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Gehört Hakan Yakin in die Startelf?

Die strauchelnde Schweiz braucht morgen gegen Wales Kreatitivät, Tore und drei Punkte - ein Fall für Hakan Yakin.

Stefan Kreis
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Die Schweizer Nationalmannschaft ist offensiv harmloser als eine Katze ohne Krallen. Nur gerade fünf Tore in zehn Spielen brachte die Hitzfeld-Elf in diesem Jahr zustande. Nur gerade zwei echte Chancen kreierte die Mannschaft am Freitag gegen Montenegro.

Für FC-Luzern-Vize-Captain Michel Renggli (30) ist es daher unfassbar, dass sein Teamkollege Hakan Yakin in den Überlegungen von Ottmar Hitzfeld nur eine Nebenrolle spielt: «Hakan ist der beste Fussballer der Schweiz. Seine Spielintelligenz und seine Übersicht sind unverzichtbar. Es ist für mich unverständlich, dass er nicht in der Startformation steht. Die Nationalmannschaft hat spielerische Defizite, Hakan könnte diese Lücke schliessen. Ohne Zweifel.» Doch Renggli hält auch fest, dass Ottmar Hitzfeld bestimmt seine Gründe für die von ihm getroffenen Entscheidungen hat. «Er ist ein Weltklasse-Trainer mit viel Erfahrung. Er weiss, was er tut.»

Erfahrung und Kreativität

Trotzdem hat Rengglis Aussage ihre Berechtigung, denn Yakin spielt in dieser Saison gross auf. Er hat in zehn Spielen dreizehn Skorerpunkte auf dem Konto (sechs Tore, sieben Assists), ist der Pilot des Luzerner Höhenflugs. Unter seiner Regie ist die FCL-Offensive das Mass aller Super-League-Dinge und hat schon 29 Treffer erzielt. «Zudem bringt Hakan Erfahrung mit, hat am meisten Länderspiele auf dem Buckel und weiss, was es heisst, in wichtigen Spielen bereit zu sein», so Renggli.

85 Auftritte hat Yakin im Schweizer-Dress absolviert und dabei 20 Treffer erzielt. Unvergessen sein Tor im Spiel gegen Israel im September 2009, als er den Ball aus 18 Metern in den Winkel setzte. Tore, die die Schweiz schon lange nicht mehr gesehen hat. Tore, die der prädestinierte Schütze Alex Frei zurzeit nicht macht. «Hakan ist der beste Freistossschütze der Schweiz», sagt Renggli und liefert ein weiteres Argument, warum das Land nicht auf den 33-Jährigen verzichten kann.

Tatsächlich wären im Spiel gegen Montenegro Standardsituationen ein probates Mittel gewesen, um die zum Teil unbeholfen agierende Abwehr des Gegners zu knacken. Auch gegen Wales sind sie ein Rezept zum Erfolg. Die Freistösse und Ecken von Captain Alex Frei, der sich so ziemlich jeden Ball unter den Nagel reisst, erzeugten in den letzten Spielen aber kaum Torgefahr. Hakan Yakin könnte mit seinem goldenen linken Fuss für Gefahr sorgen. «Die Schweiz braucht seine Kreativität», sagt Renggli.

All diesen Argumenten zum Trotz wird Hitzfeld wohl nicht von Anfang an auf Yakin setzen, wie folgende zwei Punkte unterstreichen.

Das falsche System

Die Schweiz spielt im klassischen 4-4-2-System ohne Spielmacher. Würde Hitzfeld auf Yakin als offensiven Mittelfeldspieler setzen, müsste er das System umstellen, was der 61-Jährige innerhalb so kurzer Zeit wohl nicht riskieren wird. Die Umstellung hätte zur Folge, dass die Positionen im Mittelfeld und auf den Abwehrseiten anders interpretiert werden müssten.

Eine weitere Variante wäre, Yakin als hängende Spitze laufen zu lassen. Das Problem dabei: Mit Alex Frei hat die Schweiz bereits einen Stürmer, der sich zurückfallen lässt, statt als Stossstürmer zu agieren.

Wenig Vertrauen vom Trainer

Doch auch wenn sich Hitzfeld einen Systemwechsel überlegen würde, wäre nicht sicher, ob der Coach auf den FCL-Captain setzen würde. Hitzfeld hat sich in seiner Amtszeit nicht unbedingt als glühender Anhänger von Yakin herausgestellt. In 25 Spielen unter dem Deutschen spielte Yakin nur gerade viermal von Anfang an. Vertrauen sieht anders aus. Zudem kritisierte Hitzfeld schon des Öfteren den Fitnesszustand des 33-Jährigen.

Yakin, der immer dann zur Hochform aufläuft, wenn er sich von Coach und Umfeld geborgen fühlt, hat dies zur Kenntnis genommen und konnte international nie an die Leistungen in der Super League anknüpfen. Unter Hitzfeld überzeugte er in seinen vierzehn Einsätzen als Joker nur bedingt. Damit steht wohl fest, dass Yakin trotz seiner Genialität, trotz seiner Topform und trotz seiner Erfahrung morgen gegen Wales zu Beginn nur auf der Bank sitzen wird. Und dass sich Renggli darüber ärgert.