Vorschau Gruppe A

Frankreich Gruppenfavorit ohne Reserven

Die Träume der südafrikanischen Fans dürften nicht in Erfüllung gehen

Die Träume der südafrikanischen Fans dürften nicht in Erfüllung gehen

Die Gruppe A kündigt sich ausgeglichen an. Vom Renommee her müsste sich Frankreich, Weltmeister 1998 und WM-Finalist 2006, problemlos durchsetzen.

Doch die "Equipe tricolore" kämpft seit einigen Monaten mehr mit sich als mit den Gegnern.

Uruguay und Mexiko verfügen über genügend Qualität in ihren Reihen, um Frankreich unter Druck zu setzen. Die grosse Unbekannte ist Gastgeber Südafrika. Dessen Resultate der letzten Jahre lassen nur wenig Hoffnung zu.

Der Favorit: Frankreich

Frankreich befindet sich in einem Formtief. Seit dem überraschenden Finalvorstoss bei der WM 2006 läuft so ziemlich alles schief und ist der ganze Kredit, den sich die Mannschaft in Deutschland erspielt hat, aufgebraucht. Nationaltrainer Raymond Domenech ist so unbeliebt wie noch nie in seiner sechsjährigen Amtszeit. Auch die Spieler sind ins Kreuzfeuer der Fans geraten. Ihr Klagen über die ungenügende Unterstützung der Zuschauer und ihre fehlende Selbstkritik nach katastrophalen Leistungen wie gegen Irland in der Barrage haben die Anhänger nicht goutiert.

Damit nicht genug der schlechten Werbung. Das Handspiel von Thierry Henry in der Barrage, das letztlich ausschlaggebend für die WM-Qualifikation war, und der Sexskandal rund um eine 17-jährige Prostituierte, die mit Franck Ribéry und Sidney Govou verkehrt hatte, warfen weitere Schatten auf das Ensemble. Der französischen Nationalmannschaft bringen momentan nicht viele Leute grosse Sympathien entgegen.

Das Potenzial aber spricht in dieser Gruppe für Frankreich. Mit Hugo Lloris hat der zweifache Europameister einen hervorragenden Goalie, die Abwehrspieler sind bei Barcelona, Arsenal und Manchester United unter Vertrag, im Mittelfeld können Ribéry und Yoann Gourcuff Spiele im Alleingang entscheiden, und im Sturm sind Nicolas Anelka und Thierry Henry auch in fortgeschrittenerem Alter noch in der Lage, wichtige Treffer zu erzielen.

Vieles deutet darauf hin, dass Frankreich in Südafrika ein anderes, offensiveres Gesicht zeigen wird als vor zwei Jahren bei der EURO. Domenech weiss bereits, dass er nach der WM von Laurent Blanc abgelöst wird, und scheint gewillt, mehr Risiken einzugehen. In den Trainings stellte er eine Mannschaft mit drei Stürmern und nur einem defensiven Mittelfeldspieler auf.

Die Herausforderer: Mexiko und Uruguay

Mexiko ist fast ein Dauergast bei Weltmeisterschaften. Nur sechs Endrunden haben die Mexikaner verpasst. In früheren Jahren trat "El Tri" fast ausschliesslich mit Spielern aus dem eigenen Land an. Diesmal versucht es Nationalcoach Javier Aguirre mit einer Mischung aus Legionären und Einheimischen, aus Alten und Jungen. Das Ziel ist nach vier Achtelfinal-Outs in Folge das Erreichen der Viertelfinals.

Die Chancen für eine erfolgreiche WM stehen nicht schlecht. Zwar war die Qualifikation ein einziger Spiessrutenlauf, der Hugo Sanchez und Sven-Göran Eriksson den Job kostete, doch in der WM-Vorbereitung läuft es nun besser. Vor allem die Abwehr mit Ricardo Osorio (Stuttgart), Rafael Marquez (FC Barcelona), Francisco Rodriguez und Carlos Salcido (beide PSV Eindhoven) wusste zu überzeugen.

Für den Überraschungseffekt sollen der 37-jährige Cuauhtemoc Blanco, der in der vergangenen Saison in der zweiten mexikanischen Liga gespielt hat, und die 21-jährigen Carlos Vela (Arsenal) und Giovani (Galatasaray Istanbul) sorgen. Vela und Giovani waren 2005 U17-Weltmeister.

Wie Frankreich und Mexiko hat auch Uruguay eine nervenstrapazierende Qualifikationsphase hinter sich. Erst in der Barrage gegen Costa Rica löste das Team von Oscar Tabarez das WM-Ticket. In den letzten Jahren sorgte der zweimalige Weltmeister bei Endrunden nicht für viel Wirbel. Nur gerade eine der letzen 16 WM-Partien konnten die Südamerikaner gewinnen.

In Südafrika präsentieren sich die Uruguayer als dritte Kraft in der Gruppe A. Die Stärken dürften im Sturm liegen, wo Diego Forlan, der für Atletico Madrid den Europa-League-Final gegen Fulham mit zwei Treffern entschieden hat, und der 23-jährige Luis Suarez die Stützen sein. Suarez schoss für Ajax Amsterdam in der vergangenen Saison 35 Tore in 33 Spielen.

Der Aussenseiter: Südafrika

Rein statistisch besitzt Südafrika die besten Chancen, die Achtelfinals zu erreichen. Noch nie schied ein WM-Gastgeber in der Gruppenphase aus. Doch ob der Heimvorteil reichen wird, um aus Südafrika einen WM-Achtelfinalisten zu machen, ist sehr fraglich. Die Resultate der letzten Jahre verheissen nichts Gutes. Seit dem Sieg im Afrika-Cup 1996 befindet sich die Nationalmannschaft im freien Fall.

Zuletzt verpasste das Team von Carlos Alberto Parreira, der Brasilien 1994 zum WM-Titel führte, sogar die Qualifikation für den Afrika-Cup. In der Weltrangliste liegen Länder wie Malawi oder Uganda vor der "Bafana Bafana". Mit Steven Pienaar (Everton) haben die Südafrikaner einen einzigen Spieler in ihren Reihen, der bei einem grösseren europäischen Verein regelmässig zum Einsatz kommt. Hoffnung gibt dem Gastgeber das Abschneiden beim Confederations Cup im letzten Jahr, als Südafrika erst in der Verlängerung mit 2:3 am Europameister Spanien scheiterte und insgesamt gute Leistungen zeigte.

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