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Gary Thompson und die Green and White Army sind bereit für die Playoffs

Immer gut drauf und immer friedlich: Gary Thompson (links) und die Fans der nordirischen Nationalmannschaft on Tour − auf dem Bild in Hannover.

Immer gut drauf und immer friedlich: Gary Thompson (links) und die Fans der nordirischen Nationalmannschaft on Tour − auf dem Bild in Hannover.

Es kribbelt. Zwei Tage vor dem Kracher gegen die Schweiz steigt die Aufregung auch bei Gary Thompson. «Es wird laut werden im Windsor Park. Sehr laut», sagt der 61-Jährige und schmunzelt. So, als würde den Schweizern am Donnerstag Sehen und, vor allem, Hören vergehen. «Die Green and White Army wird alles geben.

Wir tun immer alles, um unser Team bestmöglich zu unterstützen.» Gegen 200 Partien von Nordirland hat Thompson schon gesehen, den Grossteil im Windsor Park.

Jetzt sitzt er in einem Café in der Innenstadt von Belfast und erzählt aus seinem Leben als Supporter der nordirischen Nationalmannschaft. Er erinnere sich noch gut an seinen ersten Länderspielbesuch, sagt Thompson und gerät sogleich ins Schwärmen.

Elf Jahre alt sei er gewesen und Zeuge, wie George Best eines seiner besten Spiele gemacht und sein Team vor 55 000 Zuschauern zum 1:0-Sieg gegen Schottland geführt habe.

13 Spiele ohne Torerfolg

Heute passen nicht einmal mehr halb so viele Fans ins umgebaute Nationalstadion. Doch Thompson sagt: «18 500 Plätze sind gerade richtig für ein kleines Land wie wir. Aber gegen die Schweiz wären auch 30 000 Fans gekommen, die Euphorie im ganzen Land ist gewaltig.»

Thompson weiss dies umso mehr zu schätzen, als er auch schon ganz andere Zeiten erlebt hat. In denen jeweils nur wenige tausend kamen. «Wir schrieben Geschichte, als wir von 2002 bis 2004 in 13 Partien hintereinander ohne jeden Torerfolg blieben.

Derzeit aber schwimmen die Nordiren und mit ihnen ihre Supporter auf einer Welle der Glückseligkeit.

Derzeit aber schwimmen die Nordiren und mit ihnen ihre Supporter auf einer Welle der Glückseligkeit.

Ich erinnere mich, wie Nationalcoach Sammy Mcllroy sagte, ihm ginge es nicht einmal mehr um den Sieg, er wolle einfach wieder einmal ein Tor sehen.»

Derzeit aber schwimmen die Nordiren und mit ihnen ihre Supporter auf einer Welle der Glückseligkeit. «Wir hätten niemals damit gerechnet, es überhaupt in die Playoffs zu schaffen», sagt Thompson.

«Und als wir es dann doch überraschend packten, weil wir fast keine Tore zuliessen, sagte ich, dass es zwar super wäre, wenn wir uns für die WM in Russland qualifizierten, die Reise für mich aber aus finanziellen Gründen nicht infrage käme. Allerdings habe ich meine Meinung inzwischen geändert…»

Lob für den Coach

Thompson lobt den Coach Michael O’Neill, der es geschafft habe, das Team zusammenzuschweissen und ihm einen unheimlichen «fighting spirit» einzuimpfen. Als O’Neill vor sechs Jahren die Mannschaft übernommen habe, sei er, Thompson, wie viele andere auch durchaus skeptisch gewesen, ob es gut komme.

Nordirlands Coach Michael O’Neill ist ein gefragter Gesprächspartner.

Nordirlands Coach Michael O’Neill ist ein gefragter Gesprächspartner.

Aber jetzt … Wobei: «Unser Kader ist schmal. Wir können uns keine verletzten Akteure leisten. Wir marschieren auf einem schmalen Grat», sagt Thompson. «Doch alle unserer Spieler sind grundanständige Kerle, es gibt keine Selbstdarsteller; nun ja, Kyle Lafferty ist schon ein bisschen ein Paradiesvogel; aber den kennt ihr ja aus seiner Zeit beim FC Sion.»

Seit seiner Pensionierung hat der frühere Mathematiklehrer mehr Zeit, sich seiner geliebten nordirischen Nationalmannschaft zu widmen. «Ich bin auch ein grosser Anhänger von Manchester City», sagt Thompson, «das kommt aber im Heimatland von Manchester Uniteds Legende George Best nicht immer gut an.»

Die EM war der Hammer

Doch ist er mit der Green and White Army unterwegs, ist das egal. «Die drei Wochen bei der EM in Frankreich waren der Hammer, eine einzige Party. Aber immer friedlich. Wir packten unser Auto und fuhren los. Meine Frau und mein Sohn sowie meine zwei Brüder und deren Familien waren auch dabei», erzählt Thompson.

Erster EM-Sieg für Nordirland.

Erster EM-Sieg für Nordirland.

«Der absolute Höhepunkt war, als wir gegen die Ukraine durch McAuley das 1:0 und damit unser erstes EM-Tor überhaupt schossen. Unglaublich, wie wir da gejubelt, gesungen und getanzt haben.» Und Thompson vergisst nicht, zu erzählen, wie viel Spass es gemacht habe, ohne Ende den Song «Will Grigg’s on fire – your defence is terrified» zu singen: «Ein Fest!»

Doch die Gegenwart ist jetzt. «Für mich ist die Schweiz der Favorit. In Belfast sind die Chancen 50:50, in Basel 60:40.» Er sagt, Spieler wie Xhaka und Shaqiri seien top, auch Sommer − aber: «Es fällt auf, dass nur wenige Namen schweizerisch klingen.»

Dann verabschiedet sich Thompson. Er will noch Schweizer Franken wechseln. «Am Samstag fliege ich mit vier Kumpels nach Basel. Great!»

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