Offenbar steht die Suspendierung des amtierenden Fifa-Präsidenten Sepp Blatter durch die interne Ethik-Kommission kurz bevor, das berichtet die deutsche Zeitung «Welt» unter Berufung auf ungenannte Quellen.

Zugleich sollen Ermittler der Bundesanwaltschaft nun auch Uefa-Präsident Michel Platini ins Visier genommen haben. Der Franzose ist als Empfänger einer Zahlung über zwei Millionen Franken Auskunftsperson im Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gegen Blatter.

Die Summe, die im Raum stehe, sei aber eine viel grössere. Wie «die Welt» weiter schreibt, erhielt Platini «viel mehr Geld als die bislang bekannten zwei Millionen Franken». Auch der Franzose soll angeblich von der Ethik-Kommission gesperrt werden.

Bereitschaft zur Kooperation

Nach Bekanntwerden des Strafverfahrens gegen Blatter hatten sowohl der Fifa-Präsident als auch der Uefa-Vorsitzende beteuert, keine unrechtmässigen Geschäfte getätigt zu haben. Zudem haben die Beteiligten angekündigt, mit den Ermittlern kooperieren zu wollen.

Blatter hatte noch am Montag ausgeschlossen, vorzeitig von seinem Posten als Präsident des Weltfussball-Verbands zurückzutreten.

Jack Warner lebenslang gesperrt

Entschieden hat die Fifa-Ethikkommission schon im Fall Jack Warner: Sie hat Korruptionsskandal-Schlüsselfigur Jack Warner (72) lebenslang für jegliche Tätigkeiten im Fussball gesperrt.

Als Grundlage für den erwarteten Ausschluss des 72-Jährigen aus Trinidad und Tobago nannte die Kommission die Ermittlungen, die von der Untersuchungskammer der Ethikkommission aufgrund des Berichts über die Untersuchung des Bewerbungsverfahrens der Fussball-Weltmeisterschaften in Russland (2018) und Katar (2022) vorgenommen wurden.

Warner sei Drahtzieher von Systemen gewesen, welche die "Gewährung, Annahme und den Empfang verdeckter und illegaler Zahlungen beinhalteten, sowie anderer Systeme zur Bereicherung", schreibt die Fifa-Rechtskammer. In diesem Zusammenhang ermittelt auch das FBI gegen den Ex-Chef der Konföderation Concacaf.

Warner war bereits im Juni 2011 nach Vorwürfen der Bestechung bei den umstrittenen WM-Vergaben von allen Ämtern zurückgetreten. Zuletzt hatte zudem im Zuge der Ermittlungen gegen Fifa-Chef Joseph Blatter ein Vorgang aus dem Jahr 2005 für Brisanz gesorgt.

Blatter soll damals mit Warner einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen haben. Die von Blatter für 600'000 Dollar übertragenen TV-Rechte veräusserte Warner gemäss Schätzungen zwei Jahre später für 15 bis 20 Millionen Dollar.

Der frühere Spitzenfunktionär aus der Karibik sass von 1983 bis 2011 in der Exekutive der Fifa. Derzeit ist er gegen Kaution auf freiem Fuss. Die Justiz in Trinidad und Tobago wird im Dezember über seine mögliche Auslieferung an die USA entscheiden.

Nächste Auslieferung

Die Schweiz hat der Auslieferung des vierten Fifa-Funktionärs an die USA zugestimmt. Das Bundesamt für Justiz (BJ) hat der Auslieferung von Eduardo Li zugestimmt, dem ehemaligen Präsidenten des costa-ricanischen Fussballverbandes (FEDEFUT).

Eduardo Li war am 27. Mai zusammen mit sechs weiteren Fifa-Funktionären in Zürich festgenommen und in Auslieferungshaft gesetzt worden. Dem Costa Ricaner wird vorgeworfen, beim Verkauf von Marketingrechten anlässlich der Qualifikationsspiele für die WM 2018 an eine US-amerikanischen Sportvermarktungsfirma Bestechungsgelder angenommen zu haben.

Li kann den noch nicht rechtskräftigen Auslieferungsentscheid innert 30 Tagen beim Bundesstrafgericht anfechten.