WM14
Gestatten, Diego Armando Maradona: Früher Starspieler, heute TV-Proll

Früher Starspieler, heute TV-Proll: Diego Armando Maradona rüttelt weiter an seinem Denkmal - wenn das überhaupt noch steht. Und zum Final sagt er, dass Argentinien weiter feiern könne. Denn Deutschland sei nicht unschlagbar.

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Marada bei einem seiner TV-Auftritte als Experte.

Marada bei einem seiner TV-Auftritte als Experte.

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Diego Maradona vergoss bittere Tränen. Er, einer der grössten Spieler aller Zeiten, kauerte wie ein kleines Kind auf dem Rasen des Olympiastadions in Rom und trauerte dem verlorenen WM-Finale gegen Deutschland hinterher. Und die Fussballwelt mit ihm. 24 Jahre ist das her - heute verdient der kleine grosse Argentinier längst kein Mitleid mehr.

Seit jenem 8. Juli, an dem die deutsche Nationalmannschaft zum dritten und zumindest bis zum kommenden Sonntag letzten Mal Weltmeister wurde, folgte für Maradona ein Absturz in unzähligen Akten. Sein neuester Streich: TV-"Star", Chefkritiker und Motivator der aktuellen Albiceleste, die im Finale von Rio de Janeiro wieder gegen Deutschland um den WM-Titel spielt.

"Die Argentinier können weiter feiern, denn Deutschland ist nicht unschlagbar", verkündete der inzwischen 53-Jährige vollmundig in seiner eigenen TV-Show "De Zurda" nach dem argentinischen 4:2-Elfmeterkrimi im Halbfinale gegen die Niederlande. Allein: Statt ernstzunehmender Experte ist Maradona nur noch die Karikatur jenes Superstars, der die Welt mal mit atemberaubenden Fussball verzauberte.

"Die Deutschen sind jetzt zuversichtlich. Besser so, denn je mehr Selbstvertrauen sie haben, desto grösser wird die Überraschung gegen uns sein", sagte Maradona, der viermal an einer WM-Endrunde teilnahm und 1986 sein Team als Kapitän zum Titel führte. Nebenbei sorgte er mit der "Hand Gottes" und dem folgenden Jahrhunderttor gegen England für weitere Einträge in die Geschichtsbücher des Weltverbandes FIFA.

Dort steht er aber auch wegen des letzten grossen Dopingskandals während einer WM, weil er 1994 in den USA bei einer Urinprobe aufflog. Es sollten bei weitem nicht die letzten Drogen-Eskapaden bleiben. Für seine Fans, die Diego Armando Maradona trotz allem wie einen Heiligen verehren, sind dessen eigenartige TV-Auftritte deshalb sogar ein Segen.

Der 1,65 Meter große und zwischenzeitlich fast so breite "Goldjunge" sieht gar nicht mal so schlecht aus. Statt krank und zerlebt, wie so oft in den vergangenen Jahren, wirkt Maradona "nur" noch wie ein launischer Proll aus der Dorfdisco.

An den Handgelenken trägt er meist zwei silberne Uhren, dazu Perlenohringe - und er zeigt gerne mal den Mittelfinger. Umgerechnet knapp vier Millionen Euro, so wird es kolportiert, soll er dafür bekommen, den hetzerischen Experten zu geben.

Wie viel Sachverstand er tatsächlich hat, wollte Maradona bis vor zwei Jahren als Trainer beweisen, zuletzt bei Al-Wasl aus Dubai. Günstig dürfte er, der Verehrer von Kubas "Maximo Líder" Fidel Castro, nicht gewesen sein. Maradonas Lebensstil kostet Geld.

Krachend gescheitert war er auch als argentinischer Nationaltrainer. Der Tief- und schliesslich auch Schlusspunkt: Bei der WM 2010 schied die Albiceleste im Viertelfinale kläglich gegen Deutschland aus. Maradona, der einstige Weltstar, weinte. Wie damals in Rom.