Fussball

Franco Costanzo will sich mit seinem sechsten Titel aus Basel verabschieden

Franco Costanzos Zeit in Basel geht morgen zu Ende. Geisser/Imago

Franco Costanzos Zeit in Basel geht morgen zu Ende. Geisser/Imago

Seine erste Halbzeit im Dress des FC Basel wird Franco Costanzo wohl nie vergessen. In der neunten Minute lässt der Argentinier einen Flankenball vor die Füsse seines Landsmanns Francisco Aguirre fallen – 1:0 für den FC St. Gallen.

35 Minuten später kommt Costanzo aus dem Tor und rutscht am Ball vorbei. Wieder ist Aguirre zur Stelle – 0:2. Der Rückstand ist für den Titelanwärter eine zu grosse Hypothek. Am Ende verliert der FCB im Espenmoos 2:3. Das ist wohl der schlimmstmögliche Einstand für einen Torhüter. Erst recht, wenn er Millionen gekostet hat. «Natürlich erinnere ich mich an jenes Spiel. Diese fünf Jahre sind richtiggehend verflogen», sagt Costanzo lächelnd zwei Tage vor seiner Abschiedsvorstellung im St.-Jakob-Park.

Basel musste sich an einen neuen Typen zwischen den Pfosten gewöhnen. Auf den extrovertierten Pascal Zuberbühler folgte einer, der zwar aussah wie das Mitglied einer Boygroup, in seinem Wesen aber ganz ruhig, bescheiden und freundlich war und immer noch ist.

Den medialen Scheinwerfern wich er aus so gut es ging, auch in seiner Amtszeit als Captain. Dennoch geniesst der Keeper bei den Fans bedingungslose Rückendeckung – nicht zuletzt dank seiner grossartigen Leistungen. «Es ist unglaublich, den Rückhalt bei den Fans zu spüren. Das ist das, was jeder Fussballer fühlen möchte. Dafür fehlen mir die Worte», meint Costanzo.

Die Worte fehlen dem Gaucho auch, wenn er an sein letztes Spiel denkt. Nicht etwa wegen der sportlichen Brisanz, denn an den Druck beim Schweizer Branchenleader hat er sich längst gewöhnt. Nein, er kann seine Gefühlslage nicht adäquat beschreiben: «Es ist komisch, das letzte Mal in Basel zu spielen.» Es sei traurig und nicht einfach für ihn, denn er sei ein bisschen schweizerisch geworden in den letzten Jahren. «Aber das Leben geht weiter. Das ist Fussball.»

Konkrete Angebote

Die besten fünf Jahre seiner Karriere habe er in Basel erlebt, sagt Costanzo. Einer Karriere, die noch lange nicht zu Ende ist. Wo allerdings der charismatische Keeper seine Laufbahn fortsetzt, ist völlig offen. «Das ist eine gute Frage», antwortet Costanzo grinsend. Es gibt konkrete Angebote, doch sicher sei noch nichts – abgesehen davon, dass er sicher nicht in Argentinien Fussball spielen wird. «Ich habe keine speziellen Vorlieben, was Liga oder Klub angeht. Ich werde alle Angebote auf den Tisch legen und dann entscheiden, welches das Beste für meine Familie ist», erklärt der Torhüter, der den FCB «ohne schlechte Gefühle» verlässt. Doch entschieden wird erst ab Freitag. «Nun muss ich das beiseitelegen. Wir wollen Meister werden. Und das werden wir auch», sagt Costanzo.

Der Abschied mit einem Pokal auf dem Barfüsserplatz wäre für Costanzo der schönste, den er sich denken kann. «Den Klub als Meister und für die Champions League qualifiziert zu verlassen, wäre unglaublich», meint er. Und das in einer Saison, in der er von Anfang an wusste, dass es seine letzte wird. «Ich bin Profi», antwortet Costanzo verwundert auf die Frage, wieso er nicht vor einem Jahr bereits einen neuen Verein gesucht habe, «ich habe einen Vertrag bis Juni 2011 und kämpfe für den Titel bis zum Schluss.» Es wäre der zehnte seiner Karriere, sein sechster mit dem FCB.

Die Geburt geniesst Priorität

So wird die eventuelle Meisterfeier auch zu Costanzos Abschiedsfest, denn etwas Besonderes habe er nicht geplant. «Nein, wir feiern auf dem Barfi», sagt der Argentinier im Brustton der Überzeugung. Man würde es ihm gönnen. Doch vielleicht kann Costanzo morgen den allfälligen Pokal auch gar nicht entgegennehmen. Dann hätte sich für ihn der Kreis mit dem 0:0 in St.Gallen geschlossen. Costanzos Frau erwartet jederzeit ihr drittes Kind. «Ich werde auf keinen Fall spielen, wenn mein Sohn am Mittwochabend zur Welt kommt», sagt der 30-Jährige bestimmt. Es gibt wichtigere Dinge als Fussball. Erst recht für Franco Costanzo.

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