Super League

GC feiert gegen Xamax den ersten Auswärtserfolg – Trainer Fink will nun Französisch lernen

Die GC-Spieler Julien Ngoy und Aimery Pinga (l.) freuen sich über ein Tor.

Die GC-Spieler Julien Ngoy und Aimery Pinga (l.) freuen sich über ein Tor.

Den Grasshoppers gelingt im Kellerduell der Super League beim 3:2 gegen Xamax der erste Auswärtserfolg.

Was zum Teufel ist bloss los mit unseren Trainern? Vor einer Woche hat sich Michel Decastel nach dem 2:2 in Thun wortlos aus dem Staub gemacht und durch seinen Assistenten Stéphane Henchoz ausrichten lassen, er sei nach drei Spielen innert sechs Tagen zu erschöpft und die Enttäuschung nach dem späten Ausgleich der Thuner zu gross, um noch Auskunft zu geben.

Am Sonntag ist Decastel jetzt zwar da gewesen, aber der für Thorsten Fink reservierte Stuhl blieb leer. Monsieur Fink lasse sich entschuldigen. Er habe es sehr eilig gehabt nach dem Spiel, sagte der Pressesprecher von Xamax. Es war aber weder Erschöpfung noch Enttäuschung, die den Trainer der Grasshoppers zum überstürzten Aufbruch gedrängt hatten. Erstens ist nicht bekannt, dass Fink schon einmal erschöpft war, und zweitens hat er nach dem 3:2-Sieg auf der Maladière nicht den geringsten Grund gehabt, sich «französisch» zu verabschieden.

Für Französisch nach Holland

Dabei ist ja ausgerechnet «französisch» die Ursache seines raschen Abgangs gewesen. Denn der GC-Trainer, man glaubt es kaum, nützt einen Teil der Länderspielpause für einen Intensivkurs in Französisch. Immerhin hatte es in Neuenburg noch für ein paar Sätze in der Mixed-Zone gereicht. Es wäre ja auch schade gewesen, wenn der Trainer nichts zu seinem Ausland-Trip und dem GC-Dreier in diesem wegweisenden Spiel im Kampf gegen den Abstieg gesagt hätte. «Bis zum Freitag bin ich in Holland», sagte der Deutsche, ohne erklären zu können, warum genau er nach Holland reist, um französisch zu lernen. Immerhin: Wenn er dann im Frühjahr doch noch neben Decastel zu sitzen kommt, wird er vielleicht das eine oder andere verstehen, was der Xamax-Trainer zu sagen hat. Offenbar ist es Fink immer ziemlich unangenehm gewesen, wenn Berufskollegen in Französisch das Spiel erklärt hatten und er nur «Bahnhof» verstand.

«Und», sagte Fink, «wir haben ja auch ein paar frankophone Spieler bei GC. Da kann es auch nicht schaden, wenn ich mit ihnen ein paar Sätze wechseln kann.» Bevor Fink dann mit Brille und Ledertasche endgültig in Richtung Ausgang gestürmt war, hatte er es nicht unterlassen, sein Team zu loben. «Der Sieg ist verdient», sagte Fink, «zum ersten Mal haben wir agiert und nicht einfach nur reagiert. Und für einmal können wir uns auch nicht über mangelnde Effizienz beklagen.» Julien Ngoy, Nedim Bajrami und Aimery Pinga hatten ihre Chancen genützt, um GC 3:0 in Führung zu bringen.

Nuzzolo brilliert

Was aber insofern etwas schmeichelhaft war, weil die Zürcher nach einer dominanten ersten Halbzeit plötzlich unter Druck geraten waren und den Neuenburgern mehrere gute Torchancen zugestanden hatten. Xamax war wie verwandelt aufgetreten, nachdem es in den ersten 45 Minuten nahezu inexistent gewesen war. Raphael Nuzzolo, der mit Abstand beste Spieler, der acht der achtzehn Xamax-Tore geschossen hat, sagte: «So, wie in der ersten Halbzeit, können wir uns nicht präsentieren, wenn wir in der Super League bleiben wollen.» Dass ihm in der Schlussphase noch zwei Tore zum 2:3-Endstand gelungen waren, konnte seine Miene nicht aufhellen. «Zwei Tore für nichts», sagte der 35-Jährige. Wäre sein Teamkollege Samir Ramizi allerdings ein besserer Kopfballspieler, hätte es den Gastgebern wenigstens zu einem Unentschieden gereicht. In der 96. Minute hatte der Serbe freistehend aus drei Metern direkt den GC-Goalie Heinz Lindner angeköpfelt. «Unglaublich», sagte Decastel.

Zu jenem Zeitpunkt war Fink aber schon unterwegs in Richtung Sprachkurs. Es ist immer ein gutes Gefühl, mit einem Sieg in die Länderspielpause zu gehen. Und die Stadionabstimmung in zwei Wochen muss GC nun auch nicht zitternd als rote Laterne abwarten. Nur sechs Punkte hinter dem vierten Rang sind sogar die Europacupplätze wieder in Sichtweite. Am Mittwoch können die Zürcher schon einmal testen, wie es so ist auf der internationalen Bühne. Sie treten in Madrid zu einem Freundschaftsspiel gegen Rayo Vallecano an. Allerdings ohne Fink. Auch der Trainer ist international unterwegs, büffelt Französisch. In Holland.

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