Super League
Freud und Leid bei den neuen Besen: Diese vier Trainer sollen ihren Verein vor dem Abstieg retten

Carlos Bernegger, Mauro Lustrinelli, Roland Vrabec und Paolo Tramezzani haben eines gemeinsam: Sie sollen ihren Verein vor dem Abstieg retten. Einer wird garantiert scheitern.

Markus Brütsch
Drucken
Teilen
Diese vier neue Trainer sollen in der Super League ihren Verein vor dem Abstieg retten

Diese vier neue Trainer sollen in der Super League ihren Verein vor dem Abstieg retten

Keystone

Frustriert schmeisst Roland Vrabec die Wasserflasche zu Boden. Was wäre das für eine Ansage gewesen, gleich in Bern die Young Boys zu besiegen!

Nichts ist für einen neuen Trainer wichtiger, als auf Knopfdruck gute Resultate zu liefern. Bis in die Nachspielzeit hinein hat Vaduz 2:1 geführt, um in der 92. und 94. Minute noch zwei Tore zu kassieren und mit abgesägten Hosen dazustehen. Dass Frey beim 2:2 im Offside war, machte die Sache nur noch bitterer.

«Ich finde keine Worte», sagte Vrabec hinterher. «Ein Punkt wäre verdient gewesen.» Dass der 43-Jährige beim Drittligisten FSV Frankfurt aus Abstiegsangst entlassen worden war, hatte die Liechtensteiner nicht von einer Verpflichtung abgehalten.

Einen Erfolgstrainer könne sich Vaduz eben nicht leisten, hatte Präsidentin Ruth Ospelt Vrabec mit aufbauenden Worten willkommen geheissen.

Vrabecs Nachtreten

Um zumindest bei dessen Debüt recht zu bekommen. Dass Vrabec danach analysierte, sein Team sei körperlich nicht bei 100 Prozent und verschiedene Spieler seien nach 60 Minuten an ihre Grenzen gestossen, war nichts anderes als eine schallende Ohrfeige für Vorgänger Giorgio Contini. Und ganz schlechter Stil. Nicht wundern wird man sich darüber in Luzern, war Vrabec dort bei seiner Freistellung doch vorgeworfen worden, er habe als Assistent am Stuhl seines Chefs Markus Babbel gesägt.

Apropos Luzern: Dort hat der FC Lugano gestern mit einem 2:0-Sieg seinen Vorsprung auf Tabellenschlusslicht Vaduz auf neun Zähler erhöht und zum fünftplatzierten FC St. Gallen aufgeschlossen. Zehn Runden vor Schluss dürfen die Tessiner hoffen, mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun zu haben. Der im Winter gekommene neue Trainer Paolo Tramezzani jedenfalls hat die Mannschaft stabilisiert und weist den bedeutend besseren Punkteschnitt (1,63:1,14) als Vorgänger Andrea Manzo auf. «Dieser Trainer tut uns gut. Wir können von ihm viel lernen», sagte Stürmer Ezgjan Alioski über Tramezzani. «Wir spielen ein anderes System und er motiviert uns gut.» Umso erstaunlicher ist es daher, dass Präsident Angelo Renzetti seinen Trainer vor der Länderspielpause öffentlich anzählte, als er sagte: «Tramezzanis Glück ist sein langfristiger Vertrag.»

Einen solchen hätte auch Mauro Lustrinelli gern. Doch der 41-Jährige weiss, dass er Ende Saison den Stuhl für seinen jetzigen Assistenten Marc Schneider räumen muss und nur Nachfolger von Cheftrainer Jeff Saibene geworden ist, weil er im Besitz des nötigen Trainerdiploms ist. Schon einmal, in der Saison 12/13, ist der Tessiner für zwei Spiele beim FC Thun in der Verantwortung gestanden. Verloren hatte er dabei nicht. Hätte man nun am Samstag bei seinem Comeback in Sion lediglich seine Matchanalyse gehört und nichts vom Spiel gesehen, dann wäre klar gewesen, dass der FC Thun die Walliser gnadenlos weggeputzt haben musste. «Das war eine fantastische Leistung. Die Spieler zeigten eine fantastische Leidenschaft», schwärmte Lustrinelli nach der 1:2-Niederlage. Das Fünfpunktepolster auf den Abstiegsrang ist keine Garantie dafür, dass es für die Oberländer nicht noch richtig eng werden kann. Sie haben im Tourbillon zwar ansprechend, bestimmt aber nicht fantastisch gespielt.

Das konnte auch der neue GC-Trainer Carlos Bernegger nicht von seiner Mannschaft behaupten. Nach der 0:1-Niederlage in Basel schoss sie nämlich nun auch in Lausanne kein Tor. Immerhin nahm sie im achten Rückrundenspiel den zweiten Punkt mit. «Wenigstens zu null», sagte Bernegger. Spielen Lausanne und GC weiterhin so bescheiden, werden sie dem Abstiegskampf noch lange erhalten bleiben. Ihr Vorsprung auf Vaduz beträgt zwei Punkte.

Saibene zeigt, wie es geht

Ein Zauberer ist also auch Bernegger nicht. Doch genau das sollte ein neuer Trainer sein. So gesehen hat wenigstens der langjährige Super-League-Trainer Saibene die Erwartungen erfüllt und sich als wahrer Magier im deutschen Fussball eingeführt. Die Kunst: Ohne auch nur einmal aufs Tor zu schiessen, nahm in der zweiten Ligaseine Arminia aus Würzburg ein 1:1 mit. Durch ein Eigentor der Gastgeber in der Nachspielzeit, bei dem Verteidiger Diaz den Ball so kunstvoll schlecht getroffen hatte, dass dieser mit einem selten gesehenen Drall ins Tor kullerte. Und im Ranking der kuriosesten Tore einen Topplatz erhält.

Aktuelle Nachrichten