Für Marek Suchy ist morgen in Toulouse ein Platz auf der Tribüne reserviert. Wenn die Tschechen im ersten EM-Spiel auf Spanien treffen, muss der Innenverteidiger zuschauen. Nach der roten Karte im letzten Qualifikationsspiel in Holland ist der Innenverteidiger des FC Basel gesperrt. Suchy sah rot, obwohl es für die Tschechen in Amsterdam um nichts mehr ging, sie hatten das Ticket nach Frankreich längst im Sack.

Suchys Frau Alyona wird nicht neben ihm sitzen. Mit der kleinen Tochter Anna nutzt sie die EM zu einem Besuch in der Heimat. «Sie hat etwas Angst wegen der Terrorgefahr», sagt Suchy. Er selbst blende das Thema aus.

Beim FCB ist Suchy gesetzt, ein sicherer Wert. Im Nationalteam ist seine Rolle nicht so klar. Erst in den letzten vier der zehn Matches der Qualifikation mischte er mit. Und nun hat er seinen Platz vorerst wieder verspielt. «Ich erwarte nicht allzu viel für mich», sagt der 28-Jährige. «Ich bin die Nummer drei der Innenverteidiger.» Hinter Vaclav Prochazka und Tomas Sivok, die beide in der Türkei spielen und beim Trainer in der Gunst höher stehen als Suchy.

Apropos Türkei. Im dritten Gruppenspiel treffen die Tschechen auf diesen Gegner – wie schon in der Qualifikation. Damals siegte Tschechien auswärts und verlor zu Hause – mit Suchy. «Es ist ein bisschen verrückt, dass wir schon wieder gegen die Türken spielen», sagt er. «So etwas sollte vom Modus her ausgeschlossen sein.»

Mit spielerischen Mitteln

Neben Spanien und der Türkei ist auch Kroatien EM-Gegner der Tschechen. «Ich spreche nicht von schweren oder leichten Gruppen, jede Mannschaft an der EM hat Qualität», sagt Suchy. «Für uns ist aber alles möglich, wir können locker aufspielen, wollen so auftreten wie in der Qualifikation», betont Suchy. Bereits am drittletzten Spieltag sicherten sich die Tschechen mit einem Sieg in Lettland die Qualifikation für die Endrunde. Die Pleite gegen die Türken spielte keine Rolle mehr und mit dem Auswärtssieg in Holland holten sie sich den Gruppensieg. «Dieser Erfolg hat uns viel Selbstvertrauen gegeben», sagt Suchy.

Mit spielerischen Mitteln wollen die Tschechen zum Erfolg kommen. Dafür zuständig ist Trainer Pavel Vrba, der seit 2014 das Team führt. «Seine Philosophie ist, Fussball zu spielen, damit hatte er als Klubtrainer von Pilsen schon viel Erfolg», sagt Suchy und vergleicht ihn mit seinen Trainern beim FC Basel: «Er kommt Paulo Sousa näher als Urs Fischer.»

Ein Basler Teamkollege

Für das gepflegte Spiel zuständig ist bei denTschechen vor allem auch Tomas Rosicky. 35 Jahre alt ist der Star von Arsenal, aber noch immer ein brillanter Fussballer. «Es ist eine Frage der Physis», sagt Suchy. Wenn Tomas Rosicky fit sei, dann könne er mit seiner Kreativität und Qualität das tschechische Spiel in die gewünschten Bahnen lenken.

Den Tschechen fehlt nämlich ein Torjäger. «Wir suchen einen jungen und gefährlichen Stürmer», gibt Suchy zu. So muss das ganze Team Tore schiessen. Wichtige Rollen übernehmen die Aussenverteidiger aus der Bundesliga. Theodor Gebre Selassie von Bremen und Pavel Kaderabek von Hoffenheim. «Die sind wirklich sehr gut», sagt Suchy.

Kaum über die Reservistenrolle wird Suchys Basler Kollege Tomas Vaclik herauskommen. «Petr Cech ist im Tor noch immer die Nummer eins», sagt Suchy. Vielleicht schlage die Stunde von Vaclik aber nach der EM, denn der 34-jährige Cech denke über den Abschied aus dem Nationalteam nach.

So weit ist es aber noch lange nicht. Zunächst wollen die Tschechen bei der EM für Furore sorgen. Noch nie verpasste das Team eine Endrunde, stand vor 20 Jahren gar im Final. «Vielleicht ist es einfacher als bei der WM, aber ich weiss es nicht», kann Suchy die Erfolgsserie nicht erklären.

Er hofft natürlich, dass sein Team an die starke Qualifikation anknüpft. Sich selbst stellt er nicht in den Mittelpunkt: «Für mich ist die EM kein Schaufenster, um mich für einen grösseren Klub zu empfehlen.» Auch nach zweieinhalb Jahren sei er in Basel noch glücklich. Vor der Saison sei das Ziel der Meistertitel und damit die direkte Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League gewesen. Das habe geklappt. Auch in Sachen Nationalmannschaft möchte er am Ball bleiben. Die nächste WM in Russland reize ihn: «Schliesslich habe ich vor meiner Basler Zeit vier Jahre dort gespielt, bei Spartak Moskau.»