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Fussballitalien steht Kopf: AC Milan ohne Inzaghi in Champions League

Die AC Milan ist vor dem Start in der Champions League beim Titelverteidiger FC Barcelona. Doch in Trainer Allegris Spielsystem hat es keinen Platz mehr für den Instiktfussballer.

Lukas Plaschy
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Filippo Inzaghi (links) muss in der Champions League zusehen, heute fehlt auch Zlatan Ibrahimovic. key

Filippo Inzaghi (links) muss in der Champions League zusehen, heute fehlt auch Zlatan Ibrahimovic. key

Der italienische Meister AC Milan ist mit einem 2:2 gegen Lazio Rom verhalten in die neue Saison gestartet.

Polemik entfachte in Mailand auch die Nichtnominierung von Altstar Filippo Inzaghi für die Gruppenphase der Champions League.

Silvio Berlusconi liebt alles Schöne. Dies hat den italienischen Premierminister mehrmals in Schwierigkeiten gebracht.

Als Besitzer der AC Milan hingegen hat es dem Selfmademan unzählige aussergewöhnliche Momente beschert.

Nach dem Gusto des Premiers soll Milan nicht nur erfolgreich, sondern auch spektakulär spielen. Fussball als Sinnbild der Ästhetik.

Der Fussballklub diente dem Geschäftsmann, vor allem aber dem Politiker Berlusconi, lange Zeit als Propagandamaschine. Erfolge im Europacup sollten sein persönliches Ansehen steigern und helfen, sich international einen Namen zu machen.

Es ging so weit, dass internationale Titel für Berlusconi wichtiger wurden als nationale Meriten.

So rettete sich Carlo Ancelotti in den acht Saisons als Milan-Trainer zweimal dank dem Gewinn der Champions League – 2003, 2007 – vor der Entlassung.

Raul im Visier

Kein Wunder, dass einer wie Filippo Inzaghi ganz hoch in der Gunst Berlusconis steht. Dank Inzaghis Tordoublette gewann Milan 2007 in der «Revanche für Istanbul» den Final gegen Liverpool.

Der aus der norditalienischen Stadt Piacenza stammende Angreifer hat das Toreschiessen im Blut. Fast 200 Treffer sind es in der Serie-A.

Dabei entspricht Inzaghi gar nicht dem Prototyp eines modernen Mittelstürmers, den überdurchschnittliche Technik und eine robuste Physis auszeichnen.

Inzaghis Qualitäten liegen vielmehr im Antizipieren des gegnerischen Verteidigers und dem aussergewöhnlichen Gespür, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein.

Diese Merkmale verhalfen «Super-Pippo», wie Inzaghi von den Tifosi genannt wird, zu einem der meist gefürchteten europäischen Angreifer des letzten Jahrzehnts zu werden: 70 Tore im Europacup, 50 in der Champions League. Nur der bei Schalke 04 stürmende Spanier Raul hat einmal mehr getroffen.

Das Ziel, Europacup-Rekordtorschütze zu werden, treibt den 38-jährigen Inzaghi an, die Fussballschuhe noch nicht an den Nagel zu hängen. Auch ein Kreuzbandriss im November liess ihn nicht entmutigen.

Nur vier Stürmer

Dazu bedurfte es vielmehr eines heiss diskutierten Entscheids von Milan-Trainer Massimiliano Allegri.

Er ist nicht mehr von Inzaghis Goalgetter-Qualitäten überzeugt und strich den Angreifer von der Meldeliste für die Champions League.

Die Tifosi revoltierten in den Internet-Fanforen und auch die «Gazzetta dello Sport» schrieb, Champions League ohne Inzaghi sei «wie der Mailänder Dom ohne Madonnenstatue».

Doch in Allegris Spielsystem hat es für einen Instinktfussballer wie Inzaghi offenbar keinen Platz mehr.

Harte Zeiten für Inzaghi?

Als eines der wenigen Teams in der Königsklasse nominierte der italienische Meister mit Ibrahimovic, Robinho, Pato und Cassano nur vier Angreifer. Keiner von ihnen ist gelernter Mittelstürmer.Beim 2:2 gegen Lazio Rom stürmte Ibrahimovic mit Cassano.

Weil der Schwede Ibrahimovic heute im Camp Nou verletzt ausfällt, dürfte der Brasilianer Pato auflaufen. Dieser ist seit einiger Zeit mit Berlusconis jüngster Tochter Barbara liiert. Sollte sich Pato auch mit Toren im Europacup in das Herz von Vater Berlusconi spielen, brechen für Altmeister Inzaghi wahrlich harte Zeiten an.

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