Eigentlich geht es um die Qualifikation zur Champions League. Es geht um das «Non plus ultra» – nichts ist höher als das im europäischen und auch im interkontinentalen Klubfussball. Doch davon ist der FC Zürich zurzeit weit entfernt. Nach drei Meisterschaftspartien hat der FCZ null Punkte. Zwei Spiele davon hat er gegen die Aufsteiger Servette und Lausanne verloren. Man fragt sich: Was ist in diesem Sommer geschehen? Welcher Unfall ist passiert, der den Schweizer Vizemeister bis zur Unkenntlichkeit entstellt hat?

Nachdenklicher Sportchef

Der Sportchef Fredy Bickel sieht nachdenklich aus. Er steht am Dienstag am Rande der Pressekonferenz vor dem heutigen Spiel gegen Standard Lüttich unter dem Torbogen zum Medienraum des Stadions Letzigrund. Er lehnt sich an der Türe. Lauscht den Worten eines kämpferischen Trainers Urs Fischer. «Man sucht immer wieder nach Lösungen», sagt Bickel über diese schwierige Zeit im FC Zürich. Nein, einen solch schlechten Saisonstart habe er bisher noch nie erlebt.

Nach den ersten beiden Niederlagen gegen Sion und Servette habe er gedacht, den Schlüssel gefunden zu haben. Dann sei er während der Niederlage in Lausanne auf der Bank gesessen und habe gesehen, dass das noch nicht der Fall war. «Wie es scheint, haben wir das Entscheidende noch nicht unternommen», sieht Bickel ein. Er, wie die Spieler, wie der Trainer, ist selbstkritisch. «Wir haben uns vielleicht alle zu sicher gefühlt», sagt Bickel, «das ist aufgrund der vergangenen Saison, des unveränderten Kaders und der Vorbereitung geschehen – vielleicht waren wir geblendet.»

Fischer sucht die Schuld bei sich

Geblendet. Das gleiche Wort benutzt der Cheftrainer Urs Fischer. Er spricht vom Hinspiel in Lüttich, in dem der FC Zürich auf den schlechten Start in die Meisterschaft reagiert hatte, mit 1:0 in Führung ging und nur am Schluss den Treffer zum 1:1 hatte hinnehmen müssen. Fischer korrigiert sich. Er sei nicht gerade geblendet gewesen, er habe einfach gedacht, dass jenes Spiel die Wende bedeutet hätte. Fischer korrigiert sich oft in diesen Tagen.

Er, der streng zu seinen Spielern sein kann, ist es auch zu sich selbst. Er, der sich als Verteidiger harte Zweikämpfe mit seinen Gegenspielern lieferte, tackelte sich nun selbst. Er lud die Schuld für den vermasselten Saisonstart auf sich selbst. Wenn er nicht eine Mannschaft auf den Platz stelle, die kämpfe, dann sei das sein Fehler, sagte er im Anschluss der Niederlage auf der Pontaise in Lausanne. War das ein guter Zug? War es richtig, die teils selbstzufriedene, teils überhebliche, teils ideenlose Mannschaft in Schutz zu nehmen? Ganz ungeschoren wird das Team kaum davon gekommen sein. Fischer führte ihm rund 80 Minuten der Partie in Lausanne vor – Zeit genug, um das eine oder andere Problem anzusprechen.

Kämpfen allein reicht nicht

Doch Urs Fischer wäre nicht Urs Fischer, wenn er nicht zwischendurch auch Laute wie «Fertig basta» von sich geben würde, der trotz Härte und Siegeswillen über den Fussball hinweg schaut, der sagt, dass das Leben trotz Niederlagen weiter geht. «Die Leistungen stimmen nicht», sagt er unumwunden, «aber das müssen wir zur Seite legen.» Seine Gefühlslage sei gut. Man müsse irgendwann wieder nach vorne schauen. «Ich bin jetzt in diesem Stadium», sagt Fischer, «ich bin positiv eingestellt, dass die Jungs bereit sind.»

Ausschliesslich mit dem Kampf komme man nicht aus dieser Lage. «Nur Gras zu fressen geht nicht», sagt Urs Fischer auch vor diesem so wichtigen Spiel gegen Lüttich. Mit elf Spielern wie dem ehemaligen Fussballer Urs Fischer komme es nicht gut, sagt er schmunzelnd, es brauche auch andere Qualitäten.

Erfolg heute sichert Europa-League-Qualifikation

Mit einem Sieg oder einem 0:0 ist der FCZ heute in die Playoffs zur Champions League und wäre bereits für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert und würde bereits rund 3 Millionen Franken einnehmen. Das sind grundlegende Ziele für die Zukunft des FCZ, der in der Vorsaison ein Defizit von rund 8 Millionen Franken feststellte. Deshalb sagte der FCZ-Präsident gegenüber der NZZ, dass das heutige Rückspiel gegen Lüttich das wichtigste des Jahres sei. Vielleicht ist er es auch für Fischer und für den Rest der Super-League-Saison. «Wir wollen in die Gruppenphase der Europa League», sagt Fischer, «ob sich das auch positiv auf die Meisterschaft auswirkt, werden wir dann sehen.»