FC Zürich

Gesperrter Loris Benito hatte schon 35 Tickets für Familie und Bekannte bestellt

Loris Benito

Loris Benito

Nach seinem Platzverweis in Basel ist Loris Benito beim Cupfinal am Montag gesperrt. Der FCZ-Verteidiger regt sich über die dreifache Bestrafung mit Penalty, Platzverweis und Sperre auf. «Das ist extrem und ein brutaler Hammer.»

Es läuft die 86. Minute und FCZ-Verteidiger Loris Benito verliert den Ball an Valentin Stocker. Der Basler zieht – verfolgt und bedrängt von Benito – in den Zürcher Strafraum und hat nur noch Torhüter David Da Costa vor sich. Doch Stocker geht zu Boden und Sébastien Pache entscheidet auf Penalty.

Der Schiedsrichter sagt danach: «Es war ein leichtes Stossen in den Rücken. Ein klarer Penalty.» Ein penaltywürdiges Foulspiel von Benito ist allerdings auch bei wiederholtem Betrachten der Fernsehbilder nicht zu entdecken. Eher scheint es, dass Stocker mit einer blitzschnellen Bewegung seines linken Beines in Richtung Benito versucht, ein Foulspiel zu suggerieren.

Stockers Aktion ist aus Basler Sicht ein durchschlagender Erfolg beschieden. Denn sie bringt nicht nur die Siegsicherung für den FCB mittels Penaltynachschuss, sondern auch den Platzverweis für Benito und die damit verbundene Sperre für den Cupfinal vom Ostermontag.

Wäre Stocker tatsächlich gefoult worden, so hätte man gemäss Fifa-Spielregeln gegen den Platzverweis genauso wenig sagen können wie gegen den Penalty. Denn in der Regel 12 steht, was die Fifa unter «Feldverweiswürdigen Vergehen» versteht. Unter anderem: «Das Vereiteln einer offensichtlichen Torchance für einen auf sein Tor zulaufenden Gegenspieler durch ein Vergehen, das mit Freistoss oder Strafstoss zu ahnden ist».

Zwar ist diese Regel seit langem in der Kritik, weil die Dreifachbestrafung «Penalty, Platzverweis und Sperre» in Anbetracht des Vergehens eindeutig zu hart ist. Das Internationale Football Association Board hat das Thema im vergangenen März wieder einmal behandelt, konnte sich aber nicht zu einer Entschärfung der Regel durchringen. Fifa-Präsident Sepp Blatter verteidigt im Fifa-Magazin «The Fifa Weekly» diese Regel. Er schreibt: «Deren Auslegung erfordert allerdings Fingerspitzengefühl. Denn nicht zwangsläufig jedes Foul im Strafraum erfordert einen Platzverweis. Genau diesem Trugschluss scheinen die Schiedsrichter gelegentlich aber zu unterliegen. Mit einer situativen Interpretation des Reglements könnten die Referees die leidige Diskussion über die Dreifachbestrafung ein für alle Mal beenden. Diese Differenzierung ist die hohe Kunst der Spielleitung.»

Eine offensichtliche Torchance war es im Fall Stocker ja gewesen. Gleichwohl hatte Paches Entscheid nicht viel mit dem von Blatter angesprochenen Fingerspitzengefühl zu tun, weil es in diesem Fall ja nicht in erster Linie darum ging, ob der Verteidiger eine Torchance vereitelt hatte, sondern ob Benito überhaupt gefoult hatte. Was offensichtlich nicht der Fall war. Für Loris Benito eine bittere Pille.

Loris Benito, am Morgen nach dem Spiel in Basel schien eine herrliche Frühlingssonne, für Sie aber ist der Tag wohl trist und grau gewesen.

Loris Benito: Ich habe eine grosse Leere in mir verspürt. Und verspüre sie noch immer. Die Sonnenstrahlen konnten kein Trost sein.

Sie sind sozusagen vier Spielminuten vor dem Cupfinal aus dem Verkehr gezogen worden sind.

Das ist einfach nur traurig.

Wie haben Sie die Szene erlebt?

Stocker hat den Elfmeter extrem gesucht. Der Schiedsrichter ist aber so gut gestanden, dass er die Situation richtig hätte beurteilen können. Man kann doch von ihnen verlangen, dass sie die Liga und die Spieler kennen. Jeder weiss, dass «Vali» nicht zum ersten Mal einen Penalty gesucht hat. Ich hebe meine Arme ja noch hoch, bevor er abhebt.

Es war kein Foul?

Nein, nie im Leben.

Sind Sie böse auf Stocker?

Nein. Was mich mehr aufregt, ist die doppelte und dreifache Bestrafung mit Penalty, Platzverweis und Sperre. Das ist extrem und ein brutaler Hammer.

Haben Sie mit Stocker gesprochen?

Nein, wir hatten keinen Kontakt.

Und mit dem Schiedsrichter?

Auch nicht. Man hat ja kürzlich bei Luzerns David Zibung, als er in Bern rot bekommen hat, gesehen, dass man mit den Schiedsrichtern nicht reden kann. Das ist schade. Es muss doch eine normale Kommunikation möglich sein.

Wurden Sie von der roten Karte überrascht oder haben Sie geahnt, was jetzt kommen könnte?

Zuerst wurde ich vom Pfiff überrascht. Dann sah ich die Handbewegung des Schiedsrichters in Richtung Hosentasche. In diesem Moment war für mich klar, dass er mir Rot zeigt.

Haben Sie sofort realisiert, was dies für den Cupfinal bedeutet?

Nein, überhaupt nicht. In den Katakomben ist dann Basels David Degen zu mir gekommen und hat gesagt: Jetzt bist du gesperrt! Ich habe gesagt: Bist du wahnsinnig? Das kann nicht sein! Dann habe ich den Schiedsrichterassistenten gefragt. Der hat gesagt, er wisse es nicht, glaube aber nicht, dass ich gesperrt sei. Danach kam Bernhard Heusler. Er hat gesagt, er denke nicht, dass ich gesperrt sei – aber ohne Gewähr. Schliesslich musste ich zum Fernsehinterview und dort sagte der Moderator: Du bist gesperrt. Da ging mir der Laden runter.

Was für Reaktionen hat es aus dem privaten Umfeld gegeben?

Für viele war es ein Schock. Ich hatte für den Cupfinal 35 Tickets für Familie und Bekannte bestellt.

Und jetzt sind Sie in Bern mitten unter ihnen …

Das ist schon ein komisches Gefühl. Es sind aber viele aufmunternde Worte gekommen. Ich selber bin nach einigen Stunden Abstand mittlerweile selber der Überzeugung, dass ich in der Zukunft sicher einmal die Chance bekomme, in einem Final zu stehen. Das ist das Einzige, was ich vor den Augen habe. Alles andere muss ich ausblenden, weil ich es ja doch nicht ändern kann. Mit Rekursen ist nichts zu machen. Es ist eine harte Prüfung für mich.

Es ist nicht Ihre beste Zeit. Sie haben vor zwei Wochen schon das Derby verpasst, weil Sie zu spät zum Abschlusstraining kamen und Trainer Urs Meier Sie nicht ins Kader nahm.

Es ist so. Der letzte Monat war ein seltsamer.

Was können Sie lernen?

Wenn mir der Stockfehler zu Beginn dieser Szene mit Stocker nicht passiert wäre, hätte es keinen Penalty und keine rote Karte gegeben. Das ist das Einzige, was ich daraus lernen kann. Sonst habe ich einen guten Match gemacht, mich selber aber hart bestraft mit meiner Dummheit.

Dummheit?

Den Stockfehler meine ich.

Ist es der Tiefpunkt Ihrer Karriere?

Ein grosser Tiefpunkt ist für mich eine Verletzung. Bevor ich zum FCZ kam, hatte ich mir das Wadenbein gebrochen. Vier Monate nicht mitzutun, war sehr hart. Jetzt verpasse ich «nur» ein Spiel. In dem es zugegebenermassen aber um viel geht. Viele werden sagen: Einen Cupfinal erreicht man nur einmal im Leben. Aber ich sehe es anders.

Wie stehen am Montag die Chancen des FCZ?

Ich erwarte ein offenes Spiel. Es tat am Mittwoch gut, noch auf 2:3 heranzukommen und Moral zu zeigen. Das hat uns im Kopf gutgetan.

Was ist die Lehre aus dem Spiel?

Wir müssen von Anfang an hellwach sein und dem Spiel unseren Stempel aufdrücken. Basel hat in den letzten Begegnungen gegen uns Mühe gehabt. Oder vielleicht haben wir es einfach auch super gemacht. Wir sind uns bewusst, dass wir fähig sind, dem FCB wehzutun.

Ist der FCZ eine Wundertüte?

Was die zwei Jahre betrifft, die ich nun hier bin: Ja. Der Unterschied zwischen dem FC Basel und uns ist die Konstanz auch in schlechten Phasen. Basel steht unter Dreifachbelastung, macht ein schlechtes Spiel, und verliert dennoch nicht. Wir machen ein schlechtes Spiel, und verlieren.

Woran liegt es?

An der Erfahrung und Mentalität.

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