Schweizer Cup
Fünf Amateurklubs sind bereit für das Spiel ihres Lebens

Viele Fussballer erleben am Wochenende ihr Karriere-Highlight – sie treffen mit ihren Amateurklubs im Cup auf Teams aus der Super League. Die Vorbereitungen sind unterschiedlich, die Träume und Ziele dieselben.

Yannick Fischer und Stefan Salzmann
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Christophe Lambert vom SC Buochs weiss, wie man Favoriten zu Fall bringt. 2014 erzielte er das Siegtor gegen YB.

Christophe Lambert vom SC Buochs weiss, wie man Favoriten zu Fall bringt. 2014 erzielte er das Siegtor gegen YB.

Foto: Claudio Thoma / Aargauer Z

Buochs (1.) - GC; Sonntag, 14 Uhr

Beim SC Buochs soll sich die Geschichte wiederholen

Christophe Lambert, der Captain des SC Buochs, weiss, wie man den Grossen ein Bein stellt. 2014 traf der ehemalige Luzern-Profi im Cup auf die Berner Young Boys – und schoss das einzige Tor: das 1:0 für den SC Buochs in der vierten Minute. Nach einem Missverständnis zweier YB-Verteidiger war Lambert der lachende Dritte und liess Torhüter Marco Wölfli keine Chance.

«Nach dem frühen Tor dachten wir nicht, dass wir dieses Spiel gewinnen können. Aber je länger das Resultat blieb, desto mehr glaubten wir daran», erinnert sich Lambert. Tatsächlich hielt das Resultat bis zum Ende des Spiels. Die Sensation war perfekt: Der Dorfklub aus Nidwalden hatte das grosse YB aus dem Cup geworfen.

«Das war der grösste Moment in meiner Karriere. Ich habe zuvor in der Super League für Luzern Tore geschossen, aber ein Spiel zu entscheiden, in dem man so krasser Aussenseiter ist – das ist mit nichts zu vergleichen», sagt Lambert.

Nun gegen den Rekordmeister

Diesen Sonntag könnte sich die Geschichte wiederholen. Der 1.-Liga-Klub Buochs empfängt den Schweizer Rekordmeister GC. Obwohl es nicht das erste Mal ist, dass Lambert mit seinem SC Buochs auf einen Super-Ligisten trifft, sind die Gefühle beim Buochser Captain dieselben: «Ich freue mich extrem darauf. Ob beim ersten oder beim fünften Mal, die Vorfreude ist immer riesig. Ein Spiel gegen ein Team aus der Super League ist ein Event für die ganze Region.»

Doch wie geht man in eine Partie, in der die Rollen so klar verteilt sind? Eine Underdog-Strategie gebe es nicht, sagt Lambert: «Das Ziel ist, die Partie lange spannend zu halten. Wenn man früh ein, zwei Tore kassiert, dann wird es unmöglich. Wir wollen so lange es geht ohne Gegentor bleiben. Und vor allem soll jeder das Spiel geniessen. Die Freude steht im Vordergrund.»

«Werden uns nicht gross zurückziehen»

Trotzdem ist auch der Siegeswille vorhanden: «Natürlich will man gewinnen. Wenn du als Fussballer den Platz betrittst, dann willst du das Spiel gewinnen. Egal, in welcher Liga du spielst», sagt Lambert. Dabei werden die Buochser nicht etwa hinten reinstehen, sondern versuchen, mitzuspielen, verrät der Captain: «Wir haben unsere Stärken eher in der Offensive. Wir werden uns deshalb nicht gross zurückziehen.»

Das Spiel gegen GC zu gewinnen, dürfte trotzdem ein schwieriges Unterfangen sein, aber kein unmögliches. Dass Sensationen gelingen können, hat der SC Buochs ja bereits vor vier Jahren gezeigt. «Damals kam YB einfach nicht ins Spiel. Wir hingegen haben eine überragende Partie gespielt. Alles ist uns gelungen. Das war das Spiel unseres Lebens», sagt Lambert.

