Cupfinal

Fussballverband will für randalierende Fans nicht zahlen

Die Kosten für den Polizeieinsatz am Rande des Cupfinals vom Montag betragen laut Berner Polizei Hunderttausende von Franken. Nun will der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause den Schweizerischen Fussballverband als Veranstalter zur Kassen bitten. Doch dieser winkt ab.

Die Ausschreitungen am Rande des Cupfinals zwischen Fans des FC Basel und GC Zürich lassen dem Berner Sicherheitsdirektor keine Ruhe. Schon am Dienstag kündigte Reto Nause an, dass es in Zukunft in der Berner Innenstadt keine Fanmärsche mehr geben soll. «Die Stadtberner Bevölkerung hat genug.»

Nun geht der ehemalige CVP-Generalsekretär einen Schritt weiter und spielt mit dem Gedanken, vom Schweizerischen Fussballverband (SFV) als Veranstalter des Spiels «eine Beteiligung an den Sicherheitskosten» zu verlangen. Das könnte den Verband teuer zu stehen kommen: Die Polizei hat am Pfingstmontag laut Nause mehrere Tausend Arbeitsstunden geleistet, was einem Aufwand von Hunderttausenden Franken entspreche.

Kalte Schulter

Der SFV reagiert auf Anfrage der «Nordwestschweiz» kühl auf die Begehrlichkeiten der Berner Sicherheitsdirektion. «Wir nehmen Herrn Nauses Äusserungen zur Kenntnis. Letztlich wird nicht er, sondern die Stadt Bern entscheiden, ob sie uns an den Kosten beteiligen will. Ich bin zuversichtlich, dass es nicht so weit kommen wird», sagt SFV-Generalsekretär Alex Miescher.

Eine freiwillige Kostenbeteiligung schliesst er aus. «So wie Herr Nause Steuergelder verwaltet, verwalte ich Verbandsgelder.» Er halte es für vertretbar, dass die Stadt die Kosten für den Polizeieinsatz alleine trage. Man müsse bedenken, dass sein Verband seit Februar 2012 zwei Cupfinalspiele und zwei Länderspiele organisiert habe und es nur einmal zu Problemen gekommen sei.

Laut Miescher hat der SFV beim Cupfinal 100'000 Franken für private Sicherheitsdienste innerhalb des Stade de Suisse ausgegeben.

Hoffnung auf Konkordat

Zur künftigen Vermeidung von Ausschreitungen setzt der Berner Sicherheitsdirektor Nause grosse Hoffnungen in das Hooligan-Konkordat der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz (KKJPD). Dieses beinhaltet Gesetzesänderungen, die es den Behörden erlauben, anreisenden Fangruppen Bedingungen punkto An- und Abreise zu stellen. Am Montag hätte die Stadt Bern beispielsweise mittels Kombi-Tickets durchsetzen können, dass die Zürcher und Basler Fans an zwei verschiedenen Bahnhöfen aussteigen. Ausschreitungen in der Innenstadt wären so vermutlich ausgeblieben. «In Zukunft müssen wieder wir die Auflagen machen und nicht umgekehrt», sagt Nause.

Auch KKJPD-Generalsekretär Roger Schneeberger ist überzeugt, das Hooligan-Konkordat biete Instrumente, um Ausschreitungen wie diese in Bern zu reduzieren und die Fangruppen effektiver voneinander zu trennen. Schneeberger hofft, dass in Zukunft auch grössere Fussballspiele wieder mit kleineren Polizeiaufgeboten zu bewältigen sind.

Volksabstimmungen absehbar

In sieben Kantonen ist das Konkordat in Kraft getreten oder kurz davor. In den übrigen neunzehn sind die neuen Sicherheitsbestimmungen entweder nicht erwünscht oder noch nicht auf der politischen Agenda. An mehreren Orten sind zudem Referenden absehbar oder hängig – darunter in Bern, Zürich, Tessin und Zug. KKJPD-Generalsekretär Schneeberger begrüsst die Urnengänge: «Sie geben dem Konkordat eine stärkere Legitimation.»

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