Wer ein Indiz dafür sucht, wie schnell sich die Gemengelage im Fussball ändern kann, der findet eine Antwort im Interview von Dortmunds Keeper Roman Bürki, das er nach der 1:2-Niederlage am letzten Freitag beim abstiegsbedrohten FC Augsburg gab. "Ich muss mich enorm zusammenreissen, dass ich auf dem Spielfeld niemandem den Kopf abreisse", sagte der Schweizer gegenüber dem TV-Sender Eurosport unumwunden.

Bürkis Ärger spielte auf die unerklärlichen Aussetzer an, die sich der BVB im Spielaufbau leistete. Zwei davon lagen den Augsburger Toren durch Dong-won Ji zugrunde und besiegelten die Niederlage. Teamleader Bürki lieferte mit seiner Aussage aber auch die Bestätigung dafür, dass den Dortmundern in den letzten Wochen die Leichtigkeit des Seins abhanden gekommen ist. Will man sich im Ruhrpott nicht innerhalb von einem guten Monat der in der Vorrunde hart erarbeiteten Ausgangslage ganz berauben lassen, muss sich dies schleunigst ändern.

Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League daheim gegen Tottenham Hotspur bietet sich dem BVB die Gelegenheit, den Umschwung herbeizuführen. Mit einem Weiterkommen von Gelb-Schwarz rechnet kaum mehr jemand, der Druck auf das junge, unerfahrene Team nach dem 0:3 aus dem Hinspiel überschaubar. In der aktuellen Verfassung wird es mit dem ersten Sieg in der Königsklasse gegen die Spurs allerdings auch ohne Druck schwierig. Besonders, da die Angreifer bei den Londonern nicht Dong-won Ji, sondern Harry Kane oder Heung-min Son heissen - und gegen Dortmund gerne treffen. In drei Spielen gegen die Westfalen haben beide je dreimal getroffen.

Zwar hat BVB-Coach Lucien Favre die individuellen Fehler als Fundament der derzeitigen Krise seines Teams eruiert, abzustellen vermochte sie der Waadtländer bislang allerdings nicht. Auch die Rückkehr von Manuel Akanji in die Innenverteidigung verhinderte die Aussetzer gegen Augsburg nicht. Es sei jetzt an der Zeit, dass jemand laut sage: "Das geht mir auf den Keks!", forderte Matthias Sammer, der die BVB-Pleite gegen Augsburg als TV-Experte von Eurosport begleitete und zeitgleich als externer Berater bei Dortmund amtet. Roman Bürki sprach ihm aus dem Herzen.

Profitiert Ajax von Reals Horrorwoche?

Mehr als für Favre steht am Dienstag für Santiago Solari, den Trainer von Real Madrid, auf dem Spiel. Die Ausgangslage vor dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Ajax Amsterdam nach dem 2:1-Auswärtssieg präsentiert sich vermeintlich komfortabel. Ein Ausrutscher gegen Ajax würde für Real aber nicht nur das erstmalige Achtelfinal-Aus in der Königsklasse seit neun Jahren bedeuten, es wäre auch die negative Krönung einer Horrorwoche - und wohl das Ende für Trainer Solari.

Innerhalb von drei Tagen musste Real seine Titelambitionen in zwei von drei Wettkämpfen begraben - und dies jeweils nach Heimniederlagen gegen den Erzrivalen aus Barcelona. Erst mussten sich die Madrider im Cup von den Katalanen mit 0:3 demütigen lassen, obwohl sie die Partie lange dominierten. Dann folgte ein 0:1 in der Meisterschaft, das Reals Rückstand auf Leader Barcelona auf zwölf Punkte anwachsen liess. Nun soll es für Real die Champions League wieder richten - zuletzt hat es dort schliesslich dreimal in Folge geklappt.