Trotz dem schwachen Start in die Saison ist GC klarer Favorit. Die Siegeschancen der Buochser sind minim, doch Hoffnung sei da, versichert Lambert: «Wenn bei GC alles funktioniert, dann haben wir keine Chance. Aber wenn nur zwei oder drei GC-Spieler die Partie unterschätzen und wir gleichzeitig unser bestes Spiel zeigen, dann wird es plötzlich gefährlich. Dann gewinnen wir vielleicht eins von zehn Spielen. Und wer weiss, vielleicht ist genau das am Sonntag der Fall.»

Concordia Basel (2.) - FC Zürich; Samstag, 18 Uhr

Torwart Armend Jusufi ist bereit für die Partie gegen den FCZ.   

Torwart Armend Jusufi ist bereit für die Partie gegen den FCZ.   

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«Ich spüre, wir sind bereit und motiviert – der FCZ wird es nicht einfach haben»

Armend Jusufi vom FC Concordia Basel lebt für grosse Spiele. Nervosität kennt er keine. Auch nicht, wenn am Samstag sein Team den FC Zürich im St. Jakob-Park empfängt. Ganz besonders wird es dann auf ihn ankommen, denn Jusufi steht im Tor der Basler und wird wohl entsprechend viel zu tun haben. Bestimmt mehr als beim 2:0-Auftaktsieg in der 2. Liga regional gegen den FC Reinach.

Voller Selbstvertrauen und mit leuchtenden Augen sagt Jusufi: «Ich spüre, wir sind bereit und top motiviert. Der FCZ wird es gegen uns nicht einfach haben.» Trotz der Zürcher Offensivpower erstarrt der Torhüter nicht vor Angst. Der nötige Respekt sei vorhanden, aber Angst bringe sowieso nichts, fügt er an.

Auch wenn das Spiel gegen den FCZ ein Karrierehighlight ist, hat Jusufi im Ausland ebenfalls schon grosse Spiele vor mehreren tausend Zuschauern absolviert. «Bevor ich in die Schweiz gekommen bin, habe ich in Mazedonien in der höchsten Liga gespielt», erklärt der Torhüter.
Speziell auf das Cupspiel vorbereitet haben sich weder das Team noch Jusufi selbst.

Und trotzdem spielt sich der optimale Spielverlauf in seinen Gedanken ab. «Super wäre, wenn wir äusserst lange keinen Gegentreffer kassieren würden. Dann wächst der Druck auf den FCZ und sie werden nervös», sagt Jusufi. «Und dann würden wir unsere Konterchancen ausnutzen und ich als Torhüter zu null spielen», sagt er mit einem Augenzwinkern. Dann würde im St. Jakob-Park, wo das Spiel stattfindet, gefeiert. «Am liebsten vor vielen Zuschauern in diesem tollen Stadion.»

Biel (1.) - Young Boys; Samstag, 19.30 Uhr

Adrien Rawyler spielte als Junior bei YB.   

Adrien Rawyler spielte als Junior bei YB.   

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Ein Wiedersehen mit dem Ausbildungsverein

«Im Liveticker haben wir die Auslosung mitverfolgt und Witze gemacht, dass uns YB zugelost werden könnte», sagt Biels Aussenverteidiger Adrien Rawyler. «Dass dies nun tatsächlich geschehen ist, macht viel Freude.» Noch spezieller macht für ihn die Affiche, dass er bei den Stadtbernern von der U17 bis zur U21 alle Nachwuchsstufen absolviert hat.

Obwohl die Vorfreude riesig ist, will Rawyler das Cupspiel nicht als sein grösstes Karriere-Highlight einordnen. «Das war mein erstes Spiel in der Super League für den FC Thun.»
Eine spezielle Vorbereitung auf das Cupspiel gebe es nicht. «Wir machen alles wie immer, gehen auf den Platz und versuchen, unser Bestes zu geben», sagt Rawyler.

Wenn dies gelinge, dann laufe es vielleicht so ab, wie er es sich wünschen würde: «Wir erhalten lange kein Tor und unsere Defensive vereitelt Chance um Chance. Getragen von unseren Fans im vollen Stadion halten wir dem YB-Ansturm auch in der zweiten Halbzeit entgegen und schiessen uns in der 90. Minute eine Runde weiter.»

Montlingen (2.) - Basel; Samstag, 18.15 Uhr

«So ein Spiel kann man nicht toppen», sagt Montlingens Präsident Patrick Zäch.   

«So ein Spiel kann man nicht toppen», sagt Montlingens Präsident Patrick Zäch.   

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Das Hoffen auf das Wunder von Montlingen

«Wow, der FC Basel. Da musste ich zuerst einmal durchatmen», sagt Patrick Zäch, der Präsident des FC Montlingen, über den Moment, als er erfuhr, wer der Cup-Gegner sein wird. «Basel hat den Schweizer Fussball in den vergangenen Jahren dominiert, Champions League gespielt – und jetzt spielen sie gegen uns. Ich dachte nur: Oh mein Gott!»

Das Spiel gegen Basel sei für die Spieler des Dorfklubs aus St. Gallen das absolute Highlight der Karriere. «Wir erwarten um die 4000 Zuschauer. Das wird das Spiel ihres Lebens. So etwas kann man nicht toppen», sagt Zäch.

Man wolle den Spielern und den Zuschauern ein einmaliges Erlebnis bieten. Das Resultat sei dabei nebensächlich, so Zäch: «Das ist das grösste Spiel unserer Vereinsgeschichte. Das ganze Drumherum steht im Fokus.» Trotzdem wird sich der FC Montlingen nicht kampflos geschlagen geben: «Wir wollen so lange wie möglich dagegenhalten. Seien wir ehrlich, die Chancen für das Wunder von Montlingen stehen 1:99. Aber man weiss nie. Im Fussball kann alles passieren.»

Dietikon (2. inter) - Lugano; Sonntag, 15 Uhr

Dieitkons Luca Senincanin glaubt an seine Mannschaft.   

Dieitkons Luca Senincanin glaubt an seine Mannschaft.   

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Lugano überlässt nichts dem Zufall – trotzdem glaubt Dietikon an seine Chance

Die eigene Spielphilosophie wegen eines Super-Ligisten aufgeben? Davon hält Luca Senicanin, Captain des FC Dietikon, gar nichts. «Wir spielen zu Hause, wir wollen unseren Fans etwas bieten und unserem Offensiv-Fussball treu bleiben», erklärt Senicanin. Angst, den Tessinern damit ins offene Messer zu laufen, hat er keine. Denn: «Offensiv mitspielen zu wollen oder einfach nur naiv zu agieren, ist nicht das Gleiche», betont er.

Obwohl es sehr schwierig werden dürfte, glauben der Captain und seine Teamkollegen fest daran, dass die Sensation am Sonntag gegen Lugano möglich ist. Die Vorfreude sei riesig, und nach dem letzten Training hätten sie sich gesagt, dass in der Geschichte des Schweizer Cups schon mancher Super-Ligist gegen einen Unterklassigen ausgeschieden sei. «Das macht uns Mut.»

Viel Mut brauchen sicher auch seine jungen Mannschaftskollegen. Diesen sei die Nervosität in den vergangenen Tagen anzusehen gewesen. Er, der erfahrene Fussballer, welcher mehrere Jahre beim FC Schaffhausen spielte, will helfen, diese Nervosität in Freude zu verwandeln. «Wenn der Anpfiff da ist, wird jeder bereit sein», ist Senicanin überzeugt.

Als Vorbereitung hat sich der FC Dietikon Videos von Lugano angeschaut. «Wir wissen, wie wir gegen sie spielen müssen. Aber sie wissen auch, wie sie gegen uns agieren sollten», sagt der Captain. Denn beim 2:0-Auftaktsieg in der 2. Liga inter gegen Freienbach waren Verantwortliche des FC Lugano da und haben das Spiel aufgenommen. Der Super-Ligist überlässt also nichts dem Zufall. Trotzdem glaubt Dietikon an seine Chance.