Frankreich: Viel Talent und ein Machtvakuum

Frankreich

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An Talenten mangelt es Frankreich nicht. Gerade in der Offensive besitzt der EM-Finalist von 2016 ein beeindruckendes Reservoir an schnellen und trickreichen Spielern. Nationalcoach Didier Deschamps konnte es sich sogar leisten, auf die Stürmer Anthony Martial und Kingsley Coman zu verzichten. Ousmane Dembélé und vor allem Kylian Mbappé sollen an der WM neben den erfahreneren Olivier Giroud und Antoine Griezmann für Spektakel sorgen. Auch in den anderen Mannschaftsteilen ist Frankreich erstklassig besetzt. Die Innenverteidigung bilden Samuel Umtiti vom FC Barcelona und Raphaël Varane von Real Madrid.

Trotzdem bleiben viele Fragezeichen, weil Frankreich auch im sechsten Jahr unter Deschamps kein klares Spielkonzept aufweist, was auch daran liegt, dass das Team seit der EM stark umgestellt wurde. Nur neun der damaligen Teilnehmer sind auch im 23-Mann-Kader für die WM. Die junge Equipe zeigte in den letzten Monaten phasenweise begeisternden Fussball, brach aber auch immer wieder mal ohne ersichtlichen Grund ein. Ein Leader, der das Team gerade in schwierigen Momenten zusammenhält, fehlt. Die Erfahrensten im zentralen Mittelfeld - Paul Pogba, Ngolo Kanté und Blaise Matuidi - sind nicht dafür bekannt, Führungsspieler zu sein.

Dänemark: Ein Team um Eriksen

Dänemark

Dänemark

Ein überdurchschnittlicher Goalie mit Kaspar Schmeichel, eine stabile Abwehr um Captain Simon Kjaer und eine aufregende Offensive um Christian Eriksen zeichneten Dänemarks Mannschaft auf dem Weg an die WM in Russland aus. Eriksen, der mit Tottenham vor allem im ersten Halbjahr überragend spielte, verhalf Dänemark im Playoff-Rückspiel zur WM-Qualifikation. Mit einem Hattrick sicherte er den 5:1-Erfolg in Irland und machte sich zum drittbesten Torschützen der europäischen WM-Qualifikation (11 Treffer) hinter Robert Lewandowski (16) und Cristiano Ronaldo (15).

Unter dem 2015 verpflichteten Nationalcoach Age Hareide spielt Dänemark nicht mehr so offensiv wie noch unter dessen Vorgänger Morten Olsen. Eine Veränderung war nötig geworden, weil das "Danish Dynamite" in den letzten Jahren nicht mehr richtig zündete. Seit 2004 hat der Europameister von 1992 bei keiner Endrunde mehr die K.o.-Spiele erreicht. Unter dem Norweger Hareide soll wieder an die Erfolge der Achtziger- und Neunzigerjahre angeknüpft werden.

Peru: WM-Comeback nach 36 Jahren

Peru

Peru

Erstmals seit 1982 wird Peru bei einer WM dabei sein. Als letztes Team sicherte sich die Mannschaft des 32 Millionen Einwohner zählenden Landes das Ticket für Russland. In der südamerikanischen WM-Qualifikation schossen nur Brasilien und Uruguay mehr Tore als die Peruaner, die unter dem 2015 verpflichteten Coach Ricardo Gareca einen auf Ballbesitz ausgerichteten Stil praktizieren. In der Schlussphase der Qualifikation erreichte Peru unter anderem in Argentinien ein torloses Remis und gewann gegen Uruguay.

Mit Paolo Guerrero darf nach einer Dopingsperre, die vom Verband erfolgreich angefochten wurde, nun doch der Star zur WM fahren. Der zweitbekannteste Name im Peru-Kader ist jener von Jefferson Farfan ist, der nach vielen Jahren bei Eindhoven und Schalke nun für Lokomotive Moskau spielt. Die meisten anderen Peruaner sind in Europa kaum bekannt. Der in Kolumbien spielenden Captain und Abwehrchef Alberto Rodriguez und der beim FC São Paulo in Brasilien unter Vertrag stehende Spielmacher Christian Cueva gelten neben Farfan als die entscheidenden Figuren im Team.

Australien: Nostalgischer Dauergast

Australien

Australien

Was wäre passiert, wenn...? Die Frage können sich die Fans des australischen Nationalteams seit dem 26. Juni 2006 stellen. Damals, im WM-Achtelfinal in Kaiserslautern, hielten die "Socceroos" gegen die hoch favorisierten Italiener über 90 Minuten ein 0:0. Auch nach vier Minuten der Nachspielzeit stand es noch so. Danach sprach der spanische Schiedsrichter Luis Medina Cantalejo Italien einen Foulpenalty zu, den Francesco Totti verwertete. Vorher und nachher wurde in keinem anderen WM-Spiel derart spät in der regulären Spielzeit ein Penalty verhängt. Und so ging es weiter: Italien wurde Weltmeister; Australien schied aus - und hat seither eine Rechnung offen.

In Russland wird Australien die vierte WM in Serie bestreiten. So gut wie 2006 lief es dem Team aus "Down Under" nie mehr. Und wenig spricht dafür, dass es zum zweiten Mal in die WM-Achtelfinals vorstösst. Die Australier im aktuellen Kader sind in Europa nicht an den besten Adressen tätig. Sechs spielen in England, aber nur zwei von ihnen - Goalie Mathew Ryan und Mittelfeldspieler Aaron Mooy von den Neulingen Brighton respektive Huddersfield - in der Premier League. Der 38-jährige Rekordtorschütze Tim Cahill spielte zuletzt für Millwall in der zweiten englischen Liga. Mit Trent Sainsbury (GC) und Tomi Juric (Luzern) können auch zwei Super-League-Spieler auf WM-Einsätze hoffen.