Auffällig ist: Trotz mehr Kameras als je zuvor sind Bilder von den VIP-Tribünen bislang eine Seltenheit. Die FIFA setzt bei der WM auf die Macht der Bilder, die Mächtigen der Welt werden aber wohl deutlich seltener als bei den Turnieren in Deutschland und Südafrika im TV zu sehen sein. "Es ist schön, eine Aufnahme von den VIP-Tribünen zu haben", sagte Niclas Ericson, Direktor der TV-Abteilung im Fussball-Weltverband in Rio de Janeiro. Aber: "Der Fokus liegt auf dem Geschehen auf dem Platz."

2006 und 2010 gehörten Bilder von Südafrikas Präsident Jacob Zuma und anderen Promis zum Standard. Blicke auf die Ehrentribünen sind in Brasilien hingegen bislang kurz und knapp. Beim Eröffnungsspiel war Rousseff nur einmal zu sehen. Blatter wurde bei seinem Besuch der Partie Schweiz - Ecuador in Brasilía vor dem Anpfiff für wenige Sekunden eingeblendet. Einen Zusammenhang mit möglichen Unmutsäusserungen der Zuschauer im Stadion beim Anblick von Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff oder FIFA-Boss Joseph Blatter wie beim Confederations Cup 2013 werden als Begründung zurückgewiesen. Eine Kameraregie dieser Art gibt es nicht, beteuert Ericson.

Zudem kann sich das TV-Bild auch von dem der Grossbildleinwand in den Arenen unterscheiden. "Es gibt sehr viele Entscheidungen der Regisseure", so Ericson. Eine bei der EM 2012 viel kritisierte Strategie gibt es aber bei der WM nicht mehr. Nachträglich eingebaute Schnittbilder sind für HBS, den TV-Partner der FIFA, ein absolutes Tabu. "Wir spielen keine verzögerten Aufnahmen in die Live-Berichterstattung ein", versicherte Ericson.

Die Produktion der TV-Bilder bewegt sich in Brasilien auf Rekordniveau. 34 Kameras, inklusive einer Perspektive aus luftiger Höhe, in allen zwölf Stadien erlauben neue Blickwinkel. Bei ausgewählten Spielen werden Kameras eingesetzt, die Bilder mit besonders hoher Auflösung produzieren. Abnehmer sind 161 Lizenznehmer und 305 Sub-Lizenzinhaber weltweit. Die Kosten sind noch nicht genau zu beziffern. Bei der FIFA rechnet man mit einem Plus von 40 Prozent im Vergleich zu den 250 Millionen Dollar vor vier Jahren in Südafrika.

Die ersten Einschaltquoten sind beachtlich. Um Mitternacht Ortszeit verfolgten zum Beispiel in England 14,2 Millionen und Italien 12,8 Millionen Menschen die Partie der beiden ehemaligen Weltmeister. "Kein anderer Event hat so viele Zuschauer zu so einer Tageszeit", sagte Ericson. "Das Fernsehen macht die WM zu einem globalen Ereignis. Die Menschen haben das Gefühl, bei der WM dabei zu sein. Die WM ist das grösste TV-Ereignis der Welt."

Vorhersagen über die Gesamtzahl der TV-Zuschauer bis zum Final will die FIFA nicht machen, zumal die Aufzeichnungen nicht in allen Ländern so exakt sind wie in Europa. Die Quote von 3,2 Milliarden von 2010 dürfte aber geknackt werden.