Der Videobeweis wird auch in der Super League eingeführt. Ab der Saison 2019/20 werden Videoassistenten (VAR) die Schiedsrichter unterstützen. Was CH Media am 28. August angekündigt hatte, wurde gestern nun von der Swiss Football League (SFL) bestätigt.

Unter dem Vorbehalt, dass die Vereine dem Projekt «VAR» an der GV vom 23. November zustimmen. Doch dies dürfte eine Formsache sein angesichts der Tatsache, dass die Vorbereitungsarbeiten der SFL, des SFV und des Ressorts Spitzenschiedsrichter schon seit längerer Zeit auf Hochtouren laufen.

Die Vorbereitungen werden intensiviert

Auch die Verkündung der Namen der beiden Projektleiter bedeutet, dass der Videobeweis aufgegleist ist. Während die Gesamtleitung bei Reto Häuselmann (45) liegt, wurde die Ausbildung des aktuellen Schweizer Schiedsrichterkaders dem früheren deutschen Spitzenreferee Hellmut Krug anvertraut.

Die beiden werden die Vorbereitungen nun noch intensiver vorantreiben. Dazu gehört auch, einen passenden Ort für den «VAR Operations Room» zu evaluieren. Wo die Partien an Bildschirmen beobachtet und die Schiedsrichter dann unterstützt werden. In der deutschen Bundesliga hat dieser berüchtigte Raum den Namen «Kölner Keller» erhalten. Schliesst den «Kölner Keller!», hat der «Kicker» einmal gefordert.

Von Erfahrungen profitieren

Auch wenn das Schweizer Vorhaben zeitlich ambitioniert ist, so hat es den Vorteil, von den Erfahrungen zu profitieren, die zum Beispiel die Deutschen in ihrer Liga gemacht haben. Nach einem turbulenten ersten halben Jahr und wiederholten Aufforderungen von verschiedenster Seite, die Übung abzubrechen, hatte sich die Situation in der Rückrunde beruhigt.

Auch bei WM war das Debüt des VAR ein achtbarer Erfolg. Dann aber lief der erste Bundesligaspieltag völlig aus dem Ruder und die Gemüter beruhigten sich erst wieder, als (auch personelle) Anpassungen dazu führten, dass es seither kaum mehr Beanstandungen gibt.

Die Schweizer tun gut daran, den VAR von Beginn an dosiert einzusetzen; also nur bei klaren Fehlentscheidungen. Und, ganz wichtig, das zahlende Publikum im Stadion darf nicht alleine gelassen werden, sondern muss jederzeit darüber aufgeklärt werden, warum der VAR jetzt gerade eine Szene überprüfen lässt und weshalb er dann so oder so entscheidet.

Der gefeuerte Video-Chef Krug

Interessant ist zweifellos die Personalie Krug. Dass ihn die SFL zum Ausbildungschef berufen hat, ist eine Überraschung. Er war in Deutschland der Video-Chef, aber nach der Einführung des Videobeweises im Sommer 2017 noch vor Ablauf der Vorrunde vom DFB gefeuert worden. Ihm wurde vorgeworfen, als Gelsenkirchener habe er den VAR beeinflusst, zugunsten des FC Schalke 04 einzugreifen.

Dass Krug gehen musste, obwohl sich die Behauptungen nicht belegen liessen, hatte indes mit der ohnehin verfahrenen Situation und der aufgeheizten Stimmung in Deutschland zu tun. Und wenn Krug die Lehren aus seinen gemachten Fehlern den Schweizern vermittelt, hat seine Wahl ja auch etwas Gutes.