Für die Überraschung des Tages sorgt Franck Etoundi erst im Anschluss an das Spiel. Die Frage lautet: Zwei Tore selbst erzielt, das dritte mit dem Kopf vorbereitet, war es Ihr bestes Spiel für den FCZ? Etoundi sagt: «Nein, nein, nein – ich war ja gar nicht richtig fit. Ich hatte Rückenschmerzen, ich war müde und auch dementsprechend kaum eingebunden ins Spiel.»

Schmerzen? Müdigkeit? Ein bisschen muss Etoundi selbst lachen, er weiss, das hört sich komisch an für einen, der soeben das Zürcher Derby entschieden hat. Aber er erklärt: «Die Reisen mit dem Nationalteam von Kamerun waren sehr anstrengend.» Noch ist Etoundi im Sturm von Kamerun erst die Nummer vier. Bei den Spielen gegen Sierra Leone in der Qualifikation für den Afrika-Cup kam er nicht zum Einsatz. Dafür schlug gestern im Derby die Stunde des 24-Jährigen.

Die Antithese zum FCZ

Selbstverständlich ist das nicht. Denn Etoundi ist ein Rätsel. Manchmal verspringen ihm die Bälle stümperhaft. Manchmal verpasst er unerklärlich den Zeitpunkt für ein Abspiel. Das alles passiert ihm auch gegen GC. Und Etoundi ist der Erste, dem seine eigenen Schwächen bewusst sind. Er sagt: «Ich bin auch zum FCZ gekommen, um meine Technik zu verbessern. Das ist hier rund um die vielen virtuosen Spieler gut möglich.»

Doch die technischen Mängel sind nur die eine Seite des Franck Etoundi. Er hat auch eine andere. Er ist bullig, schnell und behauptet sich auch dann in Kopfballduellen, wenn «zwei Gegner miteinander an ihm zerren und zupfen», wie FCZ-Trainer Urs Meier erzählt. Er ist damit gewissermassen die Antithese zum typischen FCZ-Spieler. Meier sagt: «Etoundi ist mit seiner Art extrem wichtig für die Balance im Team.

Nur mit Super-Technikern gewinnt niemand etwas.» Und dann kann Etoundi an einem Nachmittag, an dem der FCZ spielerisch lange enttäuscht, eben den Unterschied ausmachen. Aber: Schmerzen? Müdigkeit? «Spätestens nach dem 3:1 hat sich Etoundi sehr wohl gefühlt», sagt Meier lächelnd.

Der Frust bei GC

GC findet besser ins Spiel. Erst vergibt Anatole eine Chance so kläglich, wie das wohl nicht viele der 19 200 Zuschauer fertiggebracht hätten. Kurz darauf trifft Caio doch noch zum 1:0. Der FCZ ist einige Minuten unsortiert, weil Kecojevic früh verletzt raus muss. Aber er kämpft sich ins Spiel zurück. Verhindert irgendwie, dass der Rückstand anwächst. Und dann kommt der erste Auftritt von Etoundi. In der 28. Minute fliegt sein Kopfball aus 15 Metern wunderbar ins hohe Eck.

Lange passiert nichts mehr. Die Fehler nehmen auf beiden Seiten zu. Bis Etoundi eine Viertelstunde vor Schluss Grichting erneut davonläuft, den Ball an die Latte köpfelt und Francisco Rodriguez den Abpraller nutzt. Das 2:1 entscheidet die Partie. Für die Krönung sorgt Etoundi sieben Minuten später, als er alleine vor dem Tor überlegt zum 3:1 abschliesst. Bei beiden Toren von Etoundi liefert Philippe Koch die tolle Vorarbeit.

Nächste Enttäuschung

Die späten FCZ-Tore sind überdies ein Glück für Schiedsrichter Bieri, der einen klaren Penalty übersieht (Foul von Gülen an Chiumiento). Dank des erneuten Derbysieges ist der FCZ wieder Leader.

Und GC? Im ersten Spiel nach der Ernennung von Axel Thoma zum Sportchef folgt die nächste Enttäuschung dieser Saison. Die rote Karte gegen Grichting nach einer Tätlichkeit kurz vor Schluss ist der Tiefpunkt, der zeigt, wie viel Frust sich derzeit bei GC staut. Manch einer ertappt sich bei der Feststellung, dass GC genau in solchen Partien eigentlich nicht auf einen Spieler wie Vero Salatic verzichten kann. Das kommende Spiel in Vaduz wird schon wegweisend – auch für Trainer Michael Skibbe.

Super League. 12. Runde. Samstag: Aarau - St. Gallen 0:3 (0:1). Young Boys - Basel 0:1 (0:1). -Sonntag: Luzern - Vaduz 0:0 (0:0). Sion - Thun 0:0 (0:0). Grasshoppers - Zürich 1:3 (1:1).

Rangliste: 1. Zürich 12/26 (24:12). 2. Basel 12/25 (25:16). 3. St. Gallen 12/21 (21:15). 4. Thun 12/21 (21:17). 5. Young Boys 12/18 (20:16). 6. Aarau 12/14 (14:17). 7. Sion 12/12 (10:14). 8. Grasshoppers 12/11 (13:22). 9. Vaduz 12/10 (8:18). 10. Luzern 12/6 (12:21).