Tobias: Endlich haben wir die Gewissheit: Gianni Infantino ist noch viel schlimmer als
sein Vorgänger Sepp Blatter.

Flavio: Ach komm schon. Nur weil er den Kauf einer Matratze über Spesen abgerechnet haben soll und sich vielleicht mal auf eine Reise mit einem Privat-Flugzeug einladen liess, ist er noch lange kein Schurke. Wer hat ihm denn diesen Schlamassel in der Fifa eingebrockt? Sepp Blatter natürlich.

Tobias: Unbestritten ist, dass es während der Ära Blatter auch Mauscheleien gab. Nur: Im Unterschied zu Infantino hat Blatter wenigstens Format, Charisma und ein staatsmännisches Auftreten. Für Infantino ist der Fifa-Chefposten schlicht zwei, drei Nummern zu gross.

David: Und im Unterschied zu Blatter verkauft Infantino den Fussball einzig für seinen Machterhalt. Echt widerlich. Allein schon, wie er sich als Uefa-Generalsekretär in der Causa Financial Fairplay verhalten hat.

Flavio: Was sollte er tun? Etwa Manchester City und Paris Saint-Germain für die Champions League sperren? Mir ist kein Sportverband bekannt, der seine Publikumsmagneten wegen Regelverstössen vom Wettbewerb ausschliesst. Für die Stars gelten schlicht andere Regeln. Andernfalls hätte Lance Armstrong längst nicht mehr an der Tour de France teilnehmen dürfen.

François: Infantino suggeriert, alle gleich behandelt zu haben, indem er den Klubs, die gegen Financial Fairplay verstossen haben, Deals anbot. Aber wie haben diese Deals ausgesehen? Im Fall von Paris Saint-Germain wissen wir: Die 60-Millionen-Euro-Busse ist gemessen an den finanziellen Möglichkeiten und der Betrugssumme ein Witz. Ausserdem legalisierte Infantino für Manchester City und Paris Saint-Germain ein Finanzdoping, während kleinere Klubs wie Sion und Kasan die volle Härte zu spüren bekamen und vom Europacup ausgeschlossen wurden. Und jetzt, als Fifa-Präsident, ist Infantino gerade daran, den Durchblick vollumfänglich zu verlieren.

Tobias: Was sprichst du an?

François: Ihr habt doch sicher von den Plänen der grössten europäischen Klubs gehört, eine eigene Super League zu gründen. Eine solche Liga würde nicht nur die Champions League konkurrenzieren, sondern torpedierte Infantinos Pläne für eine Klub-WM. Der Gefahr bewusst, droht er Spieler, die bei Vereinen einer Super League unter Vertrag stehen, von WM-Turnieren auszuschliessen.

David: Echt? Das ist ja die pure Verzweiflung. Erstens: Wie will Infantino eine WM als Turnier der Superlative verkaufen, bei der die 200 besten Spieler der Welt nicht teilnehmen dürfen? Und: Hat nicht Infantino selbst mit seinen Hinterzimmer-Deals dafür gesorgt, dass Klubs wie Paris Saint-Germain und Manchester City der Uefa und der Fifa entwachsen sind? Er kommt mir vor wie der Hund, der sich in den Schwanz beisst.

Tobias: Richtig. Für mich gibt es nur eine Lösung: Der Mann muss weg.

François: Auf die Gefahr hin, dass es absurd tönt: Ich schätze, Infantino hat aller Enthüllungen zum Trotz beste Chancen, nächstes Jahr wiedergewählt zu werden.

David: Also muss man ihm einen Deal vorschlagen, damit er auf eine Wiederwahl verzichtet. Hat jemand einen Vorschlag?

Tobias: Man müsste ihm den Chefposten dieser Super League anbieten.