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Gilles Yapi: «Ich hätte alles für YB gegeben»

Alle kennen die Szene. Im vergangenen Herbst verletzt sich Gilles Yapi im Spiel gegen den FC Aarau schwer. Nun ist der Ivorer auf gutem Weg zurück. Doch diese Szene hat ihn geprägt - und auch seinen Sohn.

Markus Brütsch
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Gilles Yapi: Mit täglich stundenlangem Training Schritt für Schritt dem Comeback entgegen.

Gilles Yapi: Mit täglich stundenlangem Training Schritt für Schritt dem Comeback entgegen.

Andy Mueller/freshfocus

Dieser Mann hat ein gutes Gedächtnis. «Weisst du noch, was ich dir damals gesagt habe?», fragt Gilles Yapi. Damals, am 7. August letzten Jahres, beim Interview in der Saalsporthalle. Als die Welt des FC Zürich noch in Ordnung war und er mit dem FC Basel um die Tabellenspitze kämpfte. «Ich sagte, dass es nicht genüge, technisch die beste Mannschaft zu sein. Wer Meister werden wolle, müsse vor allem von Verletzungen verschont bleiben.»

Neun Monate später kommt Gilles Yapi zum Gespräch beim Aquabasilea in Pratteln. Er wohnt mit seiner Familie in Muttenz, nur fünf Autominuten vom Treffpunkt entfernt. Dass er mit seiner Einschätzung im vergangenen Sommer schliesslich recht bekommen hat, erfüllt ihn nicht mit Genugtuung. Dass er selber im Zentrum eines Dramas steht, das mit dem Foul von Sandro Wieser am 9. November seinen Lauf nahm, hat ihn nicht umgehauen.

«Gehadert habe ich nur einmal. Das war, als ich verletzt auf dem Rasen lag. Danach aber bin ich immer ganz ruhig und zuversichtlich geblieben», sagt der 33-Jährige. Und er vergisst nicht zu erwähnen, wie dankbar er Präsident Ancillo Canepa und dessen Frau Heliane sei, dass sie im Februar seinen Vertrag verlängert hätten. Als noch nicht absehbar war, ob er je wieder spielen könne. «Eine Geste, die es im heutigen Fussball kaum mehr gibt», sagt Yapi.

Gottes schnelle Heilung

Es hat fast den Anschein, als habe der FCZ durch das Foul mehr gelitten als der Spieler. «Sein Fehlen hat zu einem Bruch geführt», hat Trainer Urs Meier mehrfach den Wert des zentralen defensiven Mittelfeldspielers betont. Doch der bescheidene Yapi winkt ab. «Wenn Messi bei Barcelona ausfällt, kann man so etwas sagen. Aber Yapi ist nicht Messi», sagt der Ivorer. «Ich weiss zwar, dass ich für den FCZ ein wichtiger Spieler bin. Aber wenn nicht auch noch Kukeli und der in der Vorrunde überragende Schönbächler lange ausgefallen wären, hätte es für den FCZ ganz anders ausgesehen.»

Jetzt will Yapi aber am liebsten nur noch nach vorne schauen. «In der nächsten Saison wird der FCZ wieder angreifen», verspricht Yapi. Er selber wähnt sich auf gutem Weg, schon früh in der neuen Spielzeit wieder einzugreifen. «Es geht mir gut, ich arbeite bereits mit dem Ball und habe keinerlei Koordinationsprobleme», sagt Yapi. Ein Wunder fast, angesichts der acht Verletzungen vom Kreuzbandriss bis zum Knorpelschaden, die er sich im Brügglifeld zugezogen hatte. «Ich habe nie befürchtet, meine Karriere könnte zu Ende sein», sagt Yapi.

«Mein Vertrauen in Gott hat mir geholfen, diese Verletzung zu verkraften. Ohne Gott wäre sie nie so schnell verheilt», sagt Yapi. Warum aber hat Gott dann zugelassen, dass Sie sich so schwer verletzt haben? Wo Sie doch schon als Spieler des FC Basel einen Kreuzbandriss erlitten hatten? «Gott hat nie gesagt, alles im Leben sei nur gut», sagt Yapi.

Noch mindestens einen Titel

Er kann damit leben, dass Wieser vom Gericht zu einer Strafe verurteilt worden ist. «Ich persönlich habe Sandro verziehen. Das Urteil aber ist richtig, weil wir keine Fouls dieser Art mehr sehen wollen und es ein Signal dafür ist», sagt Yapi. Und erzählt, dass sein sechsjähriger Sohn Josue noch heute geschockt sei von diesem Foul. «Er spielt bei den Junioren von Concordia, sagt aber, er wolle nun nicht mehr Profi werden, das sei zu gefährlich.»

Papa Yapi aber will mit dem FCZ noch mindestens einen Titel holen, bevor er seine Karriere beendet. Mit YB ist er drei Mal Vizemeister geworden und hat er zwei Cupfinals verloren. Mit dem FC Basel hat er drei Mal den Meisterpokal gewonnen und einmal den Cup. «Basel spielt derzeit in einer eigenen Liga», sagt Yapi, «aber ich denke, dass YB gute Arbeit leistet, Schritt für Schritt aufholt und irgendwann auch einmal Meister wird.»

Diesmal allerdings noch nicht, dafür ist der Vorsprung des FCB zu gross. Nicht wie 2008 und 2010, als der FCB jeweils mit 2:0-Siegen gegen YB Meister wurde. «Bei der ersten Finalissima war ich verletzt, bei der zweiten setzte mich Trainer Petkovic wegen meines Wechsels zum FCB gar nicht mehr ein», sagt Yapi. «Schade, ich hätte bis zur letzten Minute alles für YB gegeben.»

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