Challenge League
Fussball-Revolution in Lausanne

Unter Trainer Fabio Celestini erlebt Lausanne-Sport einen Aufschwung – die «Nordwestschweiz» war zu Besuch beim Team der Stunde in der Challenge League.

Julian Förnbacher
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Trainer Fabio Celestini (M.) inmitten seiner Spieler, die seine Ideen verstehen und auf dem Platz auch umsetzen.Keystone

Trainer Fabio Celestini (M.) inmitten seiner Spieler, die seine Ideen verstehen und auf dem Platz auch umsetzen.Keystone

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Ein Frühlingsmorgen in Lausanne: Das altehrwürdige Stade Olympique de la Pontaise liegt fast schon gespenstig ruhig da, während die Welt rundherum langsam erwacht. Der Beton ist alt, die Sitze ausgebleicht und die Eisentore werden vom Rost angefressen. Nichtsdestotrotz versprüht dieses Stadion eine gewisse Magie, wirkt gar anmutig. Die Pontaise ist bekannt für den Wind, der oft über ihre Tribünen fegt. Dieser stand in alten Zeiten auch symbolisch für jenen in den Segeln des grossen Lausanne-Sport. Der Wind aber wurde zu einem lauen Lüftchen, die erfolgreichen Zeiten sind vorbei. Doch seit einigen Monaten weht eine frische Brise – die Band Scorpions würde den «Wind of Change» pfeifen. Denn in Lausanne herrscht wieder Fussball-Euphorie: Ein neues Stadion ist bewilligt und die Mannschaft spielt so gut wie lange nicht mehr.

Die Waadtländer stehen bei zwei Spielen weniger als die Konkurrenz mit drei und mehr Punkten Vorsprung an der Spitze der Challenge League – der Aufstieg liegt in der Luft. Es ist dies Ausdruck einer Lausanner FussballRevolution. Das Gesicht dazu: Fabio Celestini. Der ehemalige LausanneProfi kehrte zu Beginn der Saison als Trainer zurück und verblüfft seither mit seiner jungen Truppe. «Wir haben eine präzise Spielidee. Meine Spieler haben meinen Stil, mein Modell und meine Ideen akzeptiert und jeder gibt zweihundert Prozent für das Projekt. So fand eine Fusion zwischen Staff und Spielern statt. Dieser Teamgeist macht uns stark», erklärt der 40-Jährige den Erfolg. Ausdruck dieses enormen Teamgeists ist auch, dass der Abgang von Topskorer Jocelyn Roux in der Winterpause zum Ligakonkurrenten FC Wil ohne Folgen blieb, die Mannschaft der Lausanner nicht zu schwächen vermochte. «Als er fragte, ob er gehen kann, passte das nicht mehr zu unserem Teamgeist, also habe ich sofort akzeptiert», sagt Celestini.

Das Kader besteht grösstenteils aus waadtländischen Talenten. Man profitiert dabei vom vor zehn Jahren lancierten Team Vaud, das schon Spieler wie Nassim Ben Khalifa hervorbrachte. Heute bleiben die Talente, anders als damals Ben Khalifa, in Lausanne, statt ihr Glück anderswo zu suchen. Doch ein solches Kader scheint keine Grundlagen für Aufstiegsambitionen zu bieten. «Unsere Mission ist es, die Jungen weiterzubringen. Das Ziel war es, uns in den ersten fünf der Challenge League zu etablieren, eine ruhige Saison zu spielen», sagt Celestini.

Käme der Aufstieg zu früh?

In Lausanne ist man von der neuen Philosophie entzückt. Regionale Spieler, die erfolgreich sind – das bietet Identifikationspotenzial für die Fans. Die Liebe zur Mannschaft in der Region zeigt sich auch an den durchschnittlich 3695 Zuschauern pro Partie – das ist Liga-Spitzenwert und verglichen mit der vergangenen Saison fast eine Verdoppelung. Logisch erwarten viele den Aufstieg. Doch wäre diese Mannschaft überhaupt konkurrenzfähig in der Super League? «Aktuell improvisieren wir», gibt Celestini zu. «Vielleicht ist es ein Risiko, dass wir jetzt schon aufsteigen könnten. Ich glaube nicht, dass die Mannschaft effektiv schon dafür bereit ist.» Das Projekt befindet sich noch am Anfang, folglich hegten weder der Trainer noch der Vorstand Aufstiegsambitionen. Gegen Aarau kommt es heute Abend in der Aufstiegsfrage dennoch zu einem Schicksalsspiel. Gewinnt Lausanne, dürfte es kaum noch zu bremsen sein. «Heute müssen wir zwei Szenarien für nächste Saison vorbereiten. Das Problem ist, dass wir in dieser Planung acht Monate Verspätung haben.»

Es wäre eine Überraschung, würde Lausanne nach nur einem Jahr unter Celestini der Aufstieg gelingen. Doch es würde auch nahelegen, dass der junge Coach und seine Spieler zu Höherem berufen sein könnten. «Heute sage ich meinen Spielern, dass ich sie eines Tages zusammen mit den Besten der Welt auf dem Platz sehen will. Auch ich möchte irgendwann die besten Spieler der Welt trainieren. Ob ich das einmal tun werde, ist eine andere Frage», sagt er schmunzelnd. Doch in Lausanne lässt sich niemand ernsthaft zu solchen Träumereien hinreissen. Der Weg, den man eingeschlagen hat, ist noch lange nicht zu Ende. Es wird sich weisen, wie es mit dem Team der Stunde weitergeht. Celestini geniesst vorerst den Moment: «Ein Lausanner Trainer mit 20 Lausanner Spielern, die super Arbeit liefern. Die Fans sind glücklich. Das ist doch das Traumszenario.»

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