bangkok entfernt und damit ziemlich in der Provinz, sodass sich Chappuis entschloss, den erfolgreichsten Verein Thailands zu verlassen.

Via FC Suphanburi kam er zu Muangthong United, wo er noch bis 2020 unter Vertrag steht. «Der Hype um meine Person hat schon etwas nachgelassen, zumal ich mich ganz auf meine Genesung konzentriert habe», sagt Chappuis.

Mit seinem neuen Klub ist er in der vergangenen Saison zwar nur Vierter geworden, doch wenn im Februar die nächste Spielzeit beginnt, will Muangthong wieder angreifen. Der Klub liegt 20 bis 30 Autominuten ausserhalb von Bangkok, doch Chappuis, der mit Begeisterung im Zentrum der Metropole lebt, hat einen Chauffeur und damit keinen Fahrstress. Seit einem Jahr ist er mit seiner Freundin Helena Busch zusammen. Sie ist halb Thai, halb Schwedin und hat an der Miss-Thai-Wahl teilgenommen.

«Es geht mir gut. Auch finanziell. Ich kann sogar meine Eltern unterstützen», sagt Chappuis. Mit einem Video hat er auf Instagram 120 000 Aufrufe erreicht. Bald kommt seine eigene Kleidermarke auf den Markt, die er zusammen mit seinem langjährigen Freund Nick Wüthrich lanciert.

Rückkehr nicht ausgeschlossen

Sein grosses Ziel ist aber die Rückkehr in die Nationalmannschaft. Mit dem aktuellen Coach, dem Serben Milovan Rajevac, kann er es nicht so gut. Deshalb steht Chappuis auch nicht in Thailands Kader für den Asien-Cup im Januar in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Es wäre eine gute Plattform gewesen, sich in der grossen Fussballwelt in Erinnerung zu rufen. Denn trotz aller Erfolge will Chappuis nicht ausschliessen, noch einmal in Europa zu spielen.

«Träumen tue ich immer noch», sagt Chappuis. Im Januar wird er erst 27. «Aber es müsste schon vieles zusammenpassen. Ich bin sehr glücklich in Thailand.»

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