Frust, oder gar Wut? Nein, mehr als die unmittelbare Enttäuschung über die Niederlage war da in den Reihen der Basler nicht auszumachen. Das beweist die Szene mit den beiden Trainern in der Hauptrolle, die sich kurz vor der Medienkonferenz im Kabinengang abspielt: Auf Uli Fortes Lackschuhen liegt eine dicke Dreckschicht, die sich während der etlichen Ausflüge des YB-Trainers an die Seitenlinie bildete.

Also bittet Forte einen Ordner um einen Lumpen und poliert sich das Schuhwerk. Als er erblickt, dass auch Murat Yakins Treter im schlammigen Rasen gelitten haben, legt Forte sogleich beim FCB-Trainer Hand an. Forte gebückt vor Yakin, der sich grinsend auf Fortes Rücken abstützt – was für ein Bild! «Wir hatten die Punkte nötiger als ihr, danke dafür», lacht der YB-Trainer, bevor die beiden Arm in Arm davonlaufen.

Der coole Marco Streller

Die Berner haben ihr Mindestziel, die Qualifikation für den Europacup, mit dem gestrigen Sieg erreicht. Dass auch Rot-Blau das Fussballjahr erfolgreich beschliessen wird, daran zweifelt trotz des 1:3 gegen YB niemand. Nicht einmal die Basler selbst.

«Bei allem Respekt vor Lausanne und Aarau – aber wer gegen den Absteiger und gegen ein Team, für das die Saison gelaufen ist, keinen Sieg holt, der muss nicht einmal an den Titel denken», sagt Marco Streller. Es sei, so der wiedergenesene Captain, zum richtigen Zeitpunkt ein Schuss vor den Bug gewesen. «Wir wissen jetzt, dass uns die Meisterschaft nicht geschenkt wird. Aber ich habe überhaupt keine Bedenken, dass diese Niederlage etwas Negatives auslöst. Dafür sind wir zu erfahren in entscheidenden Situationen.» Enttäuschung? Ja. Anspannung, Frust oder gar Wut? Nein. So cool, wie er die Flasche mit dem Energiegetränk um den Zeigefinger wirbelt, so cool ist Streller trotz der zweiten Saisonniederlage auch.

Schlaftablette für Fabian Frei

Ein Grossteil der Basler verfolgte am Vorabend im Sitzungsraum des Teamhotels den Untergang der Grasshoppers in Aarau. Einige seien mit lachenden Gesichtern in ihren Zimmern verschwunden, erzählt Fabian Frei. Und so habe er erwartet, dass das 0:4 von GC seine Mannschaft für die Partie gegen YB beflügeln würde. «Eine Erklärung, warum es anders kam, habe ich auf die Schnelle keine. Ausser vielleicht, dass YB es schon recht gut gemacht hat.»

Kam der erste Matchball, weil unerwartet, zu früh? «Nein, das sicher nicht. Aber vielleicht haben einige nicht so gut geschlafen, als sie vom GC-Resultat hörten. Ich habe zur Sicherheit eine Tablette genommen», sagt Frei. Eine Erklärung für die Niederlage fiel ihm wie allen seinen Teamkollegen merklich schwer.

Dass es diese im Gesamtfazit der Saison auch nicht braucht, davon ist auszugehen. Nur schon aufgrund der Tatsache, dass bei vier Punkten Differenz zwischen Basel und GC nur noch zwei Spiele zu absolvieren sind. Fabian Frei: «Dass die Spiele weniger werden, spricht für uns und gegen GC. Aber wir fahren nach Aarau, um zu gewinnen. Ehrensache, dass wir den Titel aus eigener Kraft holen wollen.»

Für die Romantiker unter den Fussballfans wäre es eine tolle Geschichte , würde sich der FCB, der noble Vorzeigeklub der Schweiz mit dem grössten Stadion, am Donnerstag ausgerechnet in der Aarauer Stadionruine «Brügglifeld» zum Meister krönen.