Der Tag danach. Wie immer nach einem Auswärtsspiel im Europacup treffen sich die FCB-Akteure und die Journalisten auch gestern vor der Rückreise am Flughafen.

Ziel: die Geschehnisse vom Vorabend mit einer Nacht Abstand aufzubereiten. Doch nach dem 2:3 gegen die AS St. Etienne ist die Stimmung frostig.

Die Spieler demonstrieren ihr Desinteresse am Austausch mit den Journalisten, indem sie sich in die andere Ecke der Abflughalle verkriechen. Vonseiten der sportlichen Leitung fallen die Voten dezidierter aus als sonst.

Gesprächsthema Nummer 1: Urs Fischers Personalwahl. Der FCB-Trainer verzichtete in Frankreich überraschend auf seinen Captain Matias Delgado und stellte stattdessen Birkir Bjarnason auf die Zehnerposition.

Gemäss Fischer ein Entscheid, «der mir sehr schwergefallen ist, weil Mati in einer sehr guten Verfassung ist. Ich entschied mich für die defensivere Variante, um im Zentrum stabiler zu sein.»


Nun: In ihrer Berichterstattung kritisierten einige Medien (auch die «Nordwestschweiz» ) Birkir Bjarnason für seine Leistung. Was man auf FCB-Seite komplett anders sieht. Fischer: «Birkir war einer unserer Besten.»

Und um seine Worte zu untermauern, reicht er den Journalisten eine aktuelle Ausgabe der französischen Sportzeitung «l’Equipe»: Von deren Reportern erhielt der Isländer zusammen mit Michael Lang die Bestnote aller FCB-Spieler.

Doch Fischer geht es um mehr als nur um die verschiedenen Betrachtungsweisen von Bjarnasons sportlicher Performance.

Er sieht in der Schelte für Bjarnason einen Vorwand der Medien, den Trainer zu kritisieren. Und zwar für den Entscheid, Delgado auf die Bank zu setzen.

«Wenn man mich direkt kritisiert, habe ich damit kein Problem. Aber wenn Trainerkritik auf dem Rücken eines Spielers ausgetragen wird, kann ich das nicht tolerieren. Bjarnasons Leistung als schlecht zu bezeichnen, grenzt in meinen Augen an einen Skandal.»

Kommen 20 000 ins Joggeli?

Die Diskussion am Flughafen von St. Etienne mündet in eine Debatte über die Erwartungshaltung an den FCB und über Zieldefinitionen.

Präsident Bernhard Heusler: «Als FC Basel kann man gegen St. Etienne weiterkommen, aber man muss nicht.»

Und weiter: «Ein Fan ist nie zufrieden. Das ist der Unterschied zu den Personen, die die Ziele des Klubs formulieren. Der Fan will, dass wir den Europa-League-Final erreichen. Unser Ziel war es immer, im Europacup zu überwintern.»

Der Blick richtete sich dann wieder nach vorne. Auf das Rückspiel am kommenden Donnerstag. Um sich für die Achtelfinals zu qualifizieren, muss der FCB das Rückspiel gewinnen. Ein 1:0, 2:0 oder 2:1 nach 90 Minuten brächte Rot-Blau direkt in die nächste Runde. Bei einem 3:2-Heimsieg käme es zur Verlängerung. Ein 4:3, 5:4 usw. würde das Ausscheiden bedeuten, weil St. Etienne dann mehr Auswärtstore als der FCB erzielt hätte.

Heusler: «Ich hoffe, dass es dank der spannenden Ausgangslage gelingt, über 20 000 Zuschauer im Joggeli zu haben.» Bis gestern waren gut 10 000 Tickets verkauft.

Gegen Vaduz sind drei Punkte budgetiert

Zwischen den Europa-League-Spielen macht der FCB morgen einen Abstecher in den Liga-Alltag. Vaduz ist der Gegner.

Und zumindest in punkto Erwartungshaltung dürften der FCB und der Fussballkonsument dieses Mal nicht allzu weit auseinander liegen: Alles andere als drei Punkte gegen die Liechtensteiner wäre für Rot-Blau eine Enttäuschung.