Das erste Rendez-vous des FC Zürich im Vorprogramm der Champions League wird von hausgemachten Problemen überschattet: Nicht das kapitale Hinspiel der 3. Qualifikationsrunde in Lüttich ist der thematische Schwerpunkt, sondern die Heimniederlage gegen Genf.

Das 0:1 zum Saisonstart in Sitten hatte beim FCZ noch keinen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Seit dem peinlichen 2:3 gegen den Aufsteiger Servette ist die Tonalität hingegen eine komplett andere. Von einer «unglaublichen Arroganz und Selbstverliebtheit» war seitens des Sportchefs Fredy Bickel die Rede. Präsident Ancillo Canepa erweiterte den Rundumschlag im «Blick» noch um eine Dimension: «Die Fussballer sind vom wahren Leben komplett entrückt.»

Rundumschlag des Präsidenten

Den Fehlstart zur Unzeit redete keiner mehr schön. Nur in der Ursachenforschung wichen die Entscheidungsträger voneinander ab. Die massive Kritik von Bickel und Canepa – wohl nicht ganz ohne Kalkül vorgetragen – kommentierte Coach Urs Fischer nicht. Er vertrat ohnehin einen anderen Standpunkt.

Das Team sei nicht von einer arroganten Haltung fehlgeleitet, sondern habe für die fehlende Leidenschaft und die individuellen Fehler schwer büssen müssen. Ihm hat der miserable Auftakt zur Meisterschaft zugesetzt. Am Sonntag liess er das Team seinen Frust spüren. Die Analyse des Trauerspiels gegen Genf war dem Vernehmen nach auch ausserhalb der Saalsporthalle gut hörbar. Beim Wochenstart war das Debakel intern kein Thema mehr: «So etwas muss man sofort ansprechen und abhaken. Wir müssen am Mittwoch wieder auf den Platz stehen. Irgendwann muss man auch wieder positiv nach vorne schauen.»

«Geballte Ladung Power»

Fischer erwartet vom Team eine spür- und sichtbare Reaktion. In Belgien stehen für ihn nicht taktische oder technische Finessen im Vordergrund. Er will von seiner Mannschaft jene Bereitschaft sehen, die am letzten Samstag während der ersten 45 Minuten nicht einmal im Ansatz erkennbar war: «Jeder muss bereit sein, alles zu geben – von der ersten Sekunde an!»

Weitere Time-outs wie gegen Sion und Servette darf sich der FCZ unter keinen Umständen mehr erlauben. Fischer beobachtete den belgischen Cupsieger zweimal; zuletzt beim 0:1 im Supercup gegen Titelhalter Genk. Die Eindrücke genügten zur unmissverständlichen Prognose, was am Mittwochabend auf den Zweiten der Axpo Super League zukommen dürfte: «Eine geballte Ladung Power.»

30000 Fans erwartet

Der FCZ wäre deshalb gut beraten, in womöglich aufgeheizter Atmosphäre – gegen 30000 Zuschauer werden erwartet – der Kampfkraft der Einheimischen ohne Verzögerung mit gleichem Stilmittel zu begegnen. Ob er dazu gegenwärtig überhaupt in der Lage ist, wird sich weisen. Für Fischer ist es eine «Kopfsache», für andere Betrachter eine Frage des Charakters.

Welche elf Spieler sich der Bewährungsprobe im Stadion «Sclessin» zu stellen haben, ist nicht im Detail geklärt. Der Franzose Mathieu Béda dürfte ins Zentrum der gegen Genf überforderten Abwehr zurückkehren. Zur Debatte steht der Platz von Xavier Margairaz. Seine geringfügige Blessur ist kein Thema, aber der mangelhafte Formstand. Mit seinem törichten Penaltyfehlschuss löste der Romand die «Minikrise» aus. Fischers Kommentar zur Personalie Margairaz lässt Raum zur Spekulation offen: «Ich gehe davon aus, dass er genügend fit ist – wenn er denn auf dem Matchblatt ist.»

8 Millionen zu verdienen

Für den FCZ steht in den Duellen mit Lüttich nicht nur das eigene Prestige, sondern auch eine Stange Geld auf dem Spiel. Für den Vorstoss ins Playoff, die letzte Qualifikationsrunde zur Champions League, schüttet die Uefa 2,5 Millionen Euro Prämien aus. Räumen die Zürcher Standard aus dem Weg, wäre überdies die Teilnahme an der Europa League gesichert. Zürichs Präsident rechnet in diesem Fall mit bis zu acht Millionen Franken Einnahmen. Damit wäre das Minus der letzten Saison nahezu wegradiert.