1. Das Ärgernis mit den Handspenaltys

Wann ist ein Mann ein Mann? Die Frage von Herbert Grönemeyer in einem seiner Songs zeugt von Ratlosigkeit und ein bisschen Verzweiflung. Wann ist ein Hands ein Hands? Die Frage, welche die Fussballgemeinde derzeit am meisten beschäftigt, kündet von Unsicherheit und Verwirrung.

Am Samstag hat sich beim 3:3 im «Spitzenspiel» zwischen dem FC Zürich und den Young Boys wieder einmal eine Szene abgespielt, die fassungslos macht. Wer in die Augen von FCZ-Captain Kevin Rüegg schaute, erkannte nur eines: Verständnislosigkeit. Ngamaleu hatte ihm den Ball aus weniger als drei Metern Entfernung mit voller Wucht an den nicht ausgestreckten, sondern angewinkelten Arm gepfeffert.

Wer selber Fussball gespielt hat, ob in einem Stadion oder auf dem Pausenhof, weiss, dass eine solche Aktion nichts mit einem ahndungswürdigen Handspiel zu tun haben kann. Weder hat Rüegg die Fläche vergrössert, noch die Absicht gehabt, eine YB-Chance zu vereiteln, noch ist der Arm über Kopfhöhe gewesen. Dennoch hat Schiedsrichter Adrien Jaccottet einen Penalty diktiert und damit gleich gehandelt wie Kollege Deniz Aytekin im CL-Spiel YB gegen Manchester. Als dem bedauernswerten Kevin Mbabu der Ball aus kürzester Distanz gegen den Arm geschossen worden war.

«Angeschossene» Bälle sollten endlich nicht mehr als Handspiel gewertet werden. Das zu beurteilen ist kein Ding der Unmöglichkeit, sondern der Beobachtungsgabe und des Spielverständnisses. Ansonsten kommen die Verteidiger noch auf die Idee, sich die Arme auf den Rücken binden zu lassen.

2. Wölfli vor dem Debüt in der Königsklasse

Das Unentschieden von YB in einem äusserst spektakulären Super-League-Spiel im Letzigrund hat natürlich nichts daran geändert, dass der Titelverteidiger noch immer unangefochten auf dem Leaderthron sitzt. Zehn Punkte beträgt der Vorsprung auf den weiterhin kecken FC Thun.

Nicht nur im Eishockey (der EHC Biel und der SC Bern stehen zuoberst in der NL-Tabelle), auch im Fussball wird die höchste Spielklasse von zwei Berner Teams angeführt. YB zeigte in Zürich eine gute Mentalität und holte einen 1:3-Rückstand auf. Am Dienstag in der Champions League gegen Valencia wird Marco Wölfli im Tor stehen, musste David von Ballmoos doch mit einem Nasenbeinbruch und einer Hirnerschütterung vom Platz.

3. GC erstmals nach 14 Partien ohne Gegentor

Die Sonntagsspiele in der Super League waren von überschaubarer Qualität. Aufsteiger Xamax dürfte das beim 1:1 in Basel egal gewesen sein. Fabio Celstini gelang derweil mit dem 3:1 über St. Gallen das Heimdebüt. Der neue Trainer des FC Lugano hatte vernünftigerweise darauf verzichtet, Fabio Daprelà einzusetzen. Der Verteidiger, der vier Wochen zuvor den St. Galler Cédric Itten ins Spital getreten hatte, wäre zwar (noch) spielberechtigt gewesen, ein Einsatz aber psychologisch unklug. Damit entzog Celestini dem Spiel eine unnötige Brisanz.

Weniger brisant als erwartet verlief auch das Wiedersehen von Sion-Trainer Murat Yakin mit GC. Die Zürcher blieben beim 0:0 erstmals nach 14 Partien ohne Gegentor. Sion hatte zuvor in 57 Partien nicht mehr 0:0 gespielt.

4. YB-Gegner Valencia kommt nicht voran

Wie YB musste sich auch der FC Valencia, der morgen im Stade de Suisse zu Gast ist, in der Meisterschaft mit einem Unentschieden begnügen. Er kommt damit in der Primera Division weiter nicht vom Fleck, liegt nur auf Rang 14 und hat jetzt in neun Partien nicht weniger als sieben Mal unentschieden gespielt. Obwohl namhafte Stürmer wie Rodrigo, Batshuayi und Gameiro auf dem Platz stehen, hat Valencia erst sieben Tore erzielt. Die Online-Ausgabe der Sportzeitung «Marca» schrieb: «Trainer Marcelino ist am Verzweifeln!»

Dass die Form nicht stimmt, zeigte sich auch am Samstag beim Heim-1:1 gegen den Tabellen-Achtzehnten Leganes. Erst fünf Minuten vor Schluss rette Gayà Valencia wenigstens noch einen Punkt.

5. Real Madrid in einer echten Krise

Noch grösser als bei Valencia ist die Krise bei Real Madrid. Zwar ist der Rückstand auf Leader Barcelona, bei dem sich Lionel Messi den Arm brach und drei Wochen ausfällt, mit vier Punkten nicht dramatisch, die Entwicklung unter dem neuen Trainer Julen Lopetegui aber schon.

Der vormalige spanische Nationalcoach, der ein paar Tage vor der WM entlassen worden war, hat mit Real nun drei Pflichtspiele in Folge verloren und ist seit fünf Partien sieglos. Dass Marcelo beim 1:2 gegen Levante die historische Torflaute von 418 Minuten beendet hatte – nie in der 116-jährigen Geschichte war Real so lange ohne Tor geblieben – , war kein Trost. Lopeteguis Stuhl wackelt. Antonio Conte und Santiago Solari werden schon als Nachfolger gehandelt.