Fussball
Gavranovics kleiner Abstieg wird zum grossen Aufstieg

Im Sommer wechselte Mario Gavranovic (23) von Mainz zum FC Zürich. Er lancierte damit seine Karriere neu – nun profitiert das Nationalteam.

Etienne Wuillemin
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Torschütze Mario Gavranovic.Keystone

Torschütze Mario Gavranovic.Keystone

Es ist der Tag nach dem aufwühlenden 1:1 der Schweiz gegen Norwegen. Mario Gavranovic sitzt im Team-Hotel der Schweizer, überlegt und sagt: «Wir sollten positiv denken und froh sein über den gewonnenen Punkt. So, wie wir am Schluss nach vorne rannten, hätten wir uns nicht über ein Konter-Gegentor beklagen dürfen.»

Gavranovic war der einzige Schweizer Torschütze. Acht Minuten nach seiner Einwechslung brachte er die Schweiz im ausverkauften Stade de Suisse in Führung. «Ich bin glücklich, dass ich erneut ein Tor schoss, aber enttäuscht, nicht gewonnen zu haben», sagt er. Dann entwischt ihm ein Lächeln. Es ist der Moment, als Granit Xhaka und Ricardo Rodriguez vorbeilaufen und ihn schmunzelnd ermahnen, seine Worte mit Bedacht zu wählen.

Junge Geschichte in der Nati

Die Geschichte von Mario Gavranovic und der Schweizer Nationalmannschaft ist jung, aber sie ist nach dem Auftritt gegen Norwegen um ein erstaunliches Kapitel reicher. Vier Einsätze hat der bald 23-Jährige nun hinter sich – jeden als Einwechselspieler. Aber in diesen 104 Spielminuten erzielte er bereits drei Tore. Gavranovic sagt: «Jeder Trainer erwartet, dass seine Einwechselspieler etwas Entscheidendes provozieren, also versuche ich dies.» Es gelingt prächtig.

Weil Eren Derdiyok nach seiner gelben Karte gegen Norwegen am Dienstag in Island gesperrt ist (er reist nicht mit nach Reykjavik, sondern kehrt zu seinem Verein Hoffenheim zurück), drängt sich diese Frage auf: Hat sich Gavranovic mit seinem Tor für die Startaufstellung in Reykjavik aufgedrängt? Er selbst sagt: «Zum Glück ist diese Frage nicht mein Problem.» Trainer Ottmar Hitzfeld hält fest: «Für eine Antwort ist es noch zu früh. Auch Nassim Ben Khalifa und Admir Mehmedi sind valable Alternativen.»

Die 75-minütige Trainings-Einheit der Schweizer gestern in Jona bestritten die Ersatzspieler und jene, die am Freitag zu Kurz-Einsätzen gekommen waren – also sowohl Gavranovic wie auch Ben Khalifa und Mehmedi. Einblicke in die Gedankengänge von Hitzfeld gibt es aber wohl erst beim Training von heute.

«Ich traue mir die Rolle alleine zuvorderst zu»

Die Überlegungen, die sich Hitzfeld macht, sind diese: Soll Gavranovic, der sich in einem 2-Mann-Sturm am wohlsten fühlt, von Anfang an alleine stürmen? Oder doch eher Ben Khalifa, der diese Rolle bei GC zuletzt hervorragend interpretierte? Im zweiten Fall könnte Gavranovic dann gegen die müde gelaufene isländische Abwehr erneut als Einwechselspieler für Impulse sorgen.

Gavranovic sagt: «Ich traue mir auch die Rolle alleine zuvorderst zu.» Wichtig sei ohnehin nur eines: «Dass nun alle wissen, dass ich eine gute Alternative bin» Zu dieser Alternative im Schweizer Angriff scheint sich der Doppelbürger (seine Eltern stammen aus Kroatien) mehr und mehr zu entwickeln. Vor allem in Zeiten, wo Stürmertore eine Seltenheit sind. Nach dem Testspiel in Kroatien, wo Gavranovic doppelt getroffen hatte, sagte Hitzfeld: «Gavranovic ist einer, der im Strafraum explodieren kann.» Und entliess ihn mit dem Auftrag, beim FC Zürich weiterhin mit Toren auf sich aufmerksam zu machen.

Richtig klappen wollte es nicht. In sieben Super-League-Spielen gelang Gavranovic nur ein Treffer. Interessant ist aber, wie sehr sich die Trefferquote von Gavranovic verbessert, wenn seine Mitspieler zum Beispiel Shaqiri oder Xhaka heissen. Anders formuliert: Die Tore von Gavranovic im Nationalteam sprechen nicht für seine FCZ-Teamkollegen. Dass in der U21 auch sein Zürcher Sturmpartner Josip Drmic traf, ist vielleicht ebenfalls kein Zufall.

Erst im Sommer hat Gavranovic von Mainz nach Zürich gewechselt. Nach einer Saison mit nur 293 Pflichtspielminuten sah er ein: «Ich muss etwas unternehmen, sonst geht meine Karriere kapput.» Nun zeigt sich: Die Karriere ist neu lanciert. Und das nächste Kapitel wird bald geschrieben. Vielleicht schon am Dienstag gegen Island.