Auf den ersten Blick ist es eine unspektakuläre Meldung: Der FC Aarau ist auf der Suche nach einem zentralen Mittelfeldspieler an Gilles Yapi und Sandro Wieser interessiert.

Auf den zweiten Blick aber kommt man nicht um den Gedanken herum: Was für eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet diese beiden Spieler die Topkandidaten sind!

Rückblick: Am 9. November 2014 beendet Sandro Wieser beinahe die Karriere von Gilles Yapi. Die Bilder des Tritts gegen das rechte Knie des Ivorers im Heimspiel des FC Aarau gegen den FC Zürich sind nur für Hartgesottene zu ertragen. Die Diagnose tut schon beim Lesen weh: Kreuzband gerissen, Innenband, Inne- und Aussenmeniskus kaputt, Knorpeldefekt bis auf den Knochen. Insgesamt acht Verletzungen werden festgestellt.

Schöne Geste: Gilles Yapi tauscht mit Sandro Wieser das Trikot

Der Fall macht weltweit Schlagzeilen. Vor allem, weil FCZ-Präsident Ancillo Canepa Wieser wegen schwerer Körperverletzung anzeigt – und in erster Instanz Recht bekommt: Im Mai 2015 wird Wieser von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen und zu einer Busse von 10000 Franken verurteilt.

Ein weiteres Jahr später ist Wieser freigesprochen, weil er und sein Anwalt gegen das erste Urteil Rekurs einlegen und Canepa darauf seine Anzeige zurückzieht. Der FCZ-Präsident sieht sein Ziel dennoch erreicht: «Es gibt einen Gerichtsentscheid, der bestätigt, dass auch ein Fussballplatz kein rechtsfreier Raum ist. Ich bin sicher, dass dieser Entscheid eine Präventivwirkung hat.»

Von der Swiss Football League wird Wieser für sechs Spiele gesperrt. Das Fehlen des Mittelfeldspielers und der riesige Trubel, den das Foul ausgelöst hat, werden später als Hauptgrund für den Abstieg des FC Aarau im Frühling 2015 genannt.

Und Yapi? Der zieht sich erst zurück und lässt dann in einem seiner ersten Interviews zu dem Foul verlauten, dass er kein Problem mit Wieser habe. Dass er diesen schon in gemeinsamen Zeiten beim FC Basel kennen und schätzen gelernt habe. Der tiefgläubige Ivorer sagt zudem, dass alles, was passiere, von Gott so gewollt sei und dass dieser auch dafür sorgen werde, dass er wieder auf den Platz zurückkehrt.

Nur für Hartgesottene: Das Brutalo-Foul von Wieser im Video

Tatsächlich: Zehn Monate nach dem Schockmoment im Brügglifeld, und somit viel früher als vermutet, gibt Yapi für den FCZ sein Comeback. Dabei scheint nach dem Foul für viele Experten klar, dass Yapi seine Karriere beenden muss. Am 14. September 2015 dann trifft der FCZ auf den FC Thun, zu dem Wieser nach dem FCA-Abstieg gewechselt ist. Und nach dem Schlusspfiff fordert Yapi Wieser zum Trikottausch auf – eine wunderbare Geste, welche von Yapis grosser Sozialkompetenz zeugt.

Und nun also will es der Zufall, dass ausgerechnet Yapi und Wieser dem FC Aarau aus der sportlichen Krise helfen sollen. Wieser lässt sich am vergangenen Sonntag sogar bei der Heimpleite gegen Vaduz im Brügglifeld blicken und sagt zur „Aargauer Zeitung“: «Ich habe noch zwei Jahre Vertrag in England, mehr kann ich nicht sagen.» Yapi steht bis Sommer 2018 beim FCZ unter Vertrag, spielt aber nur noch eine Nebenrolle.

Der neue FCA-Sportchef Sandro Burki will keine Wasserstandsmeldungen abgeben, lässt aber durchblicken, dass sowohl Yapi und Wieser dem FCA weiterhelfen würden. Gut möglich, dass einer der beiden in den nächsten Tagen zum FC Aarau wechseln wird. Oder kommt es am Ende sogar so wie in Yapis Antwort auf die Frage, warum er Wieser nicht böse sei: «Man weiss nie, vielleicht spielen wir ja eines Tages noch zusammen.»