Frei
Frei darf jetzt nicht zurücktreten - sonst verliert die Schweiz gegen Honduras

Seit Beginn der Weltmeisterschaft boykottiert Frei die Medien. Der Grund: Der Starstürmer fühlt sich ungerecht behandelt. Jetzt bricht Frei sein Schweigen. Hoffentlich gibt er nicht seinen Rücktritt bekannt, denn das wäre für die Mannschaft fatal.

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Alex Frei

Alex Frei

Keystone

Vasilije Mustur

Das wühlt den besten Fussballer auf: Alex Frei verletzt sich im letzten offiziellen Training in der Schweiz auf dem Zürcher Letzigrund am Knöchel und muss deshalb im Startspiel gegen Spanien während 90 Minuten auf der Bank schmoren. Zudem nimmt ihn Trainer Ottmar Hitzfeld auch in der zweiten Partie nach der roten Karte durch Valon Berahmi aus taktischen Gründen vom Feld.

Ausserdem liefert der Schweizer Starstürmer bis zu seiner Auswechslung höflich ausgedrückt eine durchzogene Leistung ab und schweigt als Kapitän eisern zu den Schweizer Spielen. Dieser Umstand bringt dem Stürmer Kritik in der Heimat ein. Diesen medialen Angriff verletzt Alex Frei wiederum tief in seiner Fussballerseele. Kurz: Der Alex Frei fühlt sich von den Schweizer Medien nicht respektiert.

Benaglio muss Frei in Schutz nehmen

In der Tat hat Frei viel für den Schweizer Fussball getan. In 76 Einsätzen erzielte der Schweizer 40 Toren und ist damit Rekordtorschütze der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft. Darüber hinaus wurde der Angreifer in der Saison 2004/2005 in Rennes Torschützenkönig der französischen Ligue 1 und bewahrte den Bundesligisten Borussia Dortmund ein Jahr später mit 16 Treffern vor dem sicheren Abstieg.

Frei ist überzeugt, dass die Medien diese Fakten komplett ausblenden und ihn deshalb auf unfaire Art und Weise kritisieren. Der Kapitän lässt denn auch nichts unversucht, den Medien seine Empörung kundzutun - mit einem Boykott. Damit nimmt Frei die ganze Mannschaft in Geiselhaft, und dieser bleibt nichts anderes übrig, als ihren Kapitän zu verteidigen - wie es Torhüter Diego Benaglio getan hat.

Der Schweizer Torhüter verteidigte Frei in aller Öffentlichkeit und holte gleichzeitig zur Medienschelte aus. «Ich verstehe die Aufregung nicht. Alex ist ein Typ, der ausspricht, was er denkt. Für uns Spieler ist er sehr wichtig, weil er hinsteht und Klartext spricht.» Und: «Ich finde, Alex erhält zu wenig Respekt für das, was er für die Nati geleistet hat.»

Spuckaffäre ist nicht vergessen

Das Problem ist, dass die bewegte Vergangenheit von Alex Frei seine Verdienste komplett überschattet. An der Europameisterschaft 2004 bespuckt Alex Frei im Gruppenspiel gegen England seinen Gegner Steven Gerrard. Obwohl ihn die Fernsehbilder überführen, weist Frei die Spuck-Vorwürfe vehement von sich. Erst viel später bleibt Frei aufgrund des zunehmenden Drucks nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen. Zu guter Letzt übernimmt Frei im Basler Zoo die Patenschaft eines Lamas, um den Skandal etwas zu entschärfen.

Neben der Spuckaffäre verfolgt Frei seit einiger Zeit auch noch die Verletzungshexe. Beim Eröffnungsspiel gegen Tschechien an der Euro 2008 im eigenen Land, erleidet Frei nach einem Foulspiel am linken Knie einen Teilabriss am Innenband und vergiest noch auf dem Feld bittere Tränen.

Damit nicht genug: Auch in dieser Saison bleibt der Schweizer von Verletzungen nicht verschont. Im Frühjahr 2010 bricht sich Frei im Spiel gegen den FC Aarau den Oberarm. Kaum ist die Verletzung ausgeheilt, holt sich Frei im letzten öffentlichen Training in der Schweiz vor der WM in Südafrika eine schwere Verstauchung am Knöchel - inklusive Bluterguss.

Tritt Frei zurück, ist Niederlage gegen Honduras besiegelt

Derweil scheint Frei nach zwei Gruppenspielen und der wachsenden Kritik realisiert zu haben, dass der Kapitän der Schweizer Fussballnationalmannschaft zu der Mannschaftsleistung und seiner eigenen Performance nicht Schweigen darf. Denn je länger er schweigt, desto grösser der mediale Unmut. Aus diesem Grund wird der Stürmer heute um 12:30 eine Erklärung abgeben.

Trotz der Gerüchte um einen möglichen Rücktritt, ist dieses Szenario sehr unwahrscheinlich, denn kündigt Frei jetzt seinen Rücktritt an, würde der Stürmer seine Mannschaft vor dem kapitalen Spiel gegen Honduras im Stich lassen. Der Grund: Kehrt Frei der Nationalmannschaft den Rücken, führt dies zu Unruhe innerhalb der Mannschaft und dies könnte sich für das Honduras-Spiel katastrophal auswirken. Zur Erinnerung: Die Schweiz bestreitet am Freitag das «Endspiel» gegen Honduras um die Achtelfinal-Qualifikation. Ein Rücktritt würde diese Vorbereitungen empfindlich stören.

Es bleibt zu hoffen, dass sich Frei ebenfalls an dieses Spiel erinnert und sich in den Dienst der Mannschaft stellt - wie es sich für einen Kapitän der Nationalmannschaft gehört.

